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    Würzburg

    Warum Max Gehlofens Ausstellung zum Hinschauen verführt

    Eine Vernissage, für die man zwar keinen Helm, dafür aber Knieschoner braucht und der Grund, warum sich die neue Ausstellung in der BBK-Galerie im Würzburger Kulturspeicher doch lohnt.
    Der Würzburger Raumkünstler Max Gehlofen präsentiert sich in seiner Ausstellung im Kulturspeicher auch als Zeichner. Foto: Joachim Fildhaut

    "Das Ende der Wahrheit" lautet der Titel der Ausstellung des jungen und aufstrebenden Würzburger Künstlers Max Gehlofen in der Galerie des Berufsverbandes der Bildenden Künstlerinnen und Künstler (BBK) Unterfranken im Würzburger Kulturspeicher. Auf die Vernissage am Freitag, 10. Januar, 19 Uhr, darf man gespannt sein. "Man hat eine Umwelt geschaffen, die viel zu schnell für das menschliche Bewusstsein ist", sagt der Künstler beim Begehen seiner eigenen Zeichnungs-Installation. Im permanenten Wischen gehe der Kopf unter.

    Zuviel ist genau richtig

    Den Betrachter von Max Gehlofens künstlerischer Reaktion auf diese Zeitdiagnose umgeben 640 Bilder: schwungvoll hingetuschte Flecken, zu denen der Zeichner Figuren assoziierte und diese – meist Köpfe – mit feiner Feder in die abstrakte Ausgangsform hinein schraffierte. Wie der Informationsüberfluss des Netzes will er dem Zuschauer zu viel geben. Mit dem Unterschied, dass seine Zeichentechnik den Besucher allmählich dazu verführt, genauer hinzuschauen, das Einzelne wahrzunehmen, zu vergleichen, weiter und dann wieder zurück zu gehen. Vielleicht lässt sich so doch ein neuer Anfang der Wahrheit gewinnen.

    Zumindest Zeit und Raum macht man sich in dieser Installation bewusster als gewöhnlich. Gehlofen zeichnete auf 80 Papierfahnen altmodischen Computer-Nadeldrucker-Papieres. Die grün-weißen Streifen, aufgehängt wie an einer Wäscheleine, bilden zusammen ein begehbares Kabinett. Außen greifen fünf Plexiglas-Büsten das Motiv des menschlichen Bildnisses wieder auf. Auch bei ihrem Zustandekommen spielte der Zufall eine gewisse Rolle. Und: Schon ihre Transparenz lässt den umgebenden Raum bei der sinnlichen Erfahrung dieser Werke mitspielen.

    In der Ausstellung von Max Gehlofen begegnet klassische Symbolik abstraktem Expressionismus. Foto: Joachim Fildhaut

    Der Künstler arrangierte in dieser kleinen Werkgruppe aber noch mehr dreidimensionale Bezugspunkte. Denn getragen werden die durchsichtigen Köpfe von grob zusammengeschraubten Dachlatten. Die jedoch sind für aufmerksame Beobachter durchaus fein arrangiert, nämlich "so, wie die Körper unter diesen Köpfen anatomisch im Raum stehen würden", erklärt der Produzent. Am sinnfälligsten wird das bei den beiden Küssenden. Sie liegen schon fast flach.

    Einer der jüngsten im Berufsverband

    Der Würzburger Künstler, der 2014 an der Ruhrakademie in Schwerte sein Kunststudium mit Auszeichnung abgeschlossen hat, ist eines der jüngsten Mitglieder im Berufsverband Bildender Künstlerinnen und Künstler (BBK). Der Verband schlug seinen personellen Zugewinn heuer beim Kultusministerium für die Katalog-Förderung vor. Denn München hilft jährlich einigen jungen bayerischen Künstlern bei der Finanzierung eines Rückblicks auf ihr bisheriges Werk.

    "Für die Vernissage braucht man keinen Helm. Eher Knieschoner."
    Max Gehlofen, Künstler aus Würzburg

    Vorgestellt wird dieser Katalog bei der Vernissage an diesem Freitag. Für die Feier kündigt Max Gehlofen auch "ein performatives Element" an. Durchaus ironisch lehnt an einem Computerdrucker inmitten der Papierfahnen ein gewaltiger Holzhammer. Zur Vorbereitung auf das Kunstereignis am Freitag gibt er aber Entwarnung: "Für die Vernissage braucht man keinen Helm. Eher Knieschoner."

    Die Ausstellung von Max Gehlofen mit dem Titel "Das Ende der Wahrheit" ist bis 2. Februar immer freitags und samstags von 15 bis 18 Uhr und sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet.

    Der Raumkünstler Max Gehlofen betätigt sich in seiner neuen Ausstellung auch als Zeichner. Foto: Joachim Fildhaut

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