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    MASSBACH

    Nur Pippi Langstrumpf bleibt immer sie selbst

    Wild: Pippi (Franziska Theiner) auf der bunten Freilicht-Bühne des Fränkischen Theaters.
    Wild: Pippi (Franziska Theiner) auf der bunten Freilicht-Bühne des Fränkischen Theaters. Foto: Sebastian Worch

    Diese Pippi Langstrumpf auf der Freilichtbühne des Fränkischen Theaters Schloss Maßbach ist mal etwas ganz anderes: Pippi (überzeugend gespielt von Franziska Theiner) hat keine roten Haare und abstehende Zöpfe, sondern trägt kurze Locken und Strohhut. Und zu Tommy (Philipp Locher) und Annika (Sandra Lava) gesellen sich auch noch Michel (Nilz Bessel) und Ida (Silvia Steger), die man eher aus „Michel von Lönneberga“ kennt. Um diese fünf Personen inszeniert Thomas Klischke seine Version von Astrid Lindgrens Kinderbuchklassiker.

    Fräulein Prysselius, die strenge Lehrerin, die Pippi am liebsten in ein Kinderheim stecken würde, wird reihum von allen vier Schauspielern gespielt. Nur Pippi bleibt immer sie selbst. Das ist für die Kinder im Publikum zunächst etwas verwirrend. Doch das Prysselius-Erkennungszeichen ist ein lila Federhut. Wer den aufhat, wird zur Prysseliese – und das ist komisch. Als Herr Nielson (ein Stoffäffchen) Fräulein Prysselius angreift, müssen wirklich alle Kinder lachen.

    Immer wieder turnen die Schauspieler über die liebevoll gestaltete Bühne (Robert Pflanz). Alle Tische sind auch Bänke oder Schränke und lassen sich sogar zur Rutsche umfunktionieren. Auch die überdimensional großen Kleider auf den Wäscheleinen rund um die Bühnen dienen als prima Versteck. In den Umbaupausen zwischen den Szenen wird viel gesungen, bekannte deutsche Kinderlieder wie „Auf der Mauer, auf der Lauer“ oder „Jetzt fahr'n wir über'n See“, aber auch schwedisches Liedgut.

    Die Wandelbarkeit der Bühne und der Schauspieler zeigt sich auch bei der Jahrmarktszene. Egal ob als Zauberer oder als stärkster Mann der Welt – alle sind im Einsatz. Nur Pippi bleibt auch hier immer Pippi. Sie ist superstark, unerzogen und lügt ganz wundervoll. Mit zwei Polizisten, die sich ein Jackett teilen, liefert sie sich eine wilde Verfolgungsjagd – quer über die ganze Bühne.

    Kurios ist auch die Schulszene, in der Lehrerin und Schüler wie Roboter agieren. Sie tragen silberne Faschingshütchen und sprechen wie aus einem Mund. „Du bist ein bisschen nervig“, sagt Pippi zur Lehrerin. Diese wiederholt nur monoton: „Setzen. Still sein. Lernen.“

    Zu guter Letzt wird aus den wandelbaren Möbeln die Hoppetosse, das Schiff von Pippis Vater gebaut. Kapitän Efraim Langstrumpf wird wiederum von allen vier Schauspielern gespielt, was gewöhnungsbedürftig ist. Zur Verdeutlichung halten sich die Akteure im Arm und sprechen im Chor.

    Künstlerisch wertvoll ist die einstündige Inszenierung der Pippi Langstrumpf in Maßbach auf jeden Fall. Jede Szene ist für sich anders, an Ideen mangelt es nicht, aber es gibt auch wenig Vertrautes.

    Auf dem Spielplan bis 4. August. Vorverkauf Tel. (0 97 35) 235

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