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    Würzburg

    Tito, begnadeter Gitarrist und netter Gangster von nebenan

    Meister des relaxten Bluesrock: Tito Larriva, mexikanischer Frontmann der US-Band Tito & Tarantula. Foto: Fabian Gebert

    Schwarzes Hemd, rotes Halstuch, Spiegelbrille und mit einer Tube Gel zurückgeschmierte Haare. Tito, der Gangster. Na ja, der nette Gangster von nebenan. Beinahe schüchtern erzählt Herr Larriva ein paar liebe Geschichtchen und spielt ansonsten Gitarre. Er spielt famos Gitarre. Er schlenkert seinen Tex-Mex-Blues mit grandioser Lässigkeit aus den Händen. Und die 300 Fans in der Würzburger Posthalle hängen begeistert an seinen Lippen, wenn er dazu auch nicht minder leger in Mikro brummelt. Tito & Tarantula sind öfter in Würzburg – und immer wieder ein Erlebnis. 

    Ein Erlebnis mit kleinen Längen, okay. Man hat nach fünf Songs eigentlich das Repertoire durch. Bluesrock schnell, Bluesrock langsam, ein paar Nuancen in der Tonlage. Eigentlich hat kein Stück den berühmten Hook. Doch alle sind sie seltsam eingängig. Wie macht der 66-Jährige das nur? Vielleicht hat er sich ja die Fähigkeit, andere derart in seinen Bann zu ziehen, bei Salma Hayek abgeschaut, die als Schlangenbeschwörerin im 96er Tarantino-Rodriguez-Filmklassiker "From Dusk Till Dawn" diesen unverschämt sexy Tanz zum Tito-Song "After Dark" hingelegt hat. Vielleicht.

    Tito hat eine beachtliche Viererbande um sich geschart

    Mit seinem größten Hit wartet der Meister aber bis zum Ende, klar. Erstmal muss Neues vom aktuellen Werk "8 Arms To Hold You" unters Volk, auch Rares. Nur diesmal keine seiner Varianten lateinamerikanischen Liedgutes. Macht auch nichts, braucht's nicht. Weil Tito eine beachtliche Viererbande um sich geschart hat. Unter anderem sein Töchterlein Lolita Carroll Lariva, eine hübsche Blonde, die den Papa um einen Kopf überragt und zum Polka-Dots-Petticoat obenrum noch mehr Knallrot trägt – die beiden sehen aus wie Gangster und Braut. Und Bass spielen kann sie auch. 

    Jetzt ist Tito, der einzig waschechte Mexikaner  im Quintett, zwar ein Meister an den sechs Saiten, ein selbstverliebter Egozentriker aber keineswegs. Marcus Praed mischt seit sieben Jahren bei den 1992 gegründeten US-Rockern mit und darf sich in der Rolle des heimlichen Stars wohlfühlen. Natürlich zieht sein Chef samt Tochter die Augen auf sich, aber der zweite Mann an der Gitarre ist ebenfalls ein Meister seines Fachs und sorgt für manch schrilleres Solo im grummelig-wabernden Tito-Sound.

    Tito bittet wie immer die Damen zum Tanzen auf die Bühne

    Der nach eindreiviertel Stunden erstmal vorbei ist. Ja, ja, ein Gassenhauer wie "After Dark" verdient die Inszenierung mittels etwas längerer Pause. Und plötzlich wird die Posthalle zur Titty Twister Bar (siehe erneut "From Dusk Till Dawn"). Tito bittet wie immer die Damen zum Tanzen auf die Bühne. Ausgerechnet die eher unbewegliche Blondine in der pinken Corsage bezirzt ihn am intensivsten. Und, verdammt, was macht denn da dieser bärtige Zwei-Meter-Hüne? Offenbar hat er gedacht, lange Haare reichen, um als Frau durchzugehen. Eine skurrilere Schlussszene hätte sich auch Quentin Tarantino nicht ausdenken können.

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