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    Schweinfurt

    Schweinfurter Regisseur mit Drama um blinden Auftragskiller

    Früher hat er schon mal Teller gewaschen, um über die Runden zu kommen. Jetzt belebt Filmemacher Christoph Gampl das Genre des Film Noir neu – mit prominenten Darstellern.
    Zu Füßen Rückerts: Christoph Gampl zu Besuch in seiner Geburtsstadt Schweinfurt. Foto: Wolfram Hanke

    Neben Berlin, Venedig oder Cannes ist das Filmfestival in Tallinn in Estland eines der wenigen weltweit mit dem begehrten A-Status. Das diesjährige "Festival der dunklen Nächte" läuft seit Freitag, am kommenden Montag, 25. November, hat dort der neue Film des aus Schweinfurt stammenden Filmemachers Christoph Gampl Premiere: „Man From Beirut“. Für Gampl ist die Premiere der Abschluss eines Mammut-Projekts, in das er nicht nur jede Menge Herzblut, sondern auch eine Stange Geld investiert hat.

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    Die Geschichte von „Man From Beirut“ klingt düster. Der blinde Auftragskiller Momo hat schon bessere Tage gesehen. Als er den Mord an einem jungen Mädchen verweigert, gerät die Situation außer Kontrolle. Der Film, komplett in Schwarz/Weiß, ist der Versuch, das Genre „Film Noir“ als „Neo Noir“ wieder aufleben zu lassen, sagt Regisseur Gampl.  Inspiriert hat ihn der japanische Film „Zatoichi“ (2003) von Regisseur und Schauspieler Takeshi Kitano. Die Geschichte eines blinden Samurai-Kämpfers.

    "Ein blinder Auftragskiller, der mit einer Knarre hantiert und nur mit Gehör arbeitet, das hat uns irgendwie angekickt."
    Christoph Gampl

    Das Team habe bewusst versucht, eine Figur zu finden, die nur schwer in eine realistische Handlung zu packen ist. "Ein blinder Auftragskiller, der mit einer Knarre hantiert und nur mit Gehör arbeitet, das hat uns irgendwie angekickt", sagt Gampl. "Man from Beirut" ist nicht sein erstes großes Filmprojekt. Vor sieben Jahren feierte seine erste Kinoproduktion „Antman“ mit Elisabeth Volkmann bei der Berlinale Premiere. Ein mexikanisches Wüsten-Western-Epos mit Horror-Einschlag. Zuvor hatte er mit einer Dokumentation über das Kunst- und Hippie-Festival „Burning Man“ in Nevada auf sich aufmerksam gemacht. Das Projekt, Schillers "Räuber" als Action-Drama umzusetzen, hat er nie verwirklicht.

    Christoph Gampl mit Elisabeth Volkmann am Set von "The Antman". Foto: Gampl

    Der heute 49-Jährige ist in Schweinfurt geboren und aufgewachsen und hat nach dem Abitur an der Hochschule für Film und Fernsehen in Babelsberg studiert. 2000 bekam er den Kulturförderpreis der Stadt Schweinfurt. „Man From Beirut“ ist für Christoph Gampl gleichermaßen Herzensangelegenheit und Mammutprojekt. Er ist Regisseur und Produzent, hat beim Schnitt mitgewirkt und mit seinem alten Kollegen von der Filmhochschule Boris Naujoks das Drehbuch geschrieben. Nach 14 Drehtagen war der Film im Kasten.

    250 000 Euro beträgt das Budget. Nicht gerade üppig für einen 82-minütigen Streifen. Großen Anteil am Gelingen hat der im Libanon geborene Hauptdarsteller Kida Khodr Ramadan, bekannt vor allem als Hauptfigur der sehr erfolgreichen Serie „4 Blocks“. „Ich wollte auf jeden Fall mit Christoph ein Projekt machen“, sagt Ramadan. „Dann hat sich diese Idee ergeben, für wir beide gerade Zeit hatten. Das Buch hat gestimmt, die Geschichte hat mich sehr gereizt. Christoph hat einfach eine Vision, die meiner idealen Filmvorstellung sehr nahe kommt.“

    Hauptdarsteller Kida Khodr Ramadan, hier auf dem Roten Teppich bei der Premiere der erfolgreichen Gangster-Saga "4Blocks". Foto: Lino Mirgeler, dpa

    Ramadan ist nicht nur Co-Produzent, sondern hat auch den Kontakt zu den anderen Schauspielern hergestellt. Unter anderem hat er seine Tochter Dunya mitgebracht. Und bekannte Namen wie Frederick Lau ("Türkisch für Anfänger", "Die Welle", "Victoria"), Lucas Gregorowicz ("Lammbock", "Das Wunder von Bern", "Soul Kitchen") oder Susanne Wüst ("Parfum", "Carlos", "Max Schmeling").

    Dank Unterstützung des Medienboards Berlin-Brandenburg konnte das Projekt auch ohne größere Geldgeber realisiert werden. „Ich habe das Glück, dass ich meinen Unterhalt durch Werbung bestreiten kann“, erzählt Gampl. Die letzten zehn Jahre habe er viel für Mercedes und Daimler gedreht. "Dadurch kann ich mir Freiräume schaffen, in denen ich Dinge machen kann, die nicht so gut bezahlt sind, oder die ich, wie im Fall von ,Man From Beirut', teilweise auch selbst finanziere.“

    „Als ich mit Anfang 20 frisch nach Berlin kam, hat mich einfach alles interessiert, was anders war."
    Christoph Gampl

    Das war nicht immer so. Um über die Runden zu kommen, hat Christoph Gampl auch schon Kurzgeschichten für die deutsche Ausgabe des Erotik-Magazins „Hustler“ geschrieben, im Berliner Schmuddelschuppen „Big Sexyland“ gearbeitet oder in einem Promi-Restaurant  Teller gewaschen. „Für mich war es immer wichtig, ein breites Spektrum an menschlichen Neigungen auch selbst zu erfahren“, sagt der Filmemacher. „Als ich mit Anfang 20 frisch nach Berlin kam, hat mich einfach alles interessiert, was anders war. So habe ich viele Charaktere kennengelernt, die ich dann später auch in Stoffen weiterverarbeitet habe.“

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    Ob und wann „Man From Beirut“ in die Kinos kommt, steht in den Sternen. Gampl will die Premiere nutzen, um Kontakte zu Vertrieben und Verleihen zu knüpfen. „Es ist noch nicht klar, in welcher Form eine Veröffentlichung stattfinden wird“, sagt er. „Natürlich schielen wir auch auf Partner wie Netflix oder Amazon, die den Film an einem Tag weltweit zugänglich machen könnten. Mir würde aber auch ein kleiner Kino-Release sehr gefallen.“

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