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    Würzburg

    Ringsgwandls "damn fucking Stubenmusi" im Radlersaal

    Georg Ringsgwandl in typischer Pose. Links Bassist Christian Diener. Foto: Silvia Gralla

    Da dieser Text nicht im angloamerikanischen Sprachraum erscheinen wird, kann man hier ruhig die erste Ansage wörtlich zitieren: Es werde "some damn fucking Stubenmusi" geben, verspricht Georg Ringsgwandl, als er sich im Würzburger Radlersaal an die Zither setzt. Und er hält Wort, es wird ein Abend mit wunderschöner Stubenmusi, mit Blues, Rock, Country, ein bisschen Rap, ein bisschen New Age und sehr sauber musiziertem Funk.

    Georg Ringsgwandl, der mehrfach Begabte, ist unter dem Titel "Wuide unterwegs" auf Tour – mit alten ("Wuide unterwegs" ist ein Song vom zweiten Album "Trulla Trulla" aus dem Jahr 1989) und nicht ganz so alten Liedern. Und mit der exzellenten Band, die es ihm seit ein paar Jahren möglich macht, ebendiese Songs genau so zu spielen, wie er das immer schon wollte: Bassist Christian Diener, Schlagzeuger Tommy Baldu und Weltklasse-Gitarrist Daniel Stelter, würdiger Nachfolger von Schorschi Schreiner und Nick Woodland. 

    Und so fällt eine große Portion von dem weg, was Ringsgwandls Auftritte früher entscheidend mitgeprägt hat: Ein ebenso ungenierter wie ambitionierter Dilettantismus, der mit Rockstar-Posen kokettierte und technische Limitationen mit schrillen Kostümen, Schminke und eigenwilligem Ausdruckstanz mehr als wettmachte.

    Schräg ist er immer noch, selbst in Anzug und extrabreiter Krawatte. Immer noch steigt er von oben in seinen Gitarrengurt, immer noch stülpt er sich diese Mütze mit den blonden Haarfransen über, und immer noch ist das zum Schreien komisch. Georg Ringsgwandls Wahrnehmung dieser "depperten Welt" bricht sich weiterhin in anfallsartigen Verrenkungen und grandios entgleisender Mimik Bahn. 

    "Gerechtigkeit gibt's nur im Cowboy-Film"
    Ringsgwandl als Moralist

    Inzwischen ist er 70, er hat Liedtexte aus vier Jahrzehnten einfach so im Kopf, sein Gespür für Timing und die eigene Ausstrahlung ist in einer langen Bühnenkarriere nur noch schärfer geworden. Er weiß genau, wann er grinsen muss, damit sich die großteils altgediente Fangemeine im vollen Saal wegschmeißt. Worüber sich wiederum der Ringsgwandl sichtlich freut: Er wirkt noch, sein skurriler Zauber.

    Es ist diese schwer zu sortierende Mischung aus vorgeblichem Zynismus, moralischer Entrüstung ("Gerechtigkeit gibt's nur im Cowboy-Film"), blinder und sehender Wut, Sinn fürs Makabre und überraschend milder Belustigung, die diesen Zauber ausmacht. Georg Ringsgwandl, der derzeit auch an einem neuen Stück über die Skandalfigur Lola Montez schreibt (Uraufführung am 25. April 2020 im Münchner Residenztheater), ist schillernder denn je.

    "Ich hab den Aufschwung auf dem Gewissen"
    Ringsgwandl als Konsumverweigerer

    Ob gesprochen oder gesungen, am schönsten sind seine absurden Geschichten. Wie ihn die Industrielle Maria-Elisabeth Schaeffler aus dem Auto wirft, weil er gefragt hat, "was, in Ihrem Alter braucht man noch ein Wälzlager?" Oder wie er seine Band aus einem abgedrehten Haufen "Waldbadender" rekrutiert hat. Oder wie er als Konsumverweigerer unser aller Zukunft gefährdet: "Ich hab den Aufschwung auf dem Gewissen."

    Hinterher stehen die Fans Schlange, wollen CDs, Bilder, Tickets signiert haben, überreichen Weinflaschen, stellen ihre Kinder und somit die nächste Fan-Generation vor. Der Ringsgwandl beschriftet geduldig alles, was sie ihm unter die Nase halten, lobt den Nachwuchs ("fesche Töchter") und lächelt. Diese depperte Welt hat auch ihre herzlichen Momente.

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