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    Sommerhausen

    Torturmtheater: Kann man Erleben simulieren? Im Prinzip ja...

    Axel Brauch und Silvia Ferstl in "Alles was sie wollen" im Torturmtheater Sommerhausen. Foto: THOMAS OBERMEIER

    Die herrlich leichte, keineswegs seichte Geschichte "Alles was Sie wollen" aus der Feder der französischen Drehbuchautoren Matthieu Delaporte und Alexandre de la Patellière erzählt im Torturmtheater Sommerhausen von der zunächst zufälligen, dann immer wieder geplanten Begegnung zwischen Lucie und Thomas, ihrem neuen Nachbarn. Lucie, leicht esoterisch angehaucht, glücklich verheiratet, als Theaterautorin gefragt, geht es gut. Zu gut. Bis eine Schreibblockade ihren Ruhm gefährdet. Glücklicherweise ist da jetzt Thomas.

    Thomas ist ein gutmütiger Kerl, stark dank einer gemächlichen Kindheit mit Fußball und Strandurlaub in Biarritz. Der unter der Dusche lehr laut, sehr falsch singt und scheinbar alles nicht so schwer nimmt. Lucie dagegen ist zunächst kalt und spröde, auf sich bezogen, schnell beleidigt. Aber immerhin neugierig. Geduldig bohrt sich Thomas in ihre Lebensgeschichte hinein und erfährt so von ihrer Bredouille. Er fasst den kühnen Plan, ihr aus der Schreibblockade herauszuhelfen. Und sie lässt sich darauf ein.

    Ein absures Fantasiegebilde am Rande des Abgrunds

    Lucie kann nur thematisieren, was sie selbst erlebt hat. So entwickeln die beiden zusammen ein absurdes Fantasiegebilde, das sich zwar nahe am Abgrund bewegt, aber immer wieder durch Witz und schrullige Ideen aufgefangen wird. Bis es eine eigene Dynamik erreicht: Wo hört die Wirklichkeit auf, wo überholt sie die Fiktion? Gerät eine Lüge außer Kontrolle oder ist sie vielleicht doch legitim? Und das Happy End? Findet das nun statt oder ist es auch nur schöner Schein?

    Es sind nicht nur die sprühenden Dialoge, die das Geschehen auf der sparsam ausgestatteten kleinen Bühne vorantreiben. Unter der Regie von Oliver Zimmer agieren die beiden Schauspieler mit Tempo und Spielfreude. Die in Nürnberg geborenen Silvia Ferstl geht so in ihrer Rolle auf, dass man ihr die vom Erfolg verwöhnte, arrogante, leidende Autorin voll abnimmt.

    "Du willst nicht leben, du brauchst alles nur als Spiel", wirft Thomas ihr vor, als die beiden sich unweigerlich näherkommen. Axel Brauch, der auch in die Rolle von Lucies Ehemann schlüpfen muss, gibt den liebenswürdigen Nachbarn so männlich, verständnisvoll und gelegentlich sentimental, dass man sich eigentlich nur in ihn verlieben kann. Und wenn beide sich in ein Gewirr von Ja und Nein verstricken, bleibt kein Auge trocken.

    Auf dem Spielplan bis 22. Dezember. Kasse und Telefon sind von Dienstag bis Samstag ab 16 Uhr besetzt. Tel. (09333) 268. Gespielt wird Dienstag bis Freitag, 20 Uhr, am Samstag 16.30 und 19 Uhr. Mail: kartenbestellung@torturmtheater.de

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