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    Weikersheim

    Sinfonische Klänge aus dem schwarzen Ufo im Taubergrund

    Blick in den großen Konzertsaal beim Eröffnungswochenende. Es spielt das "Orchester im Treppenhaus". Foto: Markhard Brunecker

    Wenn man sich Weikersheim von Bad Mergentheim aus nähert, springt einem plötzlich eine Form ins Auge, die anmutet wie ein gerade im Taubergrund gelandetes schwarzes Ufo. Es ist die Tauberphilharmonie. Das Gebäude wirkt auf seinen über 100 Pfählen trotz einer überbauten Fläche von rund 2500 Quadratmetern, als würde es schweben. Architektonisch ist es ein echter Hingucker. Entworfen haben es HENN Architekten aus München, Gewinner des Architekturwettbewerbs.

    Zur Hauseröffnung vor einigen Tagen mit jeder Menge musikalischer Beiträge kamen fast 2000 Besucher. Aus der näheren Umgebung, aus Würzburg, aber auch aus München, aus Stuttgart und dem Ruhrgebiet. Intendant Johannes Mnich, seit 1. Mai 2018 im Amt, freute sich, wie die Menschen "ihre" Tauberphilharmonie in Besitz nahmen: „Es hat alles gepasst." 

    Intendant Johannes Mnich im Gespräch. Links Marketingleiterin Elisa Heiligers. Foto: THOMAS OBERMEIER

    Die Musiker des „Orchester im Treppenhaus“ meinten schon nach den Proben, sie hätten selten eine so spektakuläre Akustik erlebt. Tatsächlich liegt die Nachhallzeit, die sich im Ideal zwischen 1,5 und 2 Sekunden bewegt, im neuen Konzertsaal bei 1,7 Sekunden. Der "richtige" Klang liegt allerdings immer in den Ohren der Musiker und Konzertbesucher. Diese zeigten sich bei der Hauseröffnung begeistert.

     Johannes Mnich ist gebürtiger Würzburger und war als Pianist und Kammermusiker unterwegs. Schon während des Studiums in Hannover arbeitete er als Bühnen- und Konzertmanager. Zuletzt war der 33-Jährige zweieinhalb Jahre Projektleiter der Festival-Akademie beim internationalen Musikfestival "Heidelberger Frühling".

    Schwarzes Ufo im Taubergrund: die Tauberphilharmonie kurz vor ihrer Fertigstellung. Foto: THOMAS OBERMEIER

    Eine Woche vor der Eröffnung der Tauberphilharmonie wurde er ein weiteres Mal mal Vater, mit seiner Familie fühlt er sich in Weikersheim sehr wohl. „Klein, aber fein“ sieht er sein Mitarbeiterteam: „Mein Assistent und Programmmanager ist aus Wien hierhergezogen und Marketing/Kommunikation konnte ich mit einer Einheimischen besetzen, die viel Medienerfahrung mitbringt." Zusammen mit der "Hausmeister-Allzweckwaffe" seien das allerbeste Voraussetzungen, zumal das Team von Stadtverwaltung und Freundeskreis unterstützt werde.

    Die Finanzierung der Baukosten von 14,1 Mio. Euro schlüsselt sich laut Mnich wie folgt auf: Die Höchstsumme von 4 Millionen Euro zahlt der Bund. Hinzu kommen Gelder vom Land Baden-Württemberg, vom Landkreis und vielen Spendern und Sponsoren. Sie alle sind im Foyer am Tickettresen aufgeführt. Die verbliebenen 4,1 Mio Euro sowie die Betriebskosten zahlt die Stadt – "übrigens ohne Aufnahme von Krediten", sagt Mnich.

    Erste Klangproben im Vorfeld der Eröffnung: der Pianist Philipp Hubert im großen Saal. Foto: THOMAS OBERMEIER

    Die Tauberphilharmonie ist eine Anstalt öffentlichen Rechts; eine Mischform aus Eigenbetrieb und GmbH. Einziger Träger ist die Stadt, die sich über den Verwaltungsrat auch Expertise von außen holen kann. Im Vorfeld der Ende April 2017 begonnenen Bauarbeiten hatte es unterschiedliche Auffassungen über die Funktion des Gebäudes gegeben. Nach dem Abriss der alten Stadthalle muss es nun den Spagat zwischen einem Konzerthaus und einer Stadthalle bewältigen.

    "Beim Bau spielte vor allem die Ausbreitung – oder Nichtausbreitung – von Schall und Klang eine wichtige Rolle", heißt es auf der Homepage der Tauberphilharmonie. Der Gebäudekern besteht aus Stahlbeton, die Heizungs- und Lüftungsanlage ist so konstruiert, dass sie nahezu geräuschlos arbeitet. Neben der Akustik sei vor allem die Multifunktionalität des Gebäudes von großer Bedeutung: "Die beiden Säle lassen sich flexibel bestuhlen. Die große Bühne im Konzertsaal lässt problemlos Formationen vom Solisten bis zum Sinfonieorchester zu."

    Ein Drittel der Belegung bestreiten die Jeunesses Musicales

    Der Intendant setzt auf diese Multifunktionalität: „Wir möchten eine Heimat für Bürger und Vereine sein, bieten beim Mietpreis auch einen Weikersheim-Rabatt und stehen natürlich für den Neujahrsempfang, die Kärwe, Vereinsjubiläen und so weiter zur Verfügung.“ Johannes Mnich ist die Zusammenarbeit mit den Jeunesses Musicales Deutschland (JMD) als Ankermieter mit rund einem Drittel der Belegung sehr wichtig. Jeunesses Musicales International, gegründet noch während des Zweiten Weltkriegs in Brüssel, gilt als die größte musikalische Jugend-Kulturorganisation der Welt und ist in über 50 Ländern der Erde aktiv. Mnich: "Wir haben regelmäßig Arbeitstreffen, bei denen wir die Belegungen koordinieren. Und ich freue mich natürlich über die jungen Menschen, die Weikersheim ja schon seit Jahrzehnten prägen.“

    Mnich geht davon aus, dass die Planungen für ein Hotel zügig vorangehen, das nicht nur für das Tagungssegment, sondern auch für Konzertverpflichtungen und den Tourismus insgesamt wichtig sei. Über eine überregionale Nachfrage entscheide immer das Programm. Nach dem Eröffnungswochenende läuft nun der Eröffnungssommer: „Der Weltklasse-Pianist Igor Levit war schon lange nicht mehr in Würzburg; auch größere Namen wie Götz Alsmann, Meute oder Bodo Wartke ziehen überregionale Besucher an.“

    Der Eröffnungssommer der Tauberphilharmonie bietet unter anderem Auftritte der Pianisten Elisabeth Brauß (28. Juli) und Igor Levit (15. August), eine Liedermatinée mit dem Bariton Konstantin Krimmel (11. August), das Blasmusik-Projekt Meute (25. August), oder Bodo Wartke (8. Juli).
    Karten unter www.tauberphilharmonie.de
    Die Galaeröffnung der Tauberphilharmonie findet dann am 14. September mit dem Bundesjugendorchester statt, den Flaggschiff-Orchester der Jeunesses Musicales (ausverkauft). 

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