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    Hofheim

    Was passiert, wenn fränkische Mexikaner durch Mexiko touren?

    Sie haben sich in die Höhle des Löwen begeben: Los Pistoleros aus Hofheim, Haßberge, touren durch Mexiko, die Heimat ihrer Musik. Foto: Stefan Bausewein

    Die Band Los Pistoleros geht in Mexiko auf Tour. Normalerweise keine besonders interessante Meldung, schon gar nicht in Europa oder gar Unterfranken. Aber: Diese Pistoleros kommen nicht etwa aus Tijuana, Monterrey oder Guadalajara, sondern aus Hofheim am Fuß der Haßberge. Die zehnköpfige Combo besteht aus Deutschen, die sich auf der Bühne als Mexikaner ausgeben und mexikanische Musik spielen. Tourauftakt der Band um die drei Brüder Johannes, Moritz und Ulrich Goschenhofer war an diesem Mittwoch, 17. April, in Mexiko City, weitere Gigs sind in Puebla, Querétaro oder Aguascalientes geplant.

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    Fünf Konzerte wollen die Pistoleros binnen zehn Tagen absolvieren. Den Trip organisieren und finanzieren sie ohne Unterstützung einer Plattenfirma oder internationalen Booking-Agentur. Los Pistoleros ist ein Gesamtkonzept: Texte, Kostüme, Optik passen zusammen. Sie nennen sich Juan "El Lobo" de La Boca, Tomás "El Machete" Pérez oder Joaquín "El Profe" Wendel und tragen auf der Bühne meistens hellblaue Anzüge, Cowboyhüte, Sonnenbrillen, schwarze Hemden und weiße Cowboystiefel.

    Größtenteils singen Los Pistoleros auf Spanisch, aber auch auf Deutsch mit spanischem Akzent. Sogar auf ihrer Facebook-Seite informieren sie die Fans konsequent auf Spanisch.  Und eine Legende hat sich die Band auch zugelegt: drei Brüder, die sich ihren Lebensunterhalt mit Pferdehandel, Autoschmuggel, einer Tequila-Destillerie und als Musiker verdienen. Die Musik der Pistoleros nennt man Banda und Cumbia. Banda ist in Mexiko sehr populäre, volkstümliche Musik im Polka-Takt mit jeder Menge Blechblasinstrumente. Cumbia stammt aus Kolumbien und ist von Akkordeon und  Trommeln geprägte Tanzmusik.

    Die Band macht alles in Eigenregie

    „Einige von uns haben längere Zeit in Lateinamerika gelebt. In Mexiko, Chile oder Bolivien“, verrät Trompeter Moritz Goschenhofer, der sich auf der Bühne Mauricio "Don Mauro" Boca nennt. „Viele von uns haben Spanisch gelernt. Aber vor allem hat uns die Musik aus Lateinamerika und Mexiko so bewegt, dass wir das selbst unbedingt machen wollten.“

    Der harte Kern der Band besteht aus den drei Brüdern Johannes, Moritz und Ullrich Goschenhofer aus Hofheim sowie dem Akkordeonisten Max Bayer aus dem benachbarten Humprechtshausen. Zu viert haben sie eine GbR gegründet, eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts, die die Band finanziell trägt. Ihre Konzerttermine organisieren sie selbst und die beiden Pistoleros-Alben „Medio Super Chido“ und „Vacilón“ haben sie auch in Eigenregie veröffentlicht.

    Die großen Instrumente leihen sie sich vor Ort

    „Mexiko ist quasi das Epizentrum für unsere Art von Musik“, sagt Akkordeonist Max. „Deshalb ist es naheliegend, dort auf Tour zu gehen.“ Was auch hilft, ist dass Sänger Johannes mit einer Mexikanerin verheiratet ist und für drei Jahre in Mexiko City lebt und arbeitet. Er hat gemeinsam mit einem mexikanischen Booker die Konzertorte ausgesucht, einen Kleinbus organisiert und die Reiseroute ausgearbeitet.

    Los Pistoleros sind mit zehn Musikern, zwei Technikern und einigen Begleitpersonen unterwegs. Eine davon ist der befreundete Filmemacher Bernhard Jakob, der einen Dokumentarfilm über die zehntägige Tour drehen wird. „Den Flug hat jeder selbst bezahlt“, sagt Max, der Grundschullehrer in Oberbayern ist und sich auf der Bühne Mayor Guru nennt. „Die großen Instrumente leihen wir uns vor Ort, nur die kleineren wie Akkordeon oder Trompete nehmen wir mit. Die Bandkasse ist jetzt erstmal leer, aber vielleicht können wir ja vor Ort ein paar T-Shirts oder Tonträger verkaufen.“

    Ein Arzt, mehrere Lehrer, ein Physiker, ein Student und ein hauptberuflicher Musiker

    Die Band ist für die Pistoleros reines Hobby. Beruflich ist so ziemlich alles vertreten: ein Arzt, mehrere Lehrer, ein Physiker, ein Student und ein hauptberuflicher Musiker: Tomás Pérez, der Älteste. Der Perkussionist ist 62 Jahre, gebürtiger Puerto Ricaner, lebt aber schon viele Jahre in Hausen bei Würzburg und arbeitet auch als Dozent an der Hochschule für Musik.  Alle anderen stammen aus dem Großraum Franken.

    „Mit den Pistoleros verdienen wir kein Geld“, sagt Moritz. „Wir sind eine große Band und betreiben großen Aufwand. Was uns zusammenhält, ist die Freundschaft. Dass wir gemeinsam Musik machen können, ist ein Geschenk.“ Aus dem Spaßprojekt ist dennoch eine veritable Band geworden. Die Pistoleros haben beim Chiemsee Summer Festival oder dem Karneval der Kulturen in Berlin gespielt.

    Für die Mexiko-Tour haben alle Urlaub genommen oder sich die Schulferien freigehalten

    Spannend wird sein, wie die Mexikaner die skurrilen Auftritte aufnehmen werden. In Deutschland geben die Pistoleros vor, gerade frisch gelandet zu sein und sich riesig zu freuen, in Europa auftreten zu dürfen. Diese Masche wird in Mexiko nicht funktionieren, vermutet Trompeter Moritz. „Das Gute an unserem Konzept ist, dass wir in beiden Kulturen Exoten sind“, sagt er. „In Deutschland, weil wir mexikanische Musik spielen und in Lateinamerika, weil wir deren Musik spielen, aber ganz anders aussehen.“

    Normalerweise spielen die Pistoleros zwischen zehn und 20 Gigs im Jahr. Mehr ist terminlich und organisatorisch kaum möglich. Für die Mexiko-Tour haben alle Urlaub genommen oder sich die Schulferien freigehalten. „Dass wir auch für Mexikaner interessant sind, hat sich schon einmal viral bewiesen“, erzählt Trompeter Moritz. „Wir haben mal spontan ein kleines Video gedreht und auf Facebook hochgeladen. Das wurde binnen weniger Tage in Mexiko unzählige Male angeklickt.“ Wer die Musik der verrückten Franken live kennenlernen, aber nicht gleich nach Mexiko fliegen will, der kann die Pistoleros am 19. Juli im Live-Club Bamberg sehen.

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