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    Gemünden

    Scherenburgfestspiele: Jim Knopfs Kampf gegen die Drachen

    Viel Spektakel sowie prachtvolle Masken und Kostüme erwarten die Besucher des diesjährigen Familienstücks der Scherenburgfestspiele in Gemünden, "Jim Knopf und die Wilde 13". Foto: Günter Roth

    Der zeitlose Charme und die Weisheit eines Michael Endes in Verbindung mit kindgemäßer Freude und zeitgenössischen Bezügen sind der Beweis, dass Geschichten wie die von Jim Knopf und dem Lokomotivführer Lukas auch in der dritten Generation nichts von ihrem Zauber verloren haben. Bei der Premiere "Jim Knopf und die Wilde 13" im Rahmender diesjährigen Scherenburgspiele in Gemünden (Lkr. Main-Spessart)fieberten, kämpften und jubelten knapp 300 Kinder mit den Helden ihrer Großeltern.

    Die Geschichte um Jims Kampf mit der Räuberbande "Die Wilde 13" könnte als Fortsetzung des Kinofilms aus dem letzten Jahr verstanden werden. Dabei geht es um Abenteuer, um die Suche nach den eigenen Wurzeln, um Hilfsbereitschaft, Durchsetzungsvermögen und auch um die Möglichkeit der Läuterung. Konflikte werden ausgestanden und ausgefochten. Die Regisseurinnen Julia Kiefer und Julia Brandner halten bei der Umsetzung des Stoffs auf der Scherenburg geschickt die Waage zwischen Spannung und Entspannung, zwischen Kampf und Versöhnung, zwischen Spaß und Ernst, aber auch ein wenig Klamauk.

    Achtung: Die Piraten kommen! Beim Familienstück "Jim Knopf und die Wilde 13" bei den Scherenburgfestspielen ist auf der Bühne viel los. Foto: Günter Roth

    Sie singen, rappen und tanzen

    Die Figuren des Spiels – wie beispielsweise König Alfons, der Viertel vor Zwölfte (gespielt von Melanie Scheibert) – sind herrlich überzeichnet, sie schaffen Nähe und Distanz zugleich. Köstlich sind auch die "fürchterlichen Piraten" von der Wilden 13 mit erfrischenden jungen Darstellern, die mal grauslich singen, rappen, tanzen und sogar auf der Gitarre spielen.

    Nils Jäger und Dominik Herbergs sind als die beiden Hauptfiguren ein tolles Team. Pfiffig und kess, aber auch richtig cool und unaufgeregt natürlich zeigt sich Nils als ein Jim Knopf zum Anfassen und der Lokomotivführer hat ruhig und gelassen fast alles im Griff, wenn er nicht gerade gegen die Physik am Magnetberg oder die Piratenschar kämpft.

    Die Kostüme sind ein echter Augenschmaus, wie das der zauberhaften Seejungfrau Sursulapitschi.  Foto: Günter Roth

    Großartig ist die Bühnengestaltung, die mit wenig Aufwand im Handumdrehen eine neue Kulisse schafft. Mit einem großartigen Blick auf die Details, wie die Ausstattung des Krämerladens von Frau Waas (Julia Brandner). Als echter Augenschmaus aber müssen die Kostüme der Schauspieler erwähnt werden, die Heike Engelbert geschaffen hat. Die zauberhafte Seejungfrau Sursulapitschi steigt in zartem Meeresblau samt Fischernetz aus einer Muschel, die geläuterte ehemals böse Drachendame Frau Mahlzahn erscheint hinreißend opulent als "Drache der Weisheit" in Gold und Brokat. Entzückend auch der kleine Halbdrache Nepomuk und der skurrile König Alfons mit seiner Krone auf dem Lockenkopf.

    Auch ältere Zuschauer kommen auf ihre Kosten

    Bei "Jim Knopf und die Wilde 13" kommen auf der Gemündener Scherenburg sowohl junge, als auch ältere oder gar sehr viel ältere Zuschauer auf ihre Kosten. Die einen erleben ein schönes Abenteuer, die anderen die herrliche Nostalgie der eigenen Kindheit. Die liebevollen Gestalten von Lummerland haben auch nach 60 Jahren nichts von ihrem Reiz verloren. Schließlich lassen die beiden Regisseurinnen den nostalgischen Namen und Sprachspielen von Michael Ende aus den 60er-Jahren den nötigen Raum. Wenn beispielsweise König Alfons, der Viertel vor Zwölfte sich mit seinen "Untertanen, Halbuntertanen, Lokomotiven und Gästen" fotografieren lassen will. Es fehlen vor allem aber auch die klugen und nur scheinbar angestaubten Lebensweisheiten nicht. "Sie machen das Ungerade gerade" oder "Wunder geschehen, wenn man sie lässt".

    Bei der Premiere am vergangenen Freitag feierten rund 300 junge Zuschauer ihre Helden mit tosendem Applaus. Für die meisten war die reale Begegnungen mit Jim Knopf um vieles schöner als der Kinofilm, weil man sich mitten im Geschehen auf der "Insel mit zwei Bergen" gefühlt hatte.

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