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    WÜRZBURG

    Wenn ein Quartett zusammen träumt

    Das Schumann Quartett, Artiste étoile beim Mozartfest 2018. Foto: Kaupo Kikkas

    Von Joseph Haydns „Sonnenaufgangsquartett“ bis George Gershwins Ragtime-Lullaby brennt das Schumann Quartett zum Mozartfest ein hinreißendes musikalisches Sonnwendfeuer ab – passend zum Motto des Kaisersaal-Konzerts „Streichquartett in der Mittsommernacht“.

    Die Brüder Erik (Violine), Ken (Violine) und Mark (Violoncello) sowie Bratscherin Liisa Randalu spielen einen klaren, unverkrampften, einfach schönen Haydn. Bei diesem Ensemble passiert viel mehr als nur perfektionierte Streichquartetthomogenität: Es ist ein zusammen Fühlen, ein zusammen Träumen, ein zusammen Spaß haben.

    Solches Musizieren lädt dann bei Robert Schumanns Quartett Nr. 1 a-Moll zum Schwärmen ein. Der liedhafte Eingangssatz wird tiefsinnig erzählt, das Scherzo sprudelt munter dahin, im Adagio mit seinen Beethoven-Anklängen darf das Cello träumen, und der Schlusssatz wirkt wie ein wilder Bauerntanz ums Feuer, der am Schluss in die wunderbare Ermattung wie ein Choral verfällt.

    Kit Armstrong als Ergänzung

    Nach der ersten Pause wird es wieder gefühlvoll mit César Francks Quintett für Streichquartett und Klavier. Kit Armstrong findet sich nahtlos mit furiosen Läufen und Arpeggien in den Streicherklang eingebunden. Selten hört man dieses, von manchen auch als Schnulze bezeichnete, Werk so ohne falsche Sentimentalität durchleuchtet und durchaus manchmal orgelhaft gewaltig interpretiert. Armstrong kann seinen Flügel ebenso als kraftvolles Schlagwerk einsetzen wie glockenspielartig licht klingen lassen.

    Nach der zweiten Pause folgt der entspannte Teil. Mozarts Divertimento F-Dur, KV 138, in einzelne Sätze zerlegt und von anderen Werken unterbrochen, bildet die Klammer. Auch dieser Mozart wird traumwandlerisch sicher gespielt. Zwei Stücke von Dmitri Schostakowitsch, das erste eine Elegie, in der, mit Dämpfer gespielt, sich russische Seele auslebt, dann eine witzige Polka mit Pizzicato-Effekten (Johann Strauss lässt grüßen), die den Musikern ebenso viel Spaß machen wie den Hörern.

    Mit der Italienischen Serenade von Hugo Wolf, jenem leichtfüßigen und delikaten Ständchen, leiten die Schumanns zum keineswegs einschläfernden Lullaby von Gershwin über. Die Farbigkeit und die Schlichtheit, mit der das Quartett musiziert, sind für riesigen Beifall mit Bravo-Rufen gut.

    Trotz der späten Stunde – es ist beinahe 23 Uhr – will das Publikum noch eine Zugabe. Mozarts „Kleine Nachtmusik“, in der sich fremde Kompositionen, etwa Beethovens „Fünfte“, tummeln, bringt das Publikum vollends aus dem Häuschen.

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