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    Stephen King blickt ins Jenseits

    Stephen King blickt ins Jenseits

    Jamie Morton hat eine unbeschwerte Kindheit. Er wächst in den 1960er Jahren im US-Bundesstaat Maine auf, mit seinen Eltern und vier Geschwistern, und er spielt gerne mit seinen Plastiksoldaten auf dem Rasen vor dem Haus – bis Charles Jacobs in sein Leben tritt. „Ich blickte auf und sah einen Mann vor mir stehen. Weil sich die Nachmittagssonne hinter ihm befand, war er eine von goldenem Licht umgebene Silhouette – eine menschliche Sonnenfinsternis“, berichtet er. Ein neuer Pfarrer ist in der Stadt.

    Mit dieser Begegnung beginnt der neue Roman („Revival“, Wiederbelebung) von „Horror-Papst“ Stephen King (67). Pfarrer Jacobs und seine Familie werden in der Kleinstadt Harlow herzlich empfangen. Doch dann verliert er Frau und Kind bei einem Autounfall und fällt vom Glauben ab. Jacobs verflucht Gott, und die Kleinstädter verfluchen ihn dafür. Er stürzt sich ganz in sein Hobby, seine Experimente mit Elektrizität – einer finsteren Macht.

    Über fünf Jahrzehnte

    King erzählt die Geschichte zweier Menschen, deren Wege sich über fünf Jahrzehnte lang kreuzen. Der kleine Jamie wird erwachsen, spielt Gitarre in zweitklassigen Rockbands, bricht sich bei einem Motorradunfall fünfmal das Bein, wird heroinabhängig. Ex-Pfarrer Jacobs wird vom Schausteller zum religiösen Wunderheiler und zum besessenen Wissenschaftler. Mit seinem magischen Stromkasten heilt er Jamie von seiner Sucht. Aber der Preis dafür ist hoch.

    Jacobs legt den Schalter an seiner Maschine um und heilt jedes noch so schlimme Gebrechen. Krumme Knochen wachsen gerade, lahme Männer werfen die Krücken von sich, eine Frau mit Bronchitis lässt die Sauerstoffmaske fallen und holt tief Luft. Doch die Elektroschock-Therapie hat Nebenwirkungen. Die Patienten bekommen Wahnvorstellungen, haben Blackouts und stellen gruselige Sachen an. Der Ex-Junkie Jamie Morton wacht irgendwann nackt im Garten auf, als er sich mit einer Gabel den Arm blutig sticht. Vielleicht will King religiösen Wahn aufs Korn nehmen. Vielleicht trägt die Geschichte auch biografische Züge, weil sie das Thema Drogensucht anschneidet und der Autor von Schockern wie „Es“, „Friedhof der Kuscheltiere“ oder „Shining“ Alkoholiker war.

    Mit Ausnahme von ein paar gruseligen Visionen hält sich der Spuk in Grenzen – wäre da nicht das fulminante Ende, gegen das selbst Kinder fressende Clowns und Zombie-Haustiere beruhigend wirken. Der Leser erhascht einen Blick ins Jenseits und muss dabei erfahren: Die Angst vor dem Tod hat ihren guten Grund. Da wurde es King beim Schreiben offenbar selbst mulmig: „Es ist zu Furcht einflößend. Ich will über dieses Buch gar nicht mehr nachdenken.“

    Stephen King: Revival (Heyne, 512 Seiten, 22,99 Euro) Als Hörbuch in ungekürzter Lesung (Sprecher David Nathan) erschienen bei Random House Audio auf drei MP3-CDs (Laufzeit knapp 16 Stunden)

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