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    Würzburg

    Tage der Neuen Musik mit sinfonischen Hör-Herausforderungen

    Rebecca Saunders, Composer in Residence der diesjährigen Würzburger Tage der Neuen Musik, hier beim Porträtkonzert am Mittwoch. Foto: Daniel Peter

    Ein Sinfoniekonzert gehörte bislang nicht zum Standard der Tage der Neuen Musik. Dank einer weiteren Kooperation zwischen Musikhochschule, Ausrichterin des Festivals, und Mainfranken Theater kam das Publikum am Donnerstag und Freitag im gut besuchten großen Saal der Musikhochschule in den seltenen Genuss zeitgenössischer Sinfonik.

    Simeon Pironkoff, Experte für Neue Musik, dirigierte Werke von Klaus Ospald, Witold Lutoslawski, Rebecca Saunders und Claude Debussy (Bartóks Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta war der Krankheitswelle zum  Opfer gefallen).

    Das Philharmonische Orchester musste eine anstrenge Probenzeit hinter sich haben – alle Stücke verlangen äußerste Konzentration und bieten im Gegenzug wenig Vertrautes. So kommt Lutoslawskis Cellokonzert ohne Takte aus. Es hat sich eingebürgert, dass der Dirigent das ganze Stück hindurch zur Orientierung für die Musiker mit einer Hand in steter Folge die Ziffern eins bis fünf zeigt – schon das  eine gewaltige Leistung. Die Philharmoniker dankten es mit großem Einsatz und viel Gespür für den fragilen und technisch ungeheuer anspruchsvollen Part des Solisten.

    Den lieferte der junge Cellist Isang Enders mit Bravour und Sensibilität, wobei es nicht einmal das chronisch einsturzgefährdete Podest vermochte, ihn aus dem Konzept zu bringen. Die zugegebene, entkörperlichte  Sarabande aus Bachs c-Moll-Solosuite schlug zudem einen faszinierend einleuchtenden Bogen über gut 250 Jahre Musikgeschichte hinweg.

    Reibungen über Reibungen werden zu geräuschhaften Zuständen

    Klaus Ospalds (Jahrgang 1956) "Agitato" ist ein Flirren klanglicher Minischnipsel durch alle Instrumentengruppen hindurch. Es entsteht eine hochkomplexe, ständig changierende Klanglandschaft aus kleinsten Teilen.

    Rebecca Saunders (Jahrgang 1967) wiederum scheint in "Traces" gedanklich einen Raum zu durchmessen. Oder durch Klang erlebbar zu machen.  Aus vereinzelten, einander überlagernden Gesten heraus schichtet sie Reibung auf Reibung und verdichtet den Klang zu geräuschhaften Zuständen (erstaunlich groß dabei der Effekt einzelner Akkordeon-Töne), die dank immer neu sich formierender Oberton-Konglomerate zu immer neuen Hör-Herausforderungen werden. Wie kurzweilig Musik sein kann, die keinerlei vertrauten dramaturgischen Abläufen unterliegt. Verblüffender Effekt zum Schluss: Die leisen Trommelschläge machten die Stille so greifbar, dass nicht einmal die gut hörbare Lüftung störte.

    Debussys "Jeux" ("Spiele"), die dem Konzert den Namen gaben, gelten als sein modernstes Stück. Andeutungsweise ist ein Tennisspiel dargestellt, man kann den Ball aufschlagen hören, vielleicht die Anspannung der Spieler spüren. Vor allem aber eine Fülle von Motiven, Affekten, Lichtwechseln genießen, die die Philharmoniker mit spürbarem Spaß zelebrierten. 

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