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    Würzburg

    So begeisterte "Moop Mama" in der Würzburger Posthalle

    Die Münchner Brass Band ist eine nicht alltägliche Kombo. In Würzburg erlebten 900 Fans eine Gruppe aus bandkompatiblen Individualisten.
    Die Münchner Brass Band 'Moop Mama' gastierte mit dem zweiten Teil ihrer 'Ich'-Tour in der Würzburger Posthalle.
    Die Münchner Brass Band "Moop Mama" gastierte mit dem zweiten Teil ihrer "Ich"-Tour in der Würzburger Posthalle. Foto: Johannes Kiefer

    Zehn Musiker auf Ego-Trip, jeder eine Klasse für sich und dabei aber doch absolut bandkompatibel: Bei "Moop Mama" gelingt das: Die Tournee der Münchener Brass Band heißt "Ich", aber in der Würzburger Posthalle fanden sich sieben Blechbläser, zwei Schlagzeuger und ein Sänger zu einem viel umjubelten "Wir" zusammen.

    Der etwas mysteriöse Name der Formation lässt sich mit "Matter Out Of Place" – zu Deutsch "Dinge, die irgendwo liegen, wo sie nicht hingehören" – erklären. In den ersten Jahren traten die aufgeweckten Jungs als "Guerilla-Band" an Orten auf, wo sie es eigentlich nicht sollten – in Parks, Fußgängerzonen, Schwimmbädern... Inzwischen hat sich die 2009 von Saxophonist Marcus Kesselhut gegründete Band einen geachteten Rang in der Szene erspielt.

    Eine trainierte "Marching Band"

    Den Beweis ihrer instrumentalen Fertigkeiten erbringen die Musiker in allen Tonlagen. Sie können grooven oder lautstarke Passagen in den Saal schmettern und zeigen sich dabei als wohl trainierte "Marching Band": Ständig in Bewegung, häufig in neuen Positionen verharrend, immer zu einem Spaß aufgelegt.

    Als Dreh- und Angelpunkt der Unruhe-Band erweist sich Keno Langbein. Der quirlige Sänger strahlt eine enorme Energie aus. Seine Singstimme besticht durch Ausdrucksstärke und melodische Vielfalt, sein Bewegungstalent verblüfft und seine Rap-Texte sind klar akzentuiert. Keine Scheu, dem dicht gedrängten, überwiegend jungen Publikum auf den Leib zu rücken – auch auf der Schulter eines Fans stehend lässt es sich prima singen!

    Die Texte sind für ein waches Gehirn geschrieben

    "Moop Mama" stellt Lieder in den Raum, deren Melodien harmonisch ins Ohr gehen und deren Texte für ein waches Gehirn geschrieben sind. Die Auswahl beginnt mit dem eher selbstkritischen Lied  "Wildnis", macht ein Späßchen mit "Wenn ich du wär', wär' ich lieber ich" und erzählt bei "Molotow" die unglückliche Liebe eines Polizisten zu der zur Anarchie neigenden Anna. Hier beeindruckt die furiose Lichtregie mit einer Orgie in zuckendem Rot. Den "Geister"-Song taucht sie passend in kaltes Weiß.

    Besonders hoch fliegen die Arme der unentwegt tanzenden und hüpfenden Fans bei "Alle Kinder". Mit geballter Instrumentenpower fegt "Shitstorm" durch den Saal und stellt die düstere Angst vor dem Unbekannten bloß. Wenn Langbein dann in die Schmunzelkiste greift und "Frag' mich, wenn ich nüchtern bin!" anstimmt, sind die sangesfrohen rund 900 Fans begeistert mit dabei. Eigentlich wollten sie überhaupt nicht mehr aufhören mit dem lebensnahen Refrain und dem begeisterten Schlussapplaus.

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