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    Würzburg

    "Sensible Begegnung" im Spitäle: Plastik und Malerei

    Hartwig Kolb und Elisabeth Reusch-Heidenfelder Foto: Joachim Fildhaut

    Das Spitäle zeigt Gemälde von Hartwig Kolb und Keramik von Elisabeth Reusch-Heidenfelder unter dem Titel "Sensible Begegnung". Das klingt gewagt, zumal für eine Ausstellung, in der sehr viele Bilder (35) knapp zehn Plastiken umringen. Rückt der Herr Künstler da nicht etwas unsensibel gegen seine Kollegin vor? Nein, es genügen zwei der Steingutwerke Reusch-Heidenfelders, um den Arbeiten Kolbs sensibel und vor allem ebenbürtig zu begegnen.

    Eine Ton-Statue wie "Im Verborgenen" zum Beispiel dockt direkt an die Herzstellen vieler Gemälde ringsum an. Zwei Formen begegnen sich, reagieren aufeinander, zusätzlich wirkt eine äußere, nur auf den ersten Blick destruktive Kraft auf die beiden sein. Diese wenigen Keramiken beglaubigen gewissermaßen ein Prinzip der farbigen Leinwände.

    Fast jede Arbeit Kolbs hat eine Kraftstelle

    Denn: "In Balance gehalten" wird auf dem gleichnamigen Bild gleich dreierlei: Farbmaterialität, technische Tricks des Malers, und daraus ergibt sich die Darstellung eines Körpers. Eine solche Kraftstelle hat fast jede Arbeit Hartwig Kolbs, und es ist faszinierend zu betrachten, dass der Künstler deren Konstruktion nie wiederholt. Manchmal bringt er statt eines Rauminhalts Leere, dann wieder geht die Spannung von Polen aus…

    Zur Orientierung im Bildraum verhelfen unregelmäßig geschnittene Flächen, die den Vordergrund verstellen oder das Leinwandgeschehen anderweitig modellieren. Das geschieht vor allem in einer großen Serie, die der ungemein produktive Hartwig Kolb in der Mache hat. Eine andere Reihe bringt statt der abstrakten kulissenartigen Formen parallele geometrische Muster. Manchmal scheint der Blick aus der Vogelperspektive auf eine rätselhafte Landschaft zu fallen.

    Man sollte sich allerdings davor hüten, wiedererkennbare Dinge aus der Außenwelt zu erwarten. Was bekannt ist, sind die Mischtechniken, die Kolb anwendet: Farbtropfen die Leinwand hinablaufen lassen, Schablonen aufdrücken, dünne Papiere auf die Leinwand kleben, ölhaltige und ölabweisende Farben mischen. Weiter als die vielen Zeitgenossen, die ähnlich arbeiten, geht er mit einem seltenen Künstlerwerkzeug: Er zeichnet mit dem Filzstift auf seine Acryloberflächen.

    Abenteuerliche Seh-Spaziergänge

    Abenteuerlich werden diese Seh-Spaziergänge durch die Farbwahl. So ein Kolb ist bunt. Oft setzt ein nacktes, technisches Kobalt ein dominantes Detail, kombiniert mit kräftigem Rot oder hellen Grüntönen. Einige dieser Kombinationen sind bis heute verpönt.

    Genau dasselbe Blau verwendet Elisabeth Reusch-Heidenfelder auf für ihre Glasuren. Das haben die beiden Lohrer Künstler selbst überrascht festgestellt, als sie ihre gemeinsame Schau zusammenstellten. Reusch-Heidenfelders Serie "Kompositionen" reagiert direkt auf Gespräche mit Kolb. Sehenswert sind aber auch die flachen Objekte und kleineren Plastiken in der Vitrine links vom Eingang.

    Bis 28. Juli, geöffnet Di.-So. 11-18 Uhr.

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