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    Würzburg

    Olli Schulz in Würzburg: Sänger mobbt Lehrerin weg

    Rund 1300 Gäste besuchen am Freitag (10. Mai) Olli Schulz auf seiner „Back to the roots“-Tour in der Posthalle in Würzburg. Auf der Tour möchte er noch einmal alles wie früher machen: Ohne großen Plan auf die Bühne kommen und spontan Lieder spielen. Foto: Patty Varasano

    Der Entertainer Olli Schulz hat’s drauf. Die ersten sieben Stationen seiner kleinen Solo-Tour spielte und sang er in bestuhlten Sälen, um vor kleinem Publikum neue Songs und Geschichten auszuprobieren. Die 1300 stehenden jungen Leuten am Freitagabend in der Würzburger Posthalle begrüßte er, er sei echt schlecht drauf, dass aus dem erhofften gemütlichen Abend nichts werde. Und: „Ist Würzburg eigentlich eine konservative oder eine offene, liberale Stadt? Man weiß es nicht.“ Jedenfalls wolle er das Beste aus dem Ganzen machen.

    Olli Schulz spielte am Freitagabend (10. Mai) live in der Posthalle in Würzburg.  Foto: Patty Varasano

    Das gelang ihm spielend. Der 45-Jährige sang über Zweierbeziehungen, oft nach deren Ende, über fehlbare Charaktere und Sozio-Szenen. Er dichtet in einer abgeklärten Mitte zwischen Jugendkultur und Lebensweisheit. Seine breite Zielgruppe trifft er mit bildhaften Texten: „Der Warteraum zum Glück ist im Haus das größte Zimmer.“ Pointen setzt er sachlich und mit Understatement. Schließlich ist er gebürtiger Hamburger.

    Ein abgebrochenes Liebeslied

    Zur Begleitung und zu kurzen Instrumentaleinlagen schlug er die Akustikgitarre recht gekonnt. Ihre knackigen Rhythmen sollten Olli Schulz’ Rockband vertreten und schafften das locker. Der Mann legte sich musikantisch voll rein und löste das ein, was er als Anspruch an sich selbst stellte: Andere Bands, so eine seiner langen und beliebten Zwischenmoderationen, brüllten ihr Publikum an: „Zeig mir noch mal alles, Würzburg! Nee – ihr habt schon Eintritt gezahlt. Ich muss alles geben!“ Nur ein Liebeslied, das „anstrengendes Fingerpicking verlangt“, brach er nach einer Strophe ab. Passte eh nicht ganz ins Programm.

    Darin tummelten sich außer neuen Songs etliche Hits wie „Spielerfrau“ („Bum bum bum der Ball ist rund“) und „Junge Frau sucht reifen Mann, der das reparieren kann“. Vierzehneinhalb Titel brachte er unter, das abgebrochene Liebeslied mitgezählt, plus dreieinhalb in der Zugabe.

    Großes Lob für das Posthallen-Publikum

    Auf eindreiviertel Stunden kam der Abend durch Storys, von denen sich einige als lehrreiche Beispiele fürs Leben mit heim nehmen ließen – vor allem die, wie er die Lehrerin seiner siebenjährigen Tochter „weggemobbt“ hat: Erst machte sie die Zweitklässler mit der Frage fertig, was die denn „mal werden wollen - anstatt dass die sich erstmal die Welt ansehen“; dann fuhrwerkte sie während der Schulstunden an ihrem Handy rum. Das hat Vater Schulz dem Rektor gepetzt: „Ich kann auch gemein sein.“

    Umso größer Olli Schulz’ Lob für das Posthallen-Publikum, weil es ihn nicht mit Smartphones bei der Arbeit filmte. Und weil es den Abend fußwippend im Stehen genoss.

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