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    WÜRZBURG

    „Venezia in organis“: Eine Reise in die Vergangenheit

    Es ist kaum zu glauben, welch kraftvolle Töne einem so kleinen Instrument wie einer gotischen Orgel entlockt werden können. Im Rahmen der Tage der Alten Musik fand in der Augustinerkirche das Konzert „Venezia in organis“ statt. David Catalunya, Dirigent, Cembalist und Wissenschaftler mit Fokus auf Mittelaltermusik, überzeugte mit Fingerakrobatik auf den Tasten des reich verzierten Instruments.

    Gemeinsam mit dem von ihm gegründeten „Ensemble Canto Coronato“, einem Vokal- und Instrumentalensemble, das sich der Aufführung polyphoner Musik vom 13. bis 15. Jahrhundert widmet, musiziert der groß gewachsene Mann mit dem Kinnbärtchen Stücke aus dem „Codex Faenza 117“.

    Historische Sammlung

    Dabei handelt es sich um eine Sammlung, die italienisches Repertoire spätmittelalterlicher Musik zusammenfasst. In sechzig Minuten erblüht eine Musik aus mittelalterlicher Liturgie und weltlichem Zwischenspiel, füllen Melodienfolgen aus längst vergangenen Zeiten den sakralen Raum.

    Dazu tragen die 18 großen und kleinen Glocken des Carillon bei, deren Klang Holger Slowik mechanisch anschlägt. Mal leise, dann wieder lauter mischt er ihn zwischen virtuos präsentierte Orgelläufe und fließende Melodien. Helle und dunkle Glockenschläge verbinden sich mit der Orgel, überstrahlen sie bisweilen oder hallen beeindruckend nach.

    Rekonstruierte Instrumente

    Es sind rekonstruierte historische Instrumente, mit denen die Musiker des „Ensemble Santo Coronato“ arbeiten. Dazu gehört auch ein Clavisimbalum, ein Tasteninstrument, für den es kein originales Instrument als Vorbild gibt. Wenn Catalunya die Seiten anschlägt, erinnert es mit seinen hauchzarten Lauten an ein Spinett – ein Sound aus Spinnenfäden und Altweibersommer.

    Den Gesang steuern Sopran- und hohe Mezzostimmen bei. Immer wieder wechseln die Sängerinnen Barbara Zanichelli, Patricia Kammer und Judith Raspe ihre Standpunkte innerhalb des Kirchenschiffs, singen eine Messe gemeinsam oder solistisch in der Liturgiepraxis jener Tage, in der sich Solo- und Gemeinschaftsgesang mit der Orgel abwechseln. Mit großem Beifall honoriert das Publikum die musikalische Reise in die Vergangenheit.

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