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    Würzburg

    Neumann oder nicht Neumann? Zeigt Bild den Residenz-Architekten?

    Das Martin-von-Wagner-Museum hat von einem Sammler ein Porträt-Medaillon erhalten, das wahrscheinlich Balthasar Neumann zeigt. Es zeigt den Architekten als jungen Mann.
    Dieses Porträtmedaillon (Ausschnitt) zeigt möglicherweise den jungen Balthasar Neumann. Es entstand Mitte des 18. Jahrhunderts und wird künftig im Martin von Wagner Museum ausgestellt sein. Foto: Birgit Wörz

    Ist er es, oder ist er es nicht? Diese Frage beschäftigt zur Zeit Prof. Damian Dombrowski, Direktor der Neueren Abteilung des Martin von Wagner Museums. Ein Kunstsammler hat dem Museum ein Miniaturporträt geschenkt, das nach Auffassung des Sammler Balthasar Neumann zeigt. Das etwa sieben mal sechs Zentimeter kleine ovale Bildnis kam genau zum richtigen Zeitpunkt ins Museum, denn am 27. Januar ist der Geburtstag des Residenz-Architekten, der 1687 im böhmischen Eger geboren wurde. Zu diesem Anlass soll das Porträt nun im Wagner-Museum ausgestellt werden.

    Die Person trägt die Uniform eines Hauptmanns der Fürstbischöflich-Würzburgischen Artillerie 

    Der Münsteraner Kunstsammler Hans Galen, ehemals Leitender Direktor am Stadtmuseum Münster, hat das Medaillon dem Museum übergeben. Laut Galen handelt es sich um Ölmalerei auf einer Kupferplatte, die wiederum auf einer Silberplatte befestigt und mit einem gezackten Rahmen sowie einer Trageöse versehen ist. Galen datiert das Bildnis um das Jahr 1742. Die abgebildete Person ist als Brustporträt dargestellt und trägt die Uniform eines Hauptmanns der Fürstbischöflich-Würzburgischen Artillerie mit Brustpanzer. Über seiner rechten Schulter trägt er die Schärpe des Kommandanten der fränkischen Kreis-Artillerie mit drei silbernen und zwei violetten Streifen. 

    Ausschnitt aus dem Porträt von Balthasar Neumann gemalt von Markus Friedrich Kleinert. Das Bild hängt im Museum für Franken in Würzburg. Foto: Wikipedia

    "Zunächst war ich ein wenig skeptisch, ob es sich bei dem Abgebildeten tatsächlich um Balthasar Neumann handelt", gesteht Damian Dombrowski ein. Es gebe wohl einige Porträts des genialen Barock-Architekten, aber wie er genau ausgesehen habe, sei nicht bekannt, sagt der Kunsthistoriker. Ein Vergleich zwischen der Abbildung Neumanns im Deckengemälde von Giovanni Battista Tiepolo im Treppenhaus der Residenz und dem Medaillon lasse jedenfalls keine Ähnlichkeiten erkennen.

    Verglichen hat Dombrowski das Medaillon auch mit einem Gemälde aus dem Museum für Franken. Dort hat er zusammen mit der Kunsthistorikerin Verena Friedrich, einer Expertin für die Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts, ein Neumann-Porträt des Malers Marcus Friedrich Kleinert angeschaut, das 1727 entstanden ist. Dabei konnten gewisse Ähnlichkeiten festgestellt werden. Fest steht jedenfalls inzwischen: "Wir werden es als Balthasar Neumann ausstellen", sagt Dombrowski.  

    Das Medaillon könnte die früheste erhaltene Darstellung Neumanns sein

    Nicht nur, weil am 27. Januar Neumanns Geburtstag ist, freut sich das Museum über das kleine Porträt. Es passt auch gut zum 300-jährigen Jahrestag der Grundsteinlegung für die Residenz, die am 22. Mai 1720 stattfand. Auch sammlungstechnisch lässt sich das Porträtmedaillon gut ins Museum einfügen, denn die Gemäldegalerie besitzt bereits eine Kollektion mit Porträts von Hofkünstlern der Fürstbischöfe. "Da passt die Neuwerbung sehr gut dazu", mein Damian Dombrowski.

    Über den Wert des kleinen Bildes kann der Museumsleiter nur Vermutungen anstellen. Auf dem Kunstmarkt gebe es sehr viele solcher Abbildungen, doch in vielen Fällen sei nicht bekannt, wer dargestellt ist, erklärt Dombrowski. Ihren Wert erhielten derartige Bildnisse aber erst dadurch, dass die abgebildete Person identifizierbar sei. Sollte es sich bei dem Medaillon tatsächlich um Balthasar Neumann handeln, worauf einiges hindeutet, dann wäre es das früheste erhaltene Bildnis des Residenz-Architekten. 

    Balthasar Neumann
    Balthasar Neumann wurde am 27. Januar 1687 in Eger in Böhmen geboren. Seine erste Lehrzeit verbrachte er bei einem Glocken- und Metallgießer. Anfang des 18. Jahrhunderts kam er nach Würzburg, wo er 1711 den Lehrbrief der "Büchsenmeister, Ernst- und Lustfeuerwerkerey" erwarb. 1712 trat er in die fränkische Kreis-Artillerie ein, da die Ingenieurslaufbahn nur Militärangehörigen offenstand.  
    Nachdem Neumann unter der Leitung der Würzburger Baumeister Andreas Müller und Joseph Greising gearbeitet hatte, wurde er 1719 von Fürstbischof Johann Philipp Franz von Schönborn zum fürstbischöflichen Baudirektor berufen. In dieser Eigenschaft übernahm er 1720 die Planung für den Neubau der Würzburger Residenz.
    Balthasar Neumann wohnte in der Franziskanergasse 2, wo er auch sein Architekturbüro hatte. Dort gelangte man über eine Wendeltreppe auf eine Dachterrasse und von dort aus auf eine Aussichtsplattform, die heute wieder aufgebaute "Neumann-Kanzel", von der Neumann seine Baustellen im Stadtgebiet überblicken konnte.  
    Neumann starb am 19. August 1753 in Würzburg, wo er in der Marienkapelle beigesetzt wurde.

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