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    WÜRZBURG

    Paul Maar und Max Raabe – lieb und teuer

    Der Frauenclub Soroptimist bat 600 Promis an den Zeichenstift. 200 griffen zu und gestalteten postkartengroße Blätter, auf denen ein gelber und ein blauer Kreis bereits vorgegeben waren. Das sind die Farben des Wohltätigkeitsvereins, der sich für Bildung, Gesundheit und Lebensglück von Frauen weltweit einsetzt.

    Sein Würzburger Zweig hob nun den Rang von Frauen in der Kunstwelt. Denn die Soroptimistinnen verkauften und versteigerten die eingegangenen Bilderspenden nur zu dem einen Zweck: Mit dem Reinerlös kann die Würzburger Städtische Kunstsammlung jetzt ein Gemälde von Dorothea Maetzel-Johannsen kaufen.

    Davon hat die Malerin selbst nichts mehr, denn sie starb vor knapp 90 Jahren. Doch ihr schönes Ölbild „Stillleben mit Uhr und Papierrolle“ von 1922 passt im Würzburger Kulturspeicher gut zu den Werken von Gertraud Rostosky und Emi Roeder. Damit sind, wie Museumsleiterin Marlene Lauter sagt, „drei hervorragende Künstlerinnen des frühen 20. Jahrhunderts vereint“.

    Allerdings hat Lauter keinerlei Etat, um auch nur ein Bild für günstige 14 000 Euro zu kaufen. Hier sprangen die „besten Schwestern“, wie sich das Kunstwort Soroptimist übersetzen lässt, ein. „Wahnsinnig viel Energie“ steckten vor allem Schatzmeisterin Roswitha Döbele und ihr Mann Markus in Akquisition, Verwaltung und Verkauf der erbettelten Kunstpostkarten.

    Dabei hatten sie kein Vorbild für die Aktion. Und allzu oft werden auch andere Regionalverbände ihres Clubs nicht diese Riege zwischen Sabine Christiansen und Peter Maffay zum Mitzeichnen einladen können. So einzigartig also wie dieses Benefiz, so exklusiv die Erkenntnisse, die vor allem die Versteigerung der 22 „gelungensten Unikat-Karten“ am Samstag im Kulturspeicher erlaubten.

    Die beiden höchsten Zuschläge erhielten der Nostalgiesänger Max Raabe und der Kinderbuchautor Paul Maar. Jedes Mal fiel der Hammer erst bei 520 Euro: einmal für eine nette Oma, die mit einem gelben und einem blauen Gasballon die Luftfahrt übt; einmal für ein Mäuschen, das zwei langstielige Blumen überreicht. Sehr populäre Urheber, figurative Motive und dann auch noch putzig, das musste ja funktionieren.

    Fast in diese Preisklasse schaffte es die Berliner Künstlerin Andrea Lein, die sich der kleinen Bildfläche in aufwendiger Mischtechnik bemächtigt hatte. Das war dem Saal – und einem anonymen brieflichen Mitbieter – 460 Euro wert. Auktionator Markus Döbele machte die Sache spannend.

    100 – 200 – 400 Euro

    Bei 80 Euro begannen die Gebote, 90 erzielte jedes Blatt mindestens, es gab also keine Ladenhüter. Mit Geboten im Sekundentakt schnellte auch das Drahtrelief der heimischen Künstlerin Angelika Summa bis auf 180 Euro hoch. Dann hoben sich die Hände langsamer. Am Ende hatten sich die Sammler doch auf 410 Euro emporgesteigert – Summa war an diesem Abend also die teuerste regionale Künstlerin. Damit waren deutlich abgehängt Max Uhlig aus Dresden (230) und Gabi Weinkauf aus Rimpar (210 Euro). Über 100 Euro erzielten Barbara Lenz, Elvira Lantenhammer, Kuno Vollet, Horrorwittchen-Bildhauer Peter Wittstadt und Franz Wörler.

    Nicht niedlich, aber aufrecht, so karikierte Hannelore Hoger möglicherweise sich selbst. Die Einsendung der Schauspielerin war der vierte Aufruf – und der erste, der über die 200-Euro-Marke stieß. Dieser frühe richtige Erfolg beflügelte den Laienauktionator Döbele, der in den Vorwochen sämtliche Werke eingescannt und für die Stellwände präpariert hatte, die noch zwei Wochen lang im Kulturspeicher zu sehen sind. Hier ist noch so manches Schnäppchen zu Festpreisen von 50 und 80 Euro zu haben. Schatzmeisterin Roswitha Döbele erklärte die Preisbildung: 80 Euro kosten Bilder von Künstlern, die vom Verkauf ihrer Bilder leben und denen man die eigenen Preise nicht kaputtmachen wolle.

    Prahl als Abstrakter

    Weiter im Promibarometer! Der Schauspieler und „Tatort“-Kommissar Axel Prahl kann abstrakt zeichnen, hat dabei ein Gespür für Räumlichkeit, blieb aber bei 170 Euro hängen.

    Da ging es ihm noch gut im Vergleich zu den Wortkünstlern, die sich mit einem klein bisschen weniger Publikumsgunst und mit deutlich geringerem grafischem Gespür der Soroptimist-Aufgabe unterzogen: Urban Priol, Sebastian Reich und Nora Gomringer krebsten um die 110 Euro herum. Auch Würzburgs sogenannter Teufelsgeiger Florian Meierott wird weiterhin höchstens nebenberuflich den Pinsel schwingen. Zumindest ermutigt sein Abschneiden nicht dazu, den Violinbogen verstauben zu lassen.

    Am Ende kamen 12 800 Euro durch den Verkauf von Promi-Postkarten und den Eintrittskarten für die Benefiz-Gala zusammen, wie Kulturspeicher-Leiterin Marlene Lauter auf Anfrage der Redaktion mitteilte. Dazu kämen 2000 Euro private Spenden. Zwar gehen davon noch die Kosten für den Benefizabend ab - die Rechnungen dafür sind noch nicht da - „doch hat der Soroptimist-Club schon signalisiert, dass der Gemälde-Ankauf in jedem Fall gesichert ist“, so Lauter.

     

     

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