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    WÜRZBURG

    Schloss Aschach: Geräusche aus der Küche

    Werden in ein neues Konzept eingebunden: Ausstellungsstücke auf Schloss Aschach. Foto: Bertron-Schwarz-Frey

    Weihnachtsgeschenk an Mathilde“, steht da in sauberer, altmodischer Handschrift oder: „Weihnachtsgeschenk an Michel“, und auch eine Johanna wurde von der gräflichen Familie zum Christfest bedacht. „Es sind Namen von Dienstboten“, sagt Volkskundlerin Birgit Speckle. Mathilde, Michel, Johanna und andere dienten einst im Schloss Aschach. Und wenn das Museum des Bezirks Unterfranken mit neuem Konzept zum Saisonbeginn 2020 wieder öffnet, werden Dienstboten eine wichtige Rolle spielen. Sie sollen für den Besucher im Hintergrund zu hören und zu spüren sein – und: Kurze Texte informieren über die Lebensläufe der Dienerschaft.

    Jetzt ist das freilich noch Zukunftsmusik. Schloss Aschach, dessen Geschichte ins 12. Jahrhundert zurückreicht, wird seit 2016 saniert, barrierefrei erschlossen und mit einem neuen Ausstellungskonzept versehen (wir berichteten). Man liege im Zeitplan, sagt Birgit Speckle vom Bereich „Kulturarbeit“ des Bezirks Unterfranken. Derzeit ist das Schloss geschlossen. Die Ausstellungsstücke sind in einer Hälfte deponiert, während in der anderen, jetzt leeren Hälfte, Handwerker und Forscher zugange sind. Es geht darum, die historischen Wohnräume in den Zustand zu versetzen, in dem sie sich 1955 befanden, dem letzten Jahr, in dem die Grafen von Luxburg das Schlösschen bei Bad Bocklet bewohnten (siehe Kasten).

    Durchaus außergewöhnlich

    Dass es künftig im Schloss nicht nur um die Adelsfamilie, sondern auch um deren Personal geht, sei durchaus außergewöhnlich, sagt Speckle. Es macht aber nicht nur der promovierten Volkskundlerin, die die fachliche Leitung bei der musealen Umgestaltung des Graf-Luxburg-Museums hat, jede Menge Arbeit. Denn allzu viele Dokumente zur Dienerschaft existieren nicht, vieles ist lückenhaft. Beispielsweise stehen in den Rechnungsbüchern, in denen die Ausgaben – nicht nur – für Weihnachtsgeschenke verzeichnet sind, oft lediglich Vornamen.

    Um mehr zu erfahren, mussten andere Quellen gesichtet, musste vor Ort recherchiert werden, denn: Viele der gräflichen Dienstboten kamen aus Aschach und Umgebung. Also wurde nach Nachfahren der Diener und Mägde gefahndet oder nach Enkeln und Urenkeln von einstigen Bekannten, die noch etwas zu erzählen wussten.

    Einen Lebenslauf trieb Birgit Speckle im Kloster Andechs auf: Karl Hofmann arbeitete von 1877 bis 1887 als Erster Diener im gräflich-luxburgischen Haushalt. Dann verließ er den Dienst – der Graf stellte ihm ein gutes Zeugnis aus – und trat als Bruder Kilian den Andechser Benediktinern bei.

    So entstanden in mühevoller Kleinarbeit – vom Milchkutscher bis zum Gärtner, von der Wäscherin bis zur Köchin – Lebensbilder von Menschen, ohne die ein hochherrschaftlicher Haushalt nicht funktioniert hätte. „Das ständige Personal im Aschacher Schloss und im Hauptwohnsitz der gräflichen Familie in Würzburg bestand über Jahre hinweg aus sechs bis sieben Bediensteten“, sagt Birgit Speckle.

    Unaufdringlich im Hintergrund

    Die Dienstboten werden nicht nur in Lebensläufen präsent sein. Sie sollen auch – unaufdringlich – im Hintergrund zu hören sein, ebenso wie Küchengeräusche. Möglichst nahe möchte man an die Lebenssituation der letzten Bewohner von Schloss Aschach herankommen. Dabei geht es auch um Möbel, Tapetenmuster oder Wandfarben – um zahlreiche Details, die ein geschlossenes Bild ergeben sollen. Auch dahinter steckt jede Menge Forschungsarbeit. Und manches, sagt Speckle, werde wohl nie herauszukriegen sein.

    Die historischen Räume sollen das Gefühl vermitteln, als seien sie noch bewohnt. „Da könnte im Speisesaal zum Beispiel eine Serviette auf dem Boden liegen, ein Stuhl verrutscht oder ein Glas umgefallen sein“, erklärt Birgit Speckle das Konzept. Geplant ist, möglichst ohne Barrieren oder Absperrungen auszukommen. Das soll die Reise in die Vergangenheit noch authentischer machen. Der Besucher wird auf roten Teppichen durch die Zimmer geführt, unmerklich überwacht von einem Alarmsystem.

    Nicht alle der 33 Räume, die Schloss Aschach, auf drei Etagen bietet, sind Wohnräume. Das neue Konzept sieht auch „Biografieräume“ zu den Luxburgs vor sowie museale Räume, in denen die hochkarätigen Sammlungen der Grafen zu Gotik, Renaissance und ostasiatischer Kunst präsentiert werden.

    Die bisherige Konzeption des Museums war in den 1950er Jahren entstanden. Sie entspricht nicht mehr modernen Standards. Zudem umfasst sie viele Stücke, die seinerzeit aus dem Mainfränkischen Museum – heute Museum für Franken – entliehen wurden und nichts mit Schloss Aschach zu tun haben. Sie werden wieder zurückgegeben.

    Bewohner von Schloss Aschach

    Nach diversen Besitzern – auch Würzburger Fürstbischöfe waren darunter – residierten ab 1874 die Grafen von Luxburg auf Schloss Aschach. Friedrich Graf von Luxburg (1829 bis 1905), Regierungspräsident von Unterfranken und Aschaffenburg, gestaltete das Anwesen nach seinen Vorstellungen um.

    Karl Graf von Luxburg (1872 bis 1956) wurde nach dem Tod des Vaters Schlossherr. Der Jurist und kaiserliche Diplomat schenkte Schloss Aschach dem Bezirk Unterfranken – mit der Auflage, es samt Einrichtung zu erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

    Carola Gräfin von Luxburg, die Frau des letzten Schlossbesitzers, lebte bis zu ihrem Tod 1968 zeitweise in einigen abgetrennten Räumen. Der Museumsbetrieb lief da bereits seit mehr als zehn Jahren.

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