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    Meiningen

    Theater Meiningen bietet Schnellkurs in Sachen Siegfried & Co.

    Gruppenbild mit Drachentöter: "Die Nibelungen" am Theater Meiningen mit (von links) Alexander Beisel (Hagen), Hannah Jaitner (Ute), Friederike Fink (Kriemhild), Michael J. Mayer (Siegfried) und Roman Kimmich (Gunther). Foto: Tobias Kromke

    Christian Schidlowsky – einer der Hausregisseure des Maßbacher Theaters – inszenierte in Thüringen. Für die Jugendbühne des Landestheaters Eisenach nahm er sich Rüdiger Papes und Catharina Fillers „Die Nibelungen“ vor. Jetzt hatte der satirisch-seriöse Schnellkurs zum Nibelungenlied in den Meininger Kammerspielen Premiere.

    Der Nachholbedarf der Generation Z an historischem Wissen ist nicht nur beim Who is Who der griechischen Mythologie groß. Wobei das um 1200 entstandene Nibelungenlied in Sachen Liebe, Intrige, Kampf und Tod wesentlich einfacher strukturiert scheint als die Sagen des Klassischen Altertums. Jedenfalls war für den Schreiber dieser Zeilen, der als Jung-Siegfried in einer Nibelungensiedlung aufwuchs, eines klar: Der Drachentöter war ein enorm starker Charakter mit nur einem klitzekleinen Makel zwischen den Schulterblättern. Das Schicksal seines Idols trieb dem Knaben wonnige Schauer des Selbstmitleids unter die Tarnkappe. Wo Siegfried doch noch so viele Drachen hätte töten und holde Maiden hätte retten können!

    Von der historischen Sprache bleibt nicht viel übrig 

    Bereits damals kam der Schüler aber immer wieder mit der Sprache des Nibelungenlieds, so wie sie Oberstudienrat Wagner lehrte, in Konflikt. Hätte er doch schon Heinrich Heines Kommentar gekannt! „Es ist eine Sprache von Stein, und die Verse sind gleichsam gereimte Quadern.“ Von dieser Sprache bleibt bei Schidlowsky nicht viel übrig. Im positiven Sinn sind er und sein Team Zertrümmerer der steinernen Sprache. Es wird im Chor rhythmisch erzählt, ja gerappt. Es wird umgangssprachlich palavert und übertrieben hymnisch zelebriert. Er wird über die Jahrhunderte hinweg bis in den aktuellen Alltag Jugendlicher assoziiert. Kampf, Intrige, Verrat, Mord, Liebesglut und Liebeswut werden gut getaktet ins Satirische gekrümmt und gleichzeitig dramatisch aufgeladen.

    Dazu brauchen die sechs Schauspieler nicht mehr als eine schlichte Commedia dell'arte-Bühne, ein paar atmosphärische Projektionen auf den Vorhang, zugespielte mittelalterliche Musik, mobile weiße Quader und einige ritterliche Accessoires (Ausstattung: Beatrix Cameron). Das Spiel macht Michael J. Mayer (Siegfried), Alexander Beisel (Hagen), Friederike Fink (Kriemhild), Roman Kimmich (Gunther), Hannah Jaitner (Brünnhild) und Christoph Rabenec (Etzel) sichtlich Spaß. Der Spaß der jungen Zuschauer dagegen bleibt verhalten. Gespannte Aufmerksamkeit ja, aber vielleicht gibt es zu wenig Siegfriede und Kriemhilden in der Generation Z. Vielleicht treiben sie sich auch lieber im Auenland und in Mordor herum als in Worms. Mag zudem sein, dass nicht wenige unter den Jüngeren den Spagat zwischen Ernsthaftigkeit und Satire in der Erzählung vom Untergang zweier Germanenreiche schwer nachvollziehen können. (empfohlen für Kinder ab zehn Jahren)        

    Nächste Vorstellungen: 19. September, 9 und 11 Uhr. Infotelefon: 03693-451 222. www.meininger-staatstheater.de

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