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    Würzburg

    Religionskritische Ausstellung: So reagieren Besucher

    "Das hätte Jesus nicht gewollt", heißt eine Ausstellung im Museum am Dom. Die Kommentarwand im Ausstellungsraum zeigt: Robert Höflings Werke bewegen die Gemüter.
    Ausschnitt aus der Kommentarwand zur Ausstellung "Das hätte Jesus nicht gewollt" mit Werken von Robert Höfling im Museum am Dom. Foto: Ralph Heringlehner

    Im Würzburger Museum am Dom passiert gerade das, was sich jeder Ausstellungsmacher wünscht: Das Publikum kommentiert eifrig, was es sieht. In diesem Fall Werke von Robert Höfling (1919 bis 1997). Gezeigt werden an die 70 Arbeiten des Hammelburger Freigeists. Die Mehrzahl davon springt, teils drastisch, mit Christentum im Allgemeinen und Katholizismus im Besonderen um.

    Teil der Schau ist eine hohe, schwarze Wand. Auf die waren vorab, in weißer Schrift, Kommentare zu Höflings erster Würzburger Ausstellung – 1976 im Spitäle – geschrieben worden. Darunter jener, der der aktuellen Schau den Titel gibt: „Das hätte Jesus nicht gewollt“. Besucher des Museums am Dom können ihre Gedanken hinzuzufügen. Gut zwei Monate nach der Eröffnung reichen die neuen Kommentare – erkennbar an der gelben Schrift – vom Boden bis in eine Höhe, die sich gerade noch mit ausgestrecktem Arm erreichen lässt. Ein paar stehen sogar noch drüber: Wie sind die Schreiber da bloß hochgekommen?

    Michael Koller ist von der großen Resonanz überrascht. Den kommissarischen Leiter des Museums freut vor allem, dass die meisten Kommentare zeigen, „dass sich die Besucher ernsthaft mit den Werken auseinandersetzen“.

    Negative Kommentare sind auf der Wand im Museum am Dom eher in der Minderzahl. Foto: Ralph Heringlehner

    „Gibt tiefe Denkanstöße“, steht da etwa oder „Kirche, wach endlich auf!“ und „Bilder, die Funken schlagen“ oder „immer noch wichtig, zum Weinen großartig“. Aber auch: „Ich frage mich: Wie kann unser Bischof am Karfreitag das Kreuz Christi küssen, wenn er hier die Verhöhnung des Kreuzes ignoriert bzw. zulässt“. Ein paar weniger ernsthafte Beiträge – „Nebraska was here“ oder ein lustiges Strichmännchen-Gesicht – finden sich naturgemäß auch.

    Ein Besucher oder eine Besucherin wählte eine spezielle und sehr plakative Form der Kritik: Zweimal sei die zentral platzierte Assemblage „Christus im Lehnstuhl“ – Höfling platzierte den Gekreuzigten in einem Sessel – mit Taschentüchern bedeckt worden, so Koller. Darauf wurden in dicker, roter Schrift Botschaften hinterlassen: „Jesus wird verhöhnt. Jesus weint . .“ und „14. Station ,Jesus wird in den Lehnstuhl gelegt . . ‘ statt . . . in den Schoß“ – eine  Anspielung auf den Kreuzweg. 

    Höfling-Werk "Christus im Lehnstuhl" im Museum am Dom. Foto: Thomas Obermeier

    Michael Koller hat den Eindruck, „dass positive Kommentare überwiegen“. Vor 43 Jahren im Spitäle  hatte Höfling gehörig verschreckt. Dabei ging es dem Hammelburger nicht um Provokation um der Provokation willen. Er wollte Sehgewohnheiten infrage stellen, zum Nachdenken über Kirche und Religion bringen. Dennoch: Für ein kirchliches Museum ist „Das hätte Jesus nicht gewollt“ eine mutige Ausstellung. Koller sieht sie auch als Signal: „Wir sind offen.“

    Noch bis 23. Juni ist Zeit zum Anschauen und Kommentieren. Ein Plätzchen lässt sich auf der schwarzen Wand sicherlich noch finden. Auch im Besucherbuch sind Seiten frei.

    Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag und Feiertag 10–17 Uhr. Bis 23. Juni

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