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    Würzburg

    Ronja Räubertochter trotzt nicht nur gruseligen Graugnomen

    Klüfte überwinden: Ronja (Johanna Meinhard) hilft Birk (Martin Liema) aus dem Abgrund. Foto: Thomas Obermeier

    Es blitzt und donnert, geheimnisvolle Wesen - es sind Wilddruden - fliegen schreiend durch Nebelschwaden, da wird auf der Mattisburg ein Kind geboren. Ronja, Tochter von Räuberhauptmann Mattis, lässt sich gerne von dieser stürmischen Nacht ihrer Geburt erzählen, in der ein gewaltiger Blitz die Burg in zwei Teile spaltete, die seither durch den tiefen Höllenschlund voneinander getrennt sind. Mit dieser dramatischen Nacht beginnt auch Catja Baumanns Inszenierung von „Ronja Räubertochter“. Das diesjährige Weihnachtsmärchen für Kinder im Großen Haus des Würzburger Mainfranken Theaters hatte am Sonntag Nachmittag vor vollem Haus Premiere.

    Rings um die Mattisburg lauern im Wald zahlreiche Gefahren, doch als Ronja elf Jahre alt ist, lassen Vater Mattis (Toomas Täht) und Mutter Lovis (Christina Theresa Motsch) ihre Tochter (Johanna Meinhard) erstmals hinaus. Allerdings erst, nachdem sie fest versprochen hat, sich vor allen Gefahren zu hüten, besonders vor dem Höllenschlund, den Graugnomen, den Wilddruden und den Borkaräubern, „diesen Hosenschissern“.

    Ein Freundschaft ist stärker als alle Warnungen

    In Astrid Lindgrens Kinderbuchklassiker „Ronja Räubertochter“ geht es ums Großwerden, um Mut und Freundschaft, und so muss Ronja im Wald und in der Welt ihre eigenen Erfahrungen und Entdeckungen machen. Die Räubertochter lernt die Schönheit ihrer Umgebung kennen, aber auch die Gefahren. Und begreift, dass man sich auf keinen Fall fürchten darf. Vor allem vor den gruseligen Druden und Graugnomen, die Angst riechen können. Als ihr eines Tages Birk (Martin Liema), der Sohn von Räuberhauptmann Borka, begegnet, ist sie zunächst abweisend, doch nach und nach entwickelt sich eine Freundschaft, die die Warnung der Eltern vor den Borkaräubern in Frage stellt.

    Ganz schön gruselig: Die Welt, in der Ronja Räubertochter lebt, ist voll geheimnisvoller Wesen. Foto: Thomas Obermeier

    Die Freundschaft bleibt geheim, bis Mattis Birk gefangen nimmt. Nun muss Ronja mehr Mut beweisen als jemals zuvor: Sie muss für ihren Freund und gegen die Feindschaft der Familien einstehen und den Ärger ihres Vaters aushalten. Nur so können die beiden Kinder ihren eigenen Weg finden und schließlich sogar ihren Familien zu einer Einigung und damit einer Chance gegen den mächtigen Landvogt verhelfen.

    Im Wald ist viel Platz für Höhlen und Geheimnisse

    Spannend und effektvoll fesselt Catja Baumanns Inszenierung auch die schon etwas größeren Kinder. Die Kulisse, in deren Mittelpunkt die zweigeteilte Burg steht, lässt dem teils recht düsteren Mattiswald ausreichend Platz für Höhlen, Büsche und Geheimnisse. Gerade bei den Fabelwesen hat die Kostümwerkstatt unter der Leitung von Wiebke Horn ganze Arbeit geleistet: Die vielköpfigen Graugnome mit ihren leuchtenden Augen sehen sehr gruselig aus, die unbeholfenen Rumpelwichte mit ihrer ulkigen Aussprache („Wiesuu denn bluß?“) hingegen recht drollig. Die Druden, menschliche Gestalten mit Vogelköpfen und Krallen, sind ebenfalls beeindruckend umgesetzt, sie fliegen sogar über die Bühne.

    Besonderen Charme erhält die Handlung auch durch die Lieder von Adrian Sieber. Fröhliche, schwungvolle Songs, ein zärtliches Schlaflied mit Wolfsgeheul - Sieber, der schon in den letzten Jahren für die Musik beim Weihnachtsmärchen verantwortlich zeichnete, hat auch für Ronja Räubertochter einen wunderbaren musikalischen Rahmen geschaffen. Als Mattisräuber steht Sieber selbst mit Gitarre auf der Bühne, unterstützt von Lutz Koppetsch am Saxofon und Tobias Schirmer an Vibraphon und Schlagzeug.

    Eine neue Generation Ronja-Fans

    In weiteren Rollen sind Alexander Darkow als Borka, Maria Brendel als Undis, Hannes Berg als Glatzenper sowie Sophia Hung, Reinhold Stauder und Lothar Wolz als Borkaräuber zu sehen.

    Ronja Räubertochter, von Astrid Lindgren als Heldin ihres gleichnamigen Kinderbuchs erschaffen, begeistert seit mehr als einem Vierteljahrhundert Mädchen und Jungen gleichermaßen. Mit dieser Inszenierung am Mainfranken Theater wird das mutige Mädchen zweifellos Einzug in die Herzen unzähliger weiterer Kinder halten. Die Vorstellung dauert etwa 75 Minuten.

    Auf dem Spielplan bis 6. Januar. Karten: Tel. (0931) 3908-124 oder karten@mainfrankentheater.de

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