• aktualisiert:

    Würzburg

    Ringen um Wahrheiten des Menschseins

    Wenn er sich selbst Modell stand, war es „am billigsten“, sagt der Wahl-Zeller Erhard Löblein. Er zeigt seine Bilder im Spitäle Foto: Joachim Fildhaut

    Menschen schließen ihre Augen. Sie wenden sich ab von der Welt, scheinen aber nicht sicher zu sein, ob sie in ihrem Inneren Ruhe finden werden. Mehrmals wählte der Maler Erhard Löblein dieses Motiv für seine neue Spitäle-Ausstellung. Mag sein, dass man in diese Nicht-Blickenden etwas hineininterpretiert. Aber: Was man interpretiert, das liegt an den anderen Bildern ringsum. Da gibt es einige wenige Momente des Friedens, häufiger noch zeigt diese positive Gruppe Beschützende. Vor allem aber droht da was. In einer zweiten Werkgruppe haben die Menschen Angst. Drei mal gibt Löblein ausdrückliche Hinweise – auf einen Krieg. So fällt es nicht schwer zu verstehen, was hinter den geschlossenen Augen vor sich geht, wenn man die Präsentation „Quer summiert aus vielen Jahren“ als ein Ganzes nimmt.

    26 Gemälde aus der Zeit ab Mitte der 1970er Jahre hängen bis 24. Februar in der Galerie der Vereinigung Kunstschaffender Unterfrankens, dazu etwa ein Dutzend Skulpturen. Unter denen entfernt sich der „Helmkopf“ auf der Empore fast so weit vom Thema Menschenfigur wie die drei abstrakten Gemälde. Die nahm der Künstler in die Eigen-Rückschau auf, weil er eben nicht allein um Wahrheiten des Menschseins ringt.

    Sinnliche Qualität

    Vielmehr: Der gebürtige Marktbreiter, langjährige Düsseldorfer und heutige Zeller Erhard Löblein probiert gern was aus. Das hätte man auch ohne die drei abstrakten Beispiele erkannt, aber nicht so schnell. Natürlich fällt rasch ins Auge, dass der gelernte Werbegrafiker unterschiedliche Maltechniken anwendet. Die folgen jedoch nicht in Phasen aufeinander, sondern Löblein greift nach vielen Jahren wieder auf etwas früher Erprobtes zurück. Nebenbei: Was er erprobte, das ist ihm auch gelungen, zumindest bei dieser kleinen Werkauswahl des 86-Jährigen.

    Gemeinsam haben die meisten Bilder auch harte Konturen und leicht monumentale Züge – beide Eigenschaften übrigens in ganz verschiedenen Ausprägungen, so dass diese formalen verbindenden Elemente gar nicht so schnell bewusst werden. Außerdem drängen sich weniger die prägnanten Umrisslinien auf als das, was sich dazwischen erstreckt – häufig dank breitem Pinselquast und sandgestreckten Pigmenten. Die sorgen für eine sinnliche Qualität, die sich – und das dann bemerkenswerterweise mit starken Unschärfen – auch in die realistischer ausgeführten Gemälde hineinzieht. Klingt kompliziert, aber schauen Sie einfach mal hin bei Ihrem Besuch der kleinen Kunsthalle an der Alten Mainbrücke.

    Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 11 bis 18 Uhr. Bis 24. Februar.

    Weitere Artikel

    Kommentare (0)

    Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!