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    WÜRZBURG

    Schamlos schöne Stücke

    Einen ganz besonderen Zauber entfaltete die traditionsreiche Italienische Nacht des Philharmonischen Orchesters Würzburg – was nicht zuletzt dem fabelhaften US-amerikanischen Tenor Clay Hilley zu verdanken war. Unter der bewährten Leitung von Generalmusikdirektor (GMD) Enrico Calesso setzte das Orchester im – nicht ganz voll besetzten – Kaisersaal der Residenz auf Opernschmelz und knallige Schlusseffekte: Die Italiener des 19. Jahrhunderts wussten ihr Publikum zu beeindrucken.

    Frisch und emotional

    So schamlos schöne Stücke wie Luigi Cherubinis „Lodoiska“-Ouvertüre oder das Intermezzo aus Pietro Mascagnis „Cavalleria rusticana“ luden dazu ein, sich hinzugeben und zu genießen. Orchester und Dirigent gingen frisch und emotional zu Werke, und auch die engagierten Instrumentalsoli bereiteten Vergnügen, etwa die der Holzbläser in Rossinis Ouvertüre zum „Barbier von Sevilla“ oder das Violasolo in Puccinis Intermezzo zu „Manon Lescaut“.

    Einen ersten Markstein setzte Tenor Clay Hilley in Vicenzo Bellinis Arie „Meco all?altar di Venere“ („Norma“), die er musikalisch, flexibel und ausdrucksstark gestaltete. Giuseppe Verdis „Ah ben mio – Di quella pira“ gab er dramatisch und mit teuflischem Blick, ein Talent, das er auch in Ruggero Leoncavallos „Recitar...Vesti la giubba“ („I Pagliacci“) ausspielen konnte: Vor einem Auftritt als Clown entdeckt Canio die Untreue seiner Frau.

    Ein Büffet in der Pause

    Mit bösem Gelächter stürzte sich Clay Hilley in die angespannte Situation – gelebte Theatralik, die unter die Haut ging. Die Kraft seines Tenors drohte den Kaisersaal zwar fast zu sprengen, für die Opernbühne dürfte dies allerdings genau passen: Am 25. Juni debütiert Hilley am Würzburger Mainfranken Theater in der Titelpartie von Mozarts „Ideomeneo“.

    Nach der Pause, die durch ein italienisches Büffet besonders schmackhaft gemacht wurde, stimulierte Amilcare Ponchiellis charmant verspielter „Tanz der Stunden“ mit Harfe, Glockenspiel und Flöte. Puccinis Superhit „Nessun dorma“ beschloss den wunderbaren Konzertabend in gelöster Atmosphäre. Als Zugaben zwei neapolitanische Schlager, darunter das unverwüstliche „O sole mio“ mit Clay Hilley – gesungen, nicht gebrüllt.

    Katja Tschirwitz

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