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    Würzburg

    Unmittelbar und intensiv: Ein neues Festival für das Kunstlied

    Der Pianist und Liedbegleiter Alexander Fleischer will dem Kunstlied ein neues Stammpublikum erschließen. Und hat gleich einen der größten Hits des Repertoires im Programm.
    'Wir hoffen, dass das Publikum sich auf diese  sehr pure Form einlässt.' Der Pianist und Liedbegleiter Alexander Fleischer.
    "Wir hoffen, dass das Publikum sich auf diese sehr pure Form einlässt." Der Pianist und Liedbegleiter Alexander Fleischer. Foto: Thomas Obermeier

    Alexander Fleischer gehört zu den Musikern, mit denen man sehr gut über Musik reden kann. Das gilt nicht für alle Musiker. Fleischer aber, Jahrgang 1981, Pianist, Liedbegleiter und Dozent für Liedgestaltung an der Hochschule für Musik Würzburg, ist die Begeisterung für sein Fach nicht nur anzumerken, er kann auch beredt und plastisch in Worte fassen, was ihn am Kunstlied so fasziniert. Das Intime, Filigrane ebenso wie die großen dramatischen Momente, die enge Verwobenheit von Stimme und Klavier, die organische Verbindung von Wort und Ton.

    Alexander Fleischer, der auch in Mannheim unterrichtet und in Berlin Assistent von Thomas Quasthoff ist, hat nun einige Kolleginnen und Kollegen versammelt, die seine Leidenschaft für das Kunstlied teilen, und mit Unterstützung des Tonkünstlerverbands und der Stadt Würzburg ein neues Klassik-Festival ins Leben gerufen, das "Festival Lied Würzburg", das vom 12. bis 15. März an verschiedenen Orten in der Stadt Premiere hat.

    Die erste Ausgabe soll Einstieg und Überblick sein

    In Zeiten thematisch und konzeptuell möglichst stringenter, möglichst origineller, gerne auch experimenteller Programmgestaltung versteht sich diese erste Ausgabe eher als Einstieg und Überblick. Als Beginn des langfristig angelegten Versuchs, dem Kunstlied in Würzburg über die Jahre ein Stammpublikum zu gewinnen. 2018 war der südafrikanischen Pianistin Esthea Kruger mit der Premiere des Würzburger Festivals Neues Lied ein Coup gelungen, 2019 folgte die zweite Ausgabe. Das Publikum kam zahlreich, die Kritik war begeistert, keine schlechten Voraussetzungen also möglicherweise für ein weiteres Festival.

    Sechs Konzerte sind geplant, den Auftakt machen am 12. März Studierende der Hochschule mit dem Programm "Kunst trifft Musik" (19.30 Uhr) im Museum im Kulturspeicher. Die Werke von Debussy, Eisler und anderen sollen die Werke der Dauerausstellung der Sammlung Konkrete Kunst reflektieren und kommentieren.

    Der möglicherweise größte Hit des Kunstlied-Literatur

    Am Freitag dann der möglicherweise größte Hit des Kunstlied-Literatur, Franz Schuberts "Winterreise" im Toscanasaal der Residenz mit dem vielseitigen Bariton Tobias Berndt und Alexander Fleischer (ebenfalls 19.30 Uhr). Tobias Berndt ist als Konzert-, Lied- und Opernsänger unterwegs, er singt Händel ebenso wie Wagner, Bach ebenso wie Schubert oder Hugo Wolf.

    Am Wochenende gibt es jeweils zwei etwa einstündige Konzerte. Am Samstag im Kammermusiksaal der Musikhochschule am Residenzplatz die Programme "Himmel und Erde" (18 Uhr) mit Werken von Schumann, Mahler und Lee Hoiby (1926-2011) mit Katja Woitsch, Sopran, und Bernhard Kuffer, Klavier, und "Legacy" (19.30 Uhr) mit vier spanischen beziehungsweise katalanischen Lied-Zyklen. Alexander Fleischer begleitet die katalanische Mezzosopranistin Anna Alàs i Jové. Die CD gleichen Namens (Seed Music) der beiden wurde als Bestes Klassisches Album Kataloniens 2019 mit dem Enderrock Kritikerpreis ausgezeichnet. Die Lied- und Oratoriensängerin Katja Woitsch ist auch Vokalpädagogin an der Dommusik Würzburg.

    Ein dreiminütiges Stück für Solostimme, Tuba und Posaune

    Der Sonntag spielt sich im Burkardushaus ab, er beginnt um 16 Uhr mit dem Duo Maria Bernius, Sopran, und Nadja Dalvit-Saminskaja, Klavier, und Werken von Nicolai Medtner, Franz Schubert und Hugo Wolf. Titel: "Geheime Wünsche". Um 18.30 Uhr stehen unter dem Titel "Elysium" Hölderlin-Vertonungen von Beethoven und György Kurtág im Mittelpunkt, dazu erklingen Werke von Mozart und Hindemith. Kurtágs Hölderlin-Gesänge op. 35 a sind ein Stück für Stimme solo, mit einer Ausnahme: In einem Gesang kommen für drei Minuten Tube und Posaune hinzu. Es singt, begleitet wieder von Alexander Fleischer, Peter Schöne.

    Der lyrische Bariton Peter Schöne war als Solist an mehr als 20 Opernhäusern engagiert und sang dort nahezu alle Partien seines Fachs, zuletzt den Faninal im "Rosenkavalier". Daneben befasst er sich intensiv mit Liedwerken des 20. Jahrhunderts, außerdem arbeitet er an einer Gesamtaufnahme aller Schubert-Lieder.

    Das Festival-Team habe lange überlegt, Textbücher oder Moderationen anzubieten, erzählt Alexander Fleischer. Man habe sich schließlich dagegen entschieden, außer für den Abend mit spanischer Musik, zu deren Texten es Übersetzungen geben wird. "Die Musik soll für sich wirken", sagt Fleischer. "Das ist natürlich eine anspruchsvolle Herausforderung, aber wir hoffen, dass das Publikum sich auf diese  sehr pure Form einlässt. Dass das Lied sich durch seine Unmittelbarkeit von alleine erschließt."

    Weitere Informationen und Karten auf der Homepage des Festivals unter www.festival-lied-wuerzburg.de und an der Abendkasse. Preise: 15 Euro pro Tag (am 12. März 14 Euro), 25 Euro für zwei Tage nach Wahl, 30 Euro für alle Konzerte

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