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    Würzburg

    Was Kaya Yanar immer noch zum Ausrasten bringt

    Kam mit einem milden Blick auf seine Mitmenschen nach Würzburg: der Spaßmacher Kaya Yanar. Foto: Ulises Ruiz

    „Ausrasten für Anfänger“ nennt der in Frankfurt geborene Comedian Kaya Yanar sein aktuelles Solo. Es sind die kleinen Widrigkeiten des Alltags, die den dreifachen Träger des deutschen Comedy-Preises umtreiben.

    Sein „Ausrasten“ ist völlig aggressionsfrei und entfaltet sich im abgeklärten Blick eines Mannes, der sich rasant seinem 50. Geburtstag nähert, inzwischen in Zürich lebt, seit 2018 verheiratet ist und sich Gedanken um die Familiengründung macht. Da sind gesunde Ernährung, körperliche Veränderungen („In mir ist ein dicker Mann, der nach außen will“) und die Gefahren beim Urlaub in Australien die neuen Herausforderungen.

    Wie Kaya Yanar die Würzburger sofort auf seine Seite brachte

    Doch unterhaltsam bleibt Yanar allemal. Dabei helfen ihm sein feines Gespür für die Stimmung im Publikum, seine Fähigkeit zur spontanen Reaktion und seine tollen Qualitäten als Entertainer.

    Von der ersten Minute an spricht er unmittelbar mit seinen alten und neuen Fans, reagiert sofort auf Zwischenrufe von Zuschauern, bezieht nach der Pause deren vorher angeforderte Statements in sozialen Medien unmittelbar ins Programm ein. So hat er die Würzburger und Unterfranken sofort auf seiner Seite, wenn er vom „endlosen Kreisen im Berliner Ring“ spricht, von den Dränglern, die die langen Warteschlangen am Einlass umgehen wollen, und dem stolzen Preis, der beim Pausen-Catering für das „Wasser ohne Sprizz“ und die Laugenbrezel – ohne Butter - verlangt wird.

    Was der Flughafen in Zürich eigentlich ist

    Aber auch seine allgemeineren Themen sprechen alle im Würzburger Congress Centrum an: die sprachlichen Missverständnisse in Einwanderer-Familien, die Hemmnisse an Supermarkt-Kassen („Einkaufswagen-Bumser“) oder die frustrierenden Erlebnisse beim Kino-Besuch mit Leuten, die einen „Popcorn-Hafersack umgehängt haben“.

    Auch seine tristen Erfahrungen als Fußgänger (Leute, die einfach stehen bleiben) sowie im Auto- (als Beifahrer bei seiner Mutter) oder Flugverkehr („Der Flughafen Zürich ist ein Einkaufszentrum mit angeschlossener Flieger-Abteilung“) liefern ihm reichlich Gründe zum Ausrasten. Und natürlich der rasante technische Fortschritt, egal ob er sich in Form moderner High-Tech-Duschen oder in der Unmöglichkeit, im Hotelzimmer das Fernsehgerät in Gang zu bringen, äußert.

    Kaya Yanar: Sein Sprechtempo ist extrem

    Fast 20 Jahre nach seinem Durchbruch mit der TV-Sendung „Was guckst Du?“ ist Kaya Yanar deutlich milder geworden – in seinem Blick auf die Welt. Er „rastet aus“ und schaut doch liebevoll und vor allem genau hin auf seine Mitmenschen in seiner neuen Wahlheimat, der Schweiz.

    Sein Sprechtempo ist immer noch extrem, seine Fähigkeit der Geräusch-Simulationen sensationell gut, ganz besonders wenn er den 3-Stunden-Badaufenthalt seiner Frau in (gefühlt) drei Minuten in Geräuschen akustisch nachzeichnet. Zudem ist  seine Pointen-Dichte außergewöhnlich. Doch sein Humor kommt deutlich entspannter rüber und sorgt gleichwohl für beste Stimmung im nahezu ausverkauften Saal.

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