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    SOMMERHAUSEN

    Torturmtheater: Der Traum vom Glück

    Ob man so das Glück findet? A (Annette Kreft, oben) und B (Bettina Hamel) im Sommerhäuser Torturmtheater. Foto: Thomas Obermeier

    Wie entkomme ich einer Depression? Was ist das überhaupt, eine Depression? Wer leidet, wer versteckt sich? Zwei Frauen, von Autor Christian Lollike A und B genannt, winden sich auf der Suche nach einem Leben „where all our dreams come true“ durch Gedanken voller Ängste und Sehnsüchte. „Träume werden Wirklichkeit“ hatte im Torturmtheater eine mit Applaus honorierte Premiere. „Disney lässt grüßen“, wirbt das Sommerhäuser Theater für das Stück des vielfach preisgekrönten Autors.

    Grüner Tee und Sauerteig

    Vor einer Wand aus Glitzerstreifen debattieren, philosophieren sich A und B 80 Minuten lang durch ihr vermeintlich langweiliges Leben – ist das überhaupt Leben? –, dem ihrer Meinung nach eine eigene Geschichte fehlt.

    Der Austausch der beiden ist ein wuchtiger Dialog ohne großartige Dramaturgie – sieht man von kurzen Wechseln zwischen Realität und Wunschträumen ab –, den Regisseur Ercan Karacayli laufen lässt und den die beiden Schauspielerinnen textsicher servieren. Alles dreht sich um die Sehnsucht nach Glück, ohne sich den alltäglichen Schlagwörtern unterwerfen zu müssen.

    In der Haut von Aladin

    „Ich habe es satt, mich selbstverwirklichen zu sollen“, begehrt A auf und beschwert sich über ihren laschen Mann, der grünen Tee trinkt und Sauerteig ansetzt. Therapien und Coachen hängen ihr zum Hals raus. „Mir fehlt ein Schicksal, ein Abenteuer“ schreit Annette Kreft als A lauthals in die Welt.

    Eine „Phantomdepression“ diagnostiziert ihr Bettina Hamel in der Rolle von B., reflektiert über ihr eigenes nicht nennenswertes Leben, aus dem nicht einmal auszusteigen lohnt. Wäre es eine Lösung, sich in eine andere Welt hinein zu träumen? In die Haut von Aladin oder Dagobert Duck zu schlüpfen, in die von Dornröschen und Schneewittchen? Einig sind sich jedenfalls beide darüber, dass etwas geschehen muss.

    Doch die Flucht in die Fiktion wird regelmäßig jäh unterbrochen von der Realität. Ausflüchte in weichgespülte Momente sind erfolglos ob der nicht auszuschaltenden Präsenz trüber Gedanken. Ist die Welt tatsächlich so bankrott, dass sie bald zusammenbricht? Kann Dagobert Duck nicht anders als in Kosten-Nutzen-Analysen zu denken? Ist Schneewittchen wirklich bis an ihr Lebensende glücklich mit ihrem Prinzen?

    Der Autor bleibt in seinem eigenwilligen Stück die Antwort schuldig. Frühere Generationen hätten das mit einem lapidaren „Jeder ist seines Glückes Schmied“ kommentiert.

    Auf dem Spielplan bis 17. Dezember. Vorverkauf Tel. (0 93 33) 268

    www.torturmtheater.de

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