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    WÜRZBURG

    Wie Kümmert mit Hiphop und Intimschmuck fernsehtauglich wird

    Man könnte locker einen ganzen Artikel allein mit den Ansagen füllen, die er im Laufe eines Konzerts so macht. Mit den kleinen Zwischenmoderationen im Andreas-Kümmert-Humor. Bevor er mit dem nächsten Song loslegt, die Gitarren wieder krachen und jaulen lässt und seine Stimme aus dunkler, bluesiger Tiefe in die Höhen schraubt, sagt Andreas Kümmert zum Beispiel: „Wir sind übrigens die Kastelruther Spatzen und hier, um für Sie heute Abend zu musizieren.“ Das nächste Stück heiße „Nothing is the same“, aber er sei sich nicht ganz sicher: „Was sagt der Gitarrist der Band?“

    Das Stück heißt dann natürlich „Nothing is the same“, es stammt von Kümmerts neuem Album „Lost and Found“. Und wenn schon nicht gleich, dann ist das Konzert des Gemündener Singer-Songwriters am restlos ausverkauften Samstag beim Hafensommer zumindest: durch und durch Kümmert. Volle Kanne, volles Rohr von Beginn an. Grandiose Stimme, nach wie vor. Und clownesk-selbstironische, also befreiend sinnfreie Ansagen.

    Kraftvoll wie eh – und natürlich nie Hiphop

    Vor einer sehr tanzbaren Nummer empfiehlt der 32-Jährige den über 1200 Zuhörern auf den Hafentreppen den Sitztanz. „Ich persönlich tanze immer im Sitzen, vor allem auf dem Klo.“ Dann gibt?s mit einer knackigen Sex-Pistols-Nummer auf die Ohren. „Das war für alle Punk-Fans, die nächsten Stücke bewegen sich eher in Richtung Marianne Rosenberg. Jetzt kommt Justin Biebers kleiner Bruder“. Bloß nicht zu entschlossen ernst oder gar ernsthaft bleiben, mit dieser energiegeladenen Stimme, die trotz Hochtemperatur im Hafenbecken auch nach einer Stunde keinen Deut weniger kraftvoll klingt. Eine Nummer der vor zwei Jahren erschienen Platte „Recovery Case“ kündigt der vollbärtige Bluesrocker als Titelsong von Brokeback Mountain an. „Es geht unter anderem um Intimschmuck. Silver and Gold.“

    Und wenn es bei einem Song noch krachender, lauter wird am Heizkraftwerk, versichert der extrovertierte Kümmert: „Wir sind gebucht, diese Nummer im ZDF-Fernsehgarten vorzutragen.“ Und fragt: „Wem ist es hier immer noch zu viel Hiphop?“ Nein, es ist nicht zu viel Hiphop. Und intensiv-innige Stücke wie „Home is in My Hands“ oder „Hey Louise“ kann man sich mit etwas weniger Dezibel und Grunge tatsächlich sogar im Fernsehgarten vorstellen. Mit jugendfreien Ansagen wie: „Es geht um Koitus, ein französisches Nudelgericht.“

    Hannah & Falco: Mehr als nur eine Erwähnung wert

    Mit seinem neuen Album will der Gemündener zeigen, dass er nicht nur ein riesiger Sänger, sondern auch ein guter Songwriter ist, der großen Pop schreiben kann. Er scheint einen guten Weg gefunden . . . Großer Applaus und Jubel auf der Hafentreppe.

    Und hätte Kümmert seine Songs nicht so schräg anmoderiert, wäre hier noch angemessen Platz für mehr als eine Erwähnung. Hannah & Falco, die mit ihrer Band „Familiar Faces“ den Abend eröffneten, bewiesen nämlich, dass ihre folkig-lässigen, fragil-zarten und oder entspannt-beschwingten Songs nicht nur Kulturcafe- und Club-tauglich sind. Sondern durch Geige, Klavier, Schlagzeug, Kontrabass tatsächlich auch was für die ganz große Bühne. Wer das Würzburger Duo noch nicht kennt: 7. Oktober, Kellerperle Würzburg.

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