• aktualisiert:

    WÜRZBURG

    Wenn ein Konzert einfach nur Gold ist

    Vor 50 Jahren kamen in Großbritannien zwei Countertenöre, ein Tenor, zwei Baritone und ein Bass zusammen und gaben in de... Foto: Andy Staples

    Vor 50 Jahren kamen in Großbritannien zwei Countertenöre, ein Tenor, zwei Baritone und ein Bass zusammen und gaben in der Queen Elizabeth Hall in London ihr erstes Konzert. Eine eher ungewöhnliche Besetzung. Bestanden doch sechsstimmige Männerensembles britischer Prägung in der Regel aus je zwei Countertenören, Tenören und Bässen. Beziehungsweise einem Bariton und einem Bass. Mag sich die Formation der sechs Chor-Studenten des King?s College in Cambridge damals eher zufällig ergeben haben – sie bewährte sich ungemein. Weil die King?s Singers dadurch eine viel größeren Klangfülle in den tieferen Stimmen erreichten. Und weil er dadurch eben entstand, dieser besondere, unverwechselbare King?s Singers Ton. Harmonisch und rund, elegant, kultiviert und warm. Und ja, irgendwie immer scheinbar mühelos.

    50 Jahre später kommen wieder zwei Countertenöre, ein Tenor, zwei Baritone und ein Bass zusammen – im großen Saal der Würzburger Hochschule für Musik. Die King's Singers haben gerade in London ihre Jubiläums-Welttournee gestartet, und in Würzburg beginnen ihrer Deutschlandauftritte. Der Titel der Tour, der auch der Titel des neuen Albums ist, sagt alles: „Gold“.

    Und so sitzen in Würzburg am Dienstagabend beglückte Zuhörer im fast ausverkauften Hochschulkonzertsaal – und raunen sich nach jedem Stück seufzend zu: „Sehr schön.“ Oder: „Wunderbar“. Natürlich sind die sechs Herren auf der Bühne nicht mehr die King's Singers von 1968, die sich die Freiheit nahmen, für jegliche Art von Vokalmusik offen zu sein und auch unterhalten zu dürfen. Aber wie die jungen Sechs auftreten und sich – kitsch- und vibratofrei! – vom andächtigen Madrigal der Renaissance bis zum lässigen Popsong von Angelique Kidjo durch 500 Jahre Weltmusikgeschichte singen: Ja, es ist schlicht wunderbar.

    Ob die King's Singers nun ein französisches Kunstlied darbieten, Max Regers „Morgengesang“ anstimmen, ein humoriges Medley auf die eigene Geschichte singen oder „Kokomo“ von den Beach Boys schnipsen – völlig egal. Immer ist es charmant anmoderiert und klingt dann edel und rein, leicht und lässig in Stil wie Intonation. Das einzige, was man diesen goldenen Sängern vorwerfen kann: Dass dieses kurzweilige Konzert überhaupt endet. Aber sie müssen ja noch nach Singapur, Sidney und New York . . . Aber tatsächlich, auf dem Weg von den USA nach China machen sie noch mal Zwischenstopp: am 7. Mai im Theater der Stadt Schweinfurt.

    Weitere Artikel

    Kommentare (0)

    Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!