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    WÜRZBURG

    Orient trifft Okzident – eine coole Kombi

    Ebenso umsichtig wie temperamentvoll: Marie Jacquot am Pult der Würzburger Philharmoniker. Foto: Thomas Obermeier

    Natürlich kann man versuchen, all die Einflüsse, Ideen, Inspirationen zu benennen, die die Musik des in New York ansässigen Secret Trio befeuern. Man kann diese Musik aber auch einfach nur genießen. So wie die beiden jungen Frauen, die mit weiteren 1248 Premierengästen des Hafensommers an diesem hochsommerlichen Freitagabend auf den Stufen am Alten Würzburger Hafen sitzen: „Das ist ne coole Kombi“, sagt die eine, und die andere pflichtet ihr bei. Die coole Kombi, das ist eben jenes Trio und das Philharmonische Orchester Würzburg bei der Sparda-Classic-Night, die auch diesmal keine reine Classic Night ist.

    Das Trio mit Ara Dinkjian an der arabischen Kurzhalslaute Oud, Tamer Pinarbasi an der orientalischen Zither Kanun und dem Klarinettisten Ismail Lumanovski hat türkische, armenische und mazedonische Wurzeln, das Spektrum der musikalischen Einflüsse reicht noch weit darüber hinaus. Hier also das der westlichen Musiktradition verpflichtete Sinfonieorchester unter der ebenso umsichtigen wie temperamentvollen Leitung der Ersten Kapellmeisterin Marie Jacquot, dort das kammermusikalisch filigran spielende Trio, das sich mit Vorliebe in hochkomplexen Stücken mit kniffligen Rhythmen, herrlich melancholischen oder herausfordernd frechen Melodien und fremdartigen Harmonien bewegt.

    Mal mitreißend, mal schwermütig

    Verblüffend präzise Unisono-Passagen wechseln sich ab mit scheinbar freier Improvisation. Umso erstaunlicher, wie gut die eigens angefertigten Arrangements im Zusammenspiel mit den Philharmonikern auf der schwimmenden Bühne funktionieren. Die steuern mitunter nur ein wenig Farbe bei, nicht selten aber gestalten sie kräftig mit. Das ist mal wunderbar mitreißend, mal lustvoll schwermütig.

    Den ersten Teil hatte das Orchester allein bestritten, mit freilich passend ausgewählten Werken. Mit dem Walzer „Märchen aus dem Orient“ von Johann Strauss etwa, gewidmet dem 34. ottomanischen Sultan von Konstantinopel. Der Straus dafür pflichtschuldig mit einem Orden dankte, mit dem sich Strauss wiederum daheim schmücken konnte, wie Moderator Johannes Engels, ehemaliger Kulturamtsleiter der Stadt Würzburg, erläutert.

    Vom Dekorativen zum Authentischen

    Via Rimski-Korsakow (mit blitzsauberen Geigensoli von Sonja Lampert) und einen fulminanten sinfonischen Tanz des jungen türkischen Pianisten und Komponisten Fazil Say arbeitet man sich sozusagen von dekorativ orientalisierenden an authentische zeitgenössische Klänge heran, um dabei – wieder einmal – zu demonstrieren, wie universell doch die Sprache Musik ist.

    Wie gesagt: Man könnte ziemlich genau die musikalischen Schnittstellen zwischen Orient und Okzident benennen. Und würde damit der Sache doch nicht gerecht. Denn am Ende gibt es eben doch nur gute oder schlechte Musik. In diesem Falle ist sehr gute Musik. Oder: Eine echt coole Kombi.

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