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    Maßbach

    Theater Maßbach: Die Kunst des misslungenen Seitensprungs

    Hauptsache Spaß, heimliche Seitensprünge inklusive: Lukas Redemann und Anna Schindlbeck verkörpern in der Boulevardkomödie "Das (perfekte) Desaster Dinner" auf der Freilichtbühne in Maßbach ein junges Ehepaar. Foto: Sebastian Worch

    Wenn es an diesem Abend eine Person gibt, die man bewundern und über deren Lebenskunst man herzhaft lachen kann, dann ist es die Cateringservice-Köchin Susi. Die Frau, die mit Schwimmbad-blauem Haar und Ruhrpottslang auf der Maßbacher Freilichtbühne (Lkr. Bad Kissingen) steht und in einem Augenblick der Erleuchtung sagt: "Ich bin in meinem ganzen Leben noch nie so viele verschiedene Leute gleichzeitig gewesen."

    Wie wahr. Wie wahr. Würde der Rezensent jetzt versuchen, die Handlung in Sandra Lavas Inszenierung von Michael Niavaranis Komödie "Das (perfekte) Desaster Dinner" – nach Marc Camolettis Klassiker "Madame, es ist angerichtet" –, in Worte zu fassen, er wäre bereits nach wenigen Sätzen heillos überfordert. Deswegen ist die multiple Wandlungsfähigkeit von Susanne Pfeiffer als Köchin – neben der Wort- und Bewegungsakrobatik ihrer Mitspieler – nicht hoch genug einzuschätzen. Und das, obwohl sie die Figur auf der Bühne mimt, die sich als einzige gemessenen Schrittes und aufrechten Ganges durch die Handlung bewegt.

    Gut gespielte Typenkarikaturen: Die Zuschauer lehnen sich zurück und amüsieren sich über die selbst gemachten Verstrickungen der Bühnenfiguren. Foto: Sebastian Worch

    Na gut. Trotz haarsträubender Entwicklung der, dem dauerhaft erheiterten Publikum durchaus bekannten Grundsituation, ein Versuch, das Geschehen zu umreißen: Gut situiertes junges Ehepaar (Anna Schindlbeck und Lukas Redemann). Hipp. Erfolgreich. Nonchalant. Gleichgültig gegenüber den tieferen Schichten des Bewusstseins. Hauptsache Spaß, heimliche Seitensprünge inklusive. Und mit einer Vorliebe dafür ausgestattet, mangels eigener Fantasie das Spracherkennungssystem Alexa zur Romantisierung des Ambientes zu nützen.

    Die Konversation der Schickimickis klingt wie aus dem Handbuch der Klischees

    Er hat eine heimliche Geliebte, ein attraktives Model (Alena von Aufschnaiter). Sie einen heimlichen Geliebten, pikanterweise den besten Freund ihres Gatten (Andre Grave). Der Ehemann plant ein romantisches Dinner mit der Geliebten in seinem "Chalet". Gut, das sieht in Maßbach eher aus wie eine zusammengezimmerte Großraum-Holzhütte mit Einrichtung aus dem Secondhandladen, samt Hirschgeweih und ausgestopftem Iltis (Bühne: Melanie Alsdorf, Kostüme: Christina Halbfas, Requisite: Kathrin Hartmann).

    Ein Stück mit Slapstick, Wortwitz, Klamauk - und jeder Menge Turbulenzen. Foto: Sebastian Worch

    Aber auch das passt zu diesem bewusst gekünstelt inszenierten Milieu, in dem sich die Konversation der Schickimickis wie dem Handbuch der Klischees entnommen anhört. Und dann beginnt das von "Mausileins", "Bärlis", "Hasis", ja sogar von "Mausimausis" begleitete Desaster, weil wieder einmal alles anders kommt, als geplant. Am Ende taucht sogar noch eine sechste Person (Inka Liad) auf der Bühne auf, deren Rolle hier nicht verraten wird.

    Hintersinn braucht die Handlung nicht, das Jonglieren mit Stereotypen überzeugt

    Tiefgang, ironische Brechungen oder diffizilen Hintersinn braucht die Handlung nicht. Die Leute lachen über Situationskomik, Slapstick, Wortwitz, Klamauk, Tempo und Turbulenzen und das gekonnte Jonglieren mit Stereotypen. Dass die Figuren nicht mehr sind, als gut gezeichnete und gut gespielte Typenkarikaturen, nehmen die Zuschauer gerne in Kauf. Hauptsache, man kann sicher sein, dass die Bälle, die einem zugeworfen werden, nicht wehtun oder einen gar das berühmt-berüchtigte Lachen heimsucht, das im Halse steckenbleibt.

    Nein, es geht um nicht mehr und um nicht weniger, als sich an einem lauschig-launigen Wochenendabend über die selbstgemachten Verstrickungen dieser Bühnenfiguren zu amüsieren. Und vielleicht darüber zu grübeln, wie viel mehr die realen Schauspieler verdienten, würden sie wie unsere schlaue Köchin Susi pro geforderter Persönlichkeitswandlung bis zu 300 Euro in die Tasche stecken.

    Vorstellungen noch bis Samstag, 7. September. Infotelefon: 09735-235. Internet: www.theater-massbach.de

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