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    Gemünden

    Schlagerrevue auf der Scherenburg als Zeitreise in die 70er

    "Und es war Sommer": Die Scherenburgfestspiele starten mit den unverwüstlichen Hits vonABBA, Udo Jürgens, Peter Maffay, Cat Stevens oder Katja Ebstein in die Saison.
    'Und es war Sommer' auf der Scherenburg. Von links: Carsten Ceming als Kostas, Isabell Lang als Karin, Judith Djacic als Biggi und Florian Biemüller als Gustav-Rudolph
    "Und es war Sommer" auf der Scherenburg. Von links: Carsten Ceming als Kostas, Isabell Lang als Karin, Judith Djacic als Biggi und Florian Biemüller als Gustav-Rudolph Foto: Michael Fillies

    Wer war besser drauf? Publikum oder Ensemble? Die Frage kann getrost offen bleiben. Fest steht: Die 29. Scherenburgfestspiele in Gemünden haben furios begonnen. Mit Hilke Bultmanns Schlagerrevue „Und es war Sommer“ vor ausverkauften Zuschauerreihen. Mit einem Premierenabend, der häufig – wie selten zu erleben – zu Szenenapplaus animierte. An dessen Ende nach gut zweistündigem Spiel (plus Pause) sich junge wie junggebliebene Semester wie ein Mann von ihren Plätzen erhoben, um Darsteller, den hier auch Regie führenden künstlerischen Leiter der Open-Air-Veranstaltungen auf der Freilichtbühne, Peter Cahn, und die hinter den Kulissen wirkende Mannschaft mit lang anhaltendem Beifall und Zugabe-Rufen zu belohnen. Ein Wunsch, der „aber bitte mit Sahne“ prompt erfüllt wurde.

    Das war freilich nur einer der live gesungenen Udo-Jürgens-Hits, die neben vielen weiteren von ABBA über Baccara, Cat Stevens, Jürgen Drews, Mungo Jerry, Katja Ebstein, Gunter Gabriel bis zu Juliane Werding und Olivia Newton John in „Und es war Sommer“ eingebaut sind. Die Textzeile aus Maffays Hit lässt zwar vermuten, dass es in dem Stück um die erste Liebesnacht eines 16-Jährigen geht. Doch die witzige Schlagerrevue hat viel mehr in petto. Sie entführt in die Welt der 70er Jahre, porträtiert mit wenigen Figuren die bunte Gesellschaft der Zeit nach dem Wirtschaftswunder, der Hippie-Kultur, streift Themen wie Frauenrechte, AKW-Proteste, Sexualität, Politik …   

    Das Stück verwebt mehrere Handlungsstränge

    Die Geschichte erzählt von Menschen, die zufällig in einem Park aufeinandertreffen, und verwebt mehrere Handlungsstränge und Lebensentwürfe so geschickt miteinander, dass das (erfahrene Laien-)Ensemble als Ganzes, aber auch jede einzelne Figur glänzen kann.

    Da ist Sabine Kaiser (resolut dargestellt von Gabi Bayerschmidt), die gerade Ehemann, Bungalow und Pelz hinter sich gelassen hat, um jetzt als Feministin aktiv zu sein. Untergekommen ist sie bei der selbstbewussten Reporterin Marlene (Katja Kleinfeller), die durchaus weiß, wie man mit Männern umgeht: „Wenn du denkst, du denkst, …“  Zwischen den beiden der spießige Helmut (Marco Weber), Macho par excellence, der seiner Ex auf Knien beteuert: „Tränen lügen nicht“. In seiner Überheblichkeit gegenüber dem heimwehgeplagten griechischen Gastarbeiter Kostas – Carsten Ceming macht die Figur zum Sympathieträger – ist Helmut nicht zu überbieten.

    Am Ende haben sich nicht nur alle neu sortiert und „Alles im Griff“

    In der großen Stadt sind auch die beiden Schwestern Karin (Isabell Lang) und Biggi (Judith Djacic) unterwegs, um den unbekannten Halbbruder zu suchen. Dabei treffen sie auf den Stadtpark-Guru Gustav-Rudolph (Florian Biemüller). Der sucht sich selbst, empfängt „Good Vibrations“, und findet in Biggi aber mehr als eine „Schwester“. Die ist überzeugt, „You’re The One That I Want“, auch wenn die echte Schwester mit „Conny Kramer“ zur Vorsicht warnt. Umwerfend, da „runde“ Bewegungen ihm nicht in die Wiege gelegt wurden, ist Umfrageexperte Andi (Dominik Herbergs). Ihm begegnet das große Glück in Person des linksorientierten Kulturamtsreferenten Lothar Schmidt (Simon Hochburger). Tanzend zu „Yes Sir, I Can Boogie“ stehen die beiden zu ihrer sexuellen Orientierung.

    Am Ende haben sich nicht nur alle neu sortiert und „Alles im Griff“, sondern es wird auch die Frage aufgelöst, was das Ganze mit dem Maffay-Titel „Und es war Sommer“ zu tun hat, welche Rolle das Bett im Kornfeld spielte und warum man den "Starshine" mit "Good Morning" begrüßt.

    Auf dem Programm bis 14. August. Karten unter: Tel. (09351) 5424, mail@scherenburgfestspiele.de

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