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    Würzburg

    Wenn aus Strommasten Kunst wird

    Eine der Fotografien von Benjamin Brückner. Zu sehen in der Würzburger BBK-Galerie. Foto: Benjamin Brückner

    Vor zwölf Jahren wanderte der Würzburger Student Benjamin Brückner über die Felder, bestaunte Windkraftanlagen und wunderte sich, was mancher gegen diese ästhetischen Gebilde einzuwenden habe. Fotografiert hat er die Flügelmasten schon damals. Nur fehlte den Arbeiten ein ganz gezielter Blick, empfand der junge Künstler, und zugleich eine übergeordnete Perspektive.

    In beide Richtungen haben er und die Welt sich mittlerweile weiterentwickelt. Benjamin Brückner grenzte die visuellen Erscheinungsformen ein und nahm seine Objekte ausschließlich bei bestimmten Nebellagen auf. Zugleich dachte er über die gesamte Energiewirtschaft nach. Spätestens mit der Energiewende kam die Zeit für „Energiewende“. So heißt nun, ein Dutzend Jahre später, die Fotoausstellung Brückners, der 2015 den Kulturförderpreis der Stadt Würzburg erhielt. Am Freitag wird sie in der BBK-Galerie im rechten Flügel des Würzburger Kulturspeicher eröffnet. Zur Einführung spricht der Architekt Matthias Braun.

    Glaube an das Gute in der Zukunft

    22 Abzüge von Landschaften mit Hochspannungsmasten, zehn von Windrädern haben ihr Dichtezentrum in Grafenrheinfeld, beim abgeschalteten Atomkraftwerk. Der Fotograf folgte für seine Fotosessions der Stromtrasse, fühlt sich, wenn er von seinem weiterlaufenden Projekt spricht, möglicherweise von elektrischer Energie getragen. Erfrischend zu sehen, wie da jemand an das Gute in der Zukunft glaubt.

    Der abwesende Sonnenschein auf seinen großformatigen Bildern widerspricht dem nicht. Die tief hängenden Wolkenbäuche schälen aus den technischen Anlagen allmählich Abschnitte heraus, legen sie frei. Hier entwickelt sich etwas: Energiewende.

    Außerdem lässt sich sogenanntes schlechtes Wetter schwerer fotografieren als Postkartenansichten. Brückner hat derart genaue Ansprüche an den schwebenden Niederschlag, dass er für seine Fotoserie im Lauf der vergangenen zwei Jahre rund 40-mal vergebens aufbrach, um ein geplantes Motiv bei idealem Trübhimmel zu fotografieren. Der hatte sich bei Ankunft des Künstlers verzogen. Inzwischen hat er einen Cloud-Scout, eine Bekannte, die täglich über das Maindreieck pendelt und ihm den frühmorgendlichen meteorologischen Lagebericht durchfunkt. Denn zwischen Würzburg, Schweinfurt und Kitzingen entstanden die bisherigen Reihen.

    Zusätzlich zu den Wandexponaten projiziert die Ausstellung Dias an die Decke: senkrechte Blicke durch das Innere von Hochspannungsmasten. Auch kein Leichtes, auf einem Sturzacker das Stativ zentimetergenau auszurichten. Lohnt sich aber!

    Öffnungszeiten: Freitag, Samstag 15-18,  Sonntag 11-18 Uhr. Bis 3. Februar. Eröffnung am 11. Januar, 19 Uhr.

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