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    Würzburg

    Musikhochschule Würzburg: Präsident bekennt sich zur Vielfalt

    Christoph Wünsch, Präsident der Musikhochschule: "So verschieden Menschen sind, auch hier auf dieser Bühne, sie alle haben das Recht auf Dasein und Würde!" Foto: Daniel Peter

    Wenn ein Hochschulpräsident in einer Rede politisch wird, ist das bemerkenswert. Wobei das eigentlich Bemerkenswerte ist, dass heute schon das Bekenntnis zum Miteinander von Menschen unterschiedlicher Herkünfte und Kulturen eine hochpolitische Aussage ist.

    Christoph Wünsch, Präsident der Würzburger Musikhochschule, machte jetzt bei der Studienjahrseröffnung sehr deutlich, dass er sich auf aktuelle innenpolitische Ereignisse bezog, als er unter großem Beifall eine Lanze für die "multikulturellen Ensembles" des Hauses brach und betonte, dass Musik ein Medium der Verständigung und der Friedensstiftung sei. "So verschieden Menschen sind, auch hier auf dieser Bühne, sie alle haben das Recht auf Dasein und Würde."

    Dramatisches Bild vom Zustand der klassischen Musik in den USA

    Es war – neben Regularien wie Verabschiedungen und Dankesworten – eine Veranstaltung von starker grundsätzlicher Ausrichtung. Denn Festredner John W. Richmond, Dekan der Musikabteilung der University of North Texas (UNT), zeichnete ein düsteres Bild vom Zustand der klassischen Musik in den USA, mit dramatisch weniger Studienbewerbern und Konzertbesuchern und dem Überlebenskampf renommierter Klangkörper wie der Sinfonieorchester von Philadelphia und Chicago.

    Ähnlich trübe seien die Aussichten gewesen, als er 2016 an der UNT das Ruder übernommen habe, so Richmond. Schnell sei ihm die zu enge Ausrichtung auf westliche Klassik und den Jazz als Problem klar geworden: "Die musikalische Diversität war größer als der Lehrplan." Immerhin war North  Texas die erste Uni weltweit, an der man einen Abschluss in Fach Jazz machen konnte. "Das war damals, kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, ein Skandal. Jazz galt als die Musik der Bars und der Bordelle."

    Die Lösung: Die Lehre muss sich dem ständigen Wandel öffnen

    Im Austausch mit Kollegen, denen es gelungen war, an ihren Unis den Trend umzukehren, zeigte sich, dass die Lehre sich öffnen muss – in Richtung zusätzlicher Fertigkeiten und Qualifikationen. North Texas schuf den Fachbereich "Performing Arts Health", der sich mit allem befasst, was Musikern gesundheitlich zu schaffen macht, vom Lampenfieber über Muskelprobleme bis hin zu Depressionen.

    John Richmond hatte versprochen, seine Geschichte werde ein "Happy Ending" haben. Für sein Haus besteht dieses in 30 Prozent mehr Bewerbungen, einer treuen Zuschauerschaft von durchschnittlich 300 000 Menschen, die weltweit die live im Netz übertragenen Konzerte der UNT verfolgen. Und der Einsicht, dass Wandel die einzige Konstante ist.

    Der Auftritt der Bläserphilharmonie unter der Leitung von Ernst Oestreicher. Foto: Mathias Wiedemann

    Musik gemacht wurde in Würzburg auch, das Hochschulorchester spielte unter der Leitung von Yuuko Amanuma eine handfeste "Zauberflöten"-Ouvertüre, die Bläserphilharmonie unter Ernst Oestreicher effektvolle Armenische Tänze von Alfred Reed. Mit Liedern von Mahler und Mendelssohn stellten sich die neuen Gesangsprofessoren Alexandra Coku (Sopran) und Jochen Kupfer (Bariton) vor. Ralf Waldner, Cembalo-Professor seit vergangenem Jahr, spielte verschrobene Variationen von Carl  Philipp Emanuel Bach. Wünsch begrüßte außerdem die Professorinnen und Professoren Katharina Thoma (Opernschule), Stefan Albers (Flöte), Jürgen Ellensohn (Trompete) und Oren Shevlin (Cello).

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