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    Bayreuth

    "Parsifal" in Bayreuth: Kurz vor Schluss doch noch ein Hit

    Held im Korb: Andreas Schager (Parsifal) umringt von Klingsors Zaubermädchen Foto: Enrico Nawrath/Festspiele Bayreuth, dpa

    Das gibt es manchmal in Bayreuth: Dass Inszenierungen, die eher unspektakulär einsteigen, die bei der Premiere nicht übermäßig euphorisch rezensiert aber auch nicht besonders leidenschaftlich ausgebuht werden, dass also ein zunächst wenig Aufsehen erregendes Stück mit der Zeit zum Publikumsliebling avanciert. Mit Uwe Eric Laufenbergs "Parsifal", der seit 2016 und heuer zum letzten Mal läuft, scheint das passiert zu sein.

    Die dritte von sieben Vorstellungen (es folgen noch der 15., 19., 22. und 26. August) fand jedenfalls einhellige, lautstarke Zustimmung. Vielleicht, weil Laufenbergs religionsskeptischer Ansatz in diesen vier Jahren reichlich Unterfütterung durch die reale Welt bekommen hat. Das Zitat des Dalai Lama, "Ich denke an manchen Tagen, dass es besser wäre, wenn wir gar keine Religionen hätten", Motto des Programmbuchs, hat zumindest nichts von seiner Aktualität eingebüßt. Im Gegenteil.

    Vielleicht auch, weil Laufenbergs Konzept schlüssiger wirkt als zu Beginn, ohne dass man genau sagen könnte (Stichwort Werkstatt Bayreuth), was der Regisseur nach und nach korrigiert hat. Zumindest jenseits offensichtlicher Veränderungen wie der, dass sich im dritten Aufzug inzwischen nicht nur nackte Frauen im Dschungelregen tummeln, sondern auch ein nackter Mann, dass also aus der Zurück-zur-Natur-Assoziation eine Adam-und-Eva-Assoziation geworden ist. Alles auf Anfang, wenn man so will.

    Schwenk zurück in die Düsternis und kraftvoller Sieg des Lichts

    Überhaupt der dritte Aufzug: Dieser eigenartig uneinleuchtende Weg vom Karfreitagszauber mit seinen idyllisch ekstatischen Klängen, der Inthronisation Parsifals und der Taufe Kundrys hin zur Totenfeier für Titurel, diesen grausamen alten Mann, der seinen Sohn Amfortas gnadenlos hat leiden lassen, damit er selbst möglichst lange leben konnte. Dieser Schwenk zurück in die Düsternis bekommt durch die Öffnung der gesamten Bühne und den ruhigen, kraftvollen Sieg des Lichts quasi rückwirkend seine Schlüssigkeit.

    Ganz sicher aber ist es ein Verdienst von Semyon Bychkovs ausgesprochen plastischer Orchesterleitung und der Solisten, dass dieser "Parsifal" so bejubelt wird. Allen voran Günther Groissböck als Gurnemanz: Wucht und Tiefe eines makellosen Basses kombiniert mit der leicht verblichenen Grandezza vergangener Zeiten und nicht zuletzt perfekter Textverständlichkeit. Dazu Elena Pankratovas zutiefst anrührende Kundry und Andreas Schagers überwältigender Parsifal, der nun – anders als sein Vorgänger Klaus Florian Vogt im Premierenjahr – eine dramatische persönliche Entwicklung durchlaufen darf.

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