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    Würzburg

    Walter Ophey, das Großtalent vom Rhein

    Walter Ophey: Spaziergänger im Park Foto: Kunstpalast, Horst Kolberg

    Der Ausstellungstitel fordert: "Farbe bekennen!" Man kann das erweitern zu "Formen verbiegen, Inhalte neugierig verfolgen." 95 Bilder des weitgehend unentdeckten Expressionisten Walter Ophey hängen seit Donnerstag im Würzburger Museum im Kulturspeicher.

    Der Künstler starb kurz vor Beginn der Nazi-Herrschaft. 1930 wurde noch einmal schnell sein Lebenswerk gewürdigt. Der Mann war schließlich gut vernetzt. Aber dann hatte er kaum noch Chancen auf Nachruhm. Dabei sind einige seiner Gemälde und fast alle Zeichnungen sehr geeignet als Reproduktionen für Museumsshops. Besser ist aber, man nimmt sich Zeit, um die zwei Ausstellungssäle live zu beschreiten, abwechselnd eine richtige Distanz zu den Exponaten zu suchen und dann wieder ganz nah ranzugehen.

    Lücken zwischen den Pinselstrichen 

    Am Besten beginnt man die Annäherung im ersten Saal links hinten bei den Porträts von 1913 mit ihrem fleckigen Farbauftrag und den Lücken zwischen den Pinselstrichen, die nicht geschwungen wurden, um den Konsumenten zu amüsieren. Sicher ist, dass Ophey hier etwas ausprobierte, und selbst wenn unklar bleibt, was genau, und ob er das Ergebnis als gelungen betrachtete: Wenn der Gast erst einmal diese Perspektive gewonnen hat, dann wird er dem Künstler interessiert folgen. Denn der konnte was.

    Walter Ophey: Karussell, um 1926 Foto: Kunstpalast, Düsseldorf – ARTOTHEK

    Dass Ophey in seinen sieben Jahren (ab 1900) an der Düsseldorfer Kunstakademie sein Handwerk gründlich lernte, zeigen die ältesten Arbeiten direkt rechts neben dem Eingang. Was aus dem vorigen Jahrhundert in seinen Horizont hineinschwappte, war die Modewelle der japanischen Kunst. Deren Stilisierungen prägten ihn sein Leben lang.

    Ansonsten schießen die Großanregungen der Kunstgeschichte jener extrem spannenden ersten drei Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts kreuz und quer durch die Säle. Ein bisschen Erfahrung im Bildergucken reicht schon für das Vergnügen, Einflüsse auf Walter Ophey zu entdecken und gespannt zu fragen: Wodurch hat der sich eigentlich seine persönlichen Eigenheiten bewahrt? Vorherrschende Flächigkeit, Mut zur Farbe und zum Herzeigen der Technik, serienhaftes Bearbeiten eines Themas – all das bringt etwas Konstanz ins Oeuvre. Am wichtigsten aber: Ophey fängt - in einem gewissen Rahmen - jedes Bild von Grund auf neu an.

    Keine Souvenirs für Spaziergänger 

    Soweit das Öl. Die Pastellzeichnungen haben einen deutlicheren Personalstil. Doch der ist diesem Künstler sichtlich nur ein Werkzeug, mit dem er immer wieder neue Experimente beginnt. Ophey zeichnete seine vielen Parklandschaften sicher nicht, um sie Spaziergängern als Souvenirs aufzudrängen. Er versucht riesige Kontraste zu bannen. Oft gelingt ihm das durch räumliches Zusammenrücken. Die zwei Würzburg-Bilder der Ausstellung entschweben dadurch ins Irreale.

    Die Ausstellung ist noch bis 19. Januar im Würzburger Museum im Kulturspeicher zu sehen.

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