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    Würzburg

    Vier Frauen – vom Papst mal geschätzt, mal auf Distanz gehalten

    Vier Frauen sind im Petersdom begraben. Vier Regentinnen, vier Schicksale. Die Autorin Martha Schad hat ihre höchst unterschiedlichen Lebensgeschichten recherchiert.
    Die Autorin Martha Schad, hier mit Hans Maier, bei einer Buchpräsentation Foto: Dieter Schnöpf

    Die in Augsburg lebende Autorin Martha Schad hat ihrem Spezialgebiet – das Schicksal historischer Frauengestalten – ein spannendes Werk hinzugefügt. Vier Regentinnen haben ihr Grab in St. Peter in Rom, im Zentrum der katholischen Christenheit: Charlotte von Zypern (1444-1487) kämpfte Jahre, um ihr Königreich zurückzuerhalten und erhielt in Rom Asyl.  Christine, Königin von Schweden (1626-1689) gab ihr Königreich und ihren protestantischen Glauben auf, wurde katholisch und zog gen Süden. Maria Clementina Stuart (1702-1735), Titularkönigin von Großbritannien, Frankreich und Irland, hat ihr Reich nie gesehen und musste in einem römischen Palazzo Hof halten.

    Einzig Mathilde von Canossa und Tuszien (1046-1115) regierte bis zu ihrem Lebensende ihre Besitztümer mehr oder weniger alleine. Die Markgräfin zählte zu den mächtigsten Frauen ihrer Zeit, galt als gefürchtete Kriegerin. Zudem ist ihr Name mit einem der berühmtesten Ereignisse des Mittelalters verbunden: der Gang nach Canossa. Er ist zur Redewendung geworden und bezieht er sich auf den Bitt- und Bußgang von König Heinrich IV. im eiskalten Januar 1077, um Gregor VII. zur Aufhebung des Kirchenbanns zu bewegen. Der Papst war auf der als uneinnehmbar geltenden Burg Canossa im Norden Italiens Mathildes Gast. Heute ist der Schauplatz der Geschichte eine Ruine.

    Der Buchtitel „Die Päpste liebten sie“ klingt zweideutig. Die Frauen waren jedoch weder Geliebte noch Töchter. Sie wurden wegen ihrer Loyalität geschätzt, aufgrund ihrer Notlage unterstützt – manchmal auch für einige Zeit entnervt auf Distanz gehalten wie im Fall der schillernden Christine, die sogar einen Mord in Auftrag gab.

    Lange sei nicht klar gewesen, wie viele Frauen tatsächlich im Petersdom bestattet sind, erzählt die kürzlich 80 Jahre alt gewordene  promovierte Historikerin Martha Schad am Telefon; mal sei von drei, dann von sechs die Rede gewesen. Nun haben die Nachforschungen der gebürtigen Münchnerin nicht nur die umherschwirrende Zahl korrigiert. Schad, die unter anderen über „Gottes mächtige Dienerin“ Schwester Pascalina und Stalins Tochter recherchiert hat, lädt mit ihrem interessanten Sachbuch ein, rund 800 Jahre Geschichte anhand von Kurzbiografien zu kennenzulernen.

    Foto: Verlag LangenMüller

    Martha Schad: Die Päpste liebten sie. Die königlichen Frauen in St. Peter in Rom, LangenMüller, 203 Seiten, 22 Euro.

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