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    RÖTTINGEN

    Ohrwurmalarm für angegriffene Nerven

    Der schöne Sigismund (Timo Verse) und das scheue Klärchen (Katharina Lochmann). Foto: Gerhard Meißner

    „Bei uns, da ist?s richtig, in der Stadt ist?s verkehrt“ – so heißt es zu Beginn der Operette „Im weißen Rössl“, die jetzt bei den Frankenfestspielen in Röttingen vor rund 600 begeisterten Zuschauern Premiere feierte. Und ja: Das Singspiel passt perfekt ins sommerliche Ambiente der Burg Brattenstein, denn nicht nur „Im Salzkammergut, da kann man gut lustig sein!“

    Ein Stück voller musikalischer Evergreens

    Schon nach wenigen Takten wippt und klatscht alles, und die gut gelaunten Darsteller, allen voran ein leidenschaftlicher Franz Frickel als verliebter Oberkellner Leopold und Andrea Frohn als seine strenge Wirtin Josepha „Bepperl“ Vogelhuber, machen zudem den Einstieg in diesen kurzweiligen Abend perfekt.

    „Das weiße Rössl“, schon 1896 verfasst, eroberte ab 1930 mit Evergreens wie „Die ganze Welt ist himmelblau“ die Herzen, ob in der Verfilmung mit Peter Alexander, oder als moderne Kinokomödie mit Armin Rohde. Die Geschichte ist immer die: Im Wirtshaus „Weißes Rössl“ am Wolfgangsee steht die Zeit still. Es ist, sogar für Kellner Piccolo (Tobias Rupprecht), „ein Erholungsplatz für angegriffene Nerven“. Auch der Berliner Unternehmer Giesecke (Klaus Brantzen) versucht dort zusammen mit seiner selbstbewussten Tochter Ottilie (Simone Werner) auszuspannen.

    Sogar ein waschechter Dampfer fährt durch

    Ein Patentstreit um die sogenannte „Hemdhose“ allerdings verleidet ihm den Urlaub, und auch der charmante Anwalt Dr. Siedler (Lukas Witzel) kann ihm nicht die Sehnsucht nach der Heimat an der Spree nehmen. Dazu versucht Wirtin Josepha die Avancen ihres liebestollen Oberkellners Leopold abzuwehren, und dann steht auch noch der Besuch des Kaisers (Pavel Fieber) im Urlaubsparadies an, während Postbotin Kathi (Monika Steinwidder) immer Gelegenheit zum Jodeln findet...

    All das passiert in herrlich alpenrauschiger Bühnenkulisse – sogar ein waschechter Dampfer passiert Burg Brattenstein – und wird umrahmt von Ohrwürmern, die man so schnell nicht mehr aus dem Schunkelzentrum des Herzens bekommt. Choreograf Sebastian Eilers inszeniert bei diesen Festspielen erstmalig selbst, und unter seiner leichtfüßigen Regie mit vielen kleinen Anspielungen Referenzen auf den Spielort – etwa ortsansässigen Heckenwirtschaften oder den Bürgermeister – entsteht ein stimmgewaltiges Potpourri der Gefühle.

    Die turbulente Wirtshausatmosphäre zwischen Sonne, Regen und Gästen im Liebesrausch liefert die Bühne perfekt, und auch das Laienensemble der Festspiele agiert fast so leidenschaftlich wie der schöne Sigismund (Timo Verse), wenn er dem scheuen Klärchen (Katharina Lochmann) seine Liebe gesteht.

    Ein gelungener, kurzweiliger Abend, der zu Recht vom strahlenden Publikum mit tosendem Applaus belohnt wird.

    „Im weißen Rössl“ steht bis 19. August auf dem SPielplan der Frankenfestspiele Röttingen. Karten: (0 93 38) 97 28-55, -56, -57 und -59 oder online unter www.frankenfestspiele.de

    Franz Frickel als verliebter Oberkellner Leopold und Andrea Frohn als seine strenge Wirtin Josepha. Foto: Gerhard Meißner

    kde

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