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    Würzburg

    Vision String Quartet: die jungen Wilden einer alten Gattung

    Das Ensemble aus Berlin macht mit unkonventionellem Auftreten und unkonventionellen Programmen Furore. In Würzburg spielen die vier aus Berlin bei den Meisterkonzerten.
    Kammermusikensemble und Band: das Vision String Quartet Foto: Tim Klöcker

    Man lasse sich nicht täuschen: Das Programm des Vision String Quartets für das letzte der Meisterkonzerte der Würzburger Musikalischen Akademie in dieser Saison am 17. Mai mag mit Haydn, Bartók und Schumann einigermaßen konventionell erscheinen, das Ensemble ist es nicht. Das geht schon mit einer vermeintlichen Äußerlichkeit los: Drei der vier Musiker aus Berlin spielen im Stehen (nur der Cellist aus naheliegenden Gründen nicht), alle vier spielen sie auswendig.

    Das ist höchst ungewöhnlich in der altehrwürdigsten Gattung der Kammermusik, vor allem aber ausgesprochen förderlich für unmittelbare Kommunikation und ein Musizieren, das immer wirkt, als entstünden die gespielten Werke im Augenblick. Die Auftritte des Vision String Quartet strahlen immer etwa Unmittelbares aus, das nicht selten an Improvisation erinnert – ob bei Haydn, Beethoven oder Benny Goodman.

    In der Tat verstehen sich Jakob Encke, Daniel Stoll (Violinen), Leonard Disselhorst (Cello) und Sander Stuart (Viola) sowohl als Streichquartett wie als Band. Sie spielen das klassische Repertoire ebenso wie Eigenkompositionen und Arrangements aus den Bereichen Jazz, Pop und Rock. Das hat ihnen inzwischen etliche Preise eingebracht, vor allem aber den Ruf, eines der spannendsten Nachwuchsensembles der gesamten Branche weltweit zu sein – wenn man so will, die jungen Wilden einer alten Gattung.

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    In Würzburg wird das Quartett Joseph Haydns Streichquartett G-Dur op. 77/1 HobIII:81 spielen, das drittletzte Werk des Komponisten in dieser Gattung, ein Stück, das sich nur äußerlich den Anschein höfischer Etikette gibt. Denn wie so oft bei Haydn stecken die Widerbostigkeiten im Detail, etwa in den Forte-Schlägen, die gleich zu Beginn den liebenswürdigen Duktus stören.

    Danach Béla Bartóks drittes Streichquartett, eines der Paradestücke des Vision String Quartets, höchst anspruchsvoll, komplex und intensiv. Es erinnert immer wieder an die Klangwelt des zweiten Violinkonzerts, die sich allmählich aus ineinander geschobenen Klangelementen materialisiert, um dann in heftige Ausbrüche zu münden. 

    Robert Schumanns drittes Streichquartett in A-Dur beschließt den Abend. Mit seinem beinahe zärtlichen Anfang und seiner fast durchgehend freundlichen Stimmung dürfte es nach dem Bartók wie ein versöhnlicher Abschluss wirken. Dass dieser dennoch nicht belanglos oder gar spannungsarm ausfallen wird, dessen kann man sich beim Vision String Quartet indes sicher sein.

    Würzburger Meisterkonzerte: Vision String Quartet, Freitag, 17. Mai, 19.30 Uhr, Hochschule für Musik, Großer Saal, Gebäude Hofstallstraße. Karten: Tel. (0931) 6001 6000 oder www.meisterkonzerte-wü.de

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