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    FRANKFURT

    Wie Michael Caine durch einen Bogart-Film zu seinem Namen kam

    Michael Caine Foto: dpa

    (epd/dpa) Gleich mehrere Generationen von Kinofans lieben Michael Caine. Er war der schräge Verführer Alfie der 60er Jahre, der Perücke tragende Killer aus „Dressed to Kill“ der 80er und der kultige Butler Alfred in den drei Batman-Filmen im neuen Jahrtausend. An diesem Donnerstag, 14. März, wird der britische Schauspieler 80 Jahre alt.

    Am 14. März 1933 kommt Caine als Maurice Micklewhite in London zur Welt – ein Name wie aus einer Charles-Dickens-Geschichte. Maurice' Vater schleppt Kisten auf dem Fischmarkt, die Mutter ist Putzfrau. Das Leben im Londoner Viertel South Wark ist rau, es gibt nach Caines Worten „Zuhälter, Hehler und Gangster, die sich gegenseitig aufschlitzen“. Der Junge will raus aus dem Milieu, träumt von der Bühne. Nach dem Militärdienst fängt er im Repertoiretheater an. Abend für Abend spielt er „auf Provinztourneen vor schwerhörigen Omis“, wie er es später mal beschreibt. Eine harte Schule, in der der hochgewachsene, schlanke Typ mit dem rotblonden Haar sich die Grundlagen seiner Spielweise erarbeitet, die so unangestrengt wirkt. Ein Filmplakat zu „Die Caine war ihr Schicksal“ bringt den jungen Schauspieler auf die Idee, sich Caine zu nennen. Michael Caine – das klingt gut. „Caine“-Hauptdarsteller Humphrey Bogart ist sowieso sein Vorbild.

    Als Michael Caine zum Film kam, spielten britische Schauspieler mit proletarischem Hintergrund im Kino allenfalls feige kleine Soldaten, wie er der Wochenzeitung „Die Zeit“ einmal sagte. Die wilden 60er Jahre machen's dann möglich: Caine bekommt endlich größere Rollen, ist in „Zulu“ 1964 ein vornehmer Kolonialoffizier. Dessen Haltung, die Hände hinter dem Rücken verschränkt, hat er sich von Prinz Philip abgeschaut: „Er steht auch immer so da.“ Den Durchbruch bringt „Alfie“ (1966). Caine ist der Chauffeur, egoistisch und arrogant, ein Verführer aus der Unterschicht, für den alle Frauen „Bienen“ sind und der den Londoner Cockney-Slang spricht. Das bringt ihm die erste Oscar-Nominierung. Und ein Lob von John Wayne: „Du hast eine große Zukunft, Kleiner.“

    Ein Cockney-Held ist auch Geheimagent Palmer, herablassend und einen Hauch unterwürfig. Caine verkörpert ihn mehrfach, etwa in „Ipcress – streng geheim“ (1965) und „Finale in Berlin“ (1966). Hier wie in anderen Rollen bringt Caine wunderbar amüsant und überzeugend Arroganz zum Ausdruck. Dabei helfen ihm seine militärisch aufrechte Haltung und der leicht verschleierte Blick, der nie verrät, was wirklich in ihm vorgeht. Dieser Palmer wirkt mit Hornbrille und schlichtem Trenchcoat wie ein Gegenentwurf zum elegant-geschmeidigen Macho James Bond. Caine, von der Queen zum Sir geadelt, hat für große Regisseure gearbeitet: John Huston, Sidney Lumet, Brian de Palma, Richard Attenborough, Woody Allen. Für seine Rolle als untreuer Ehemann in Allens „Hannah und ihre Schwestern“ bekam er 1987 einen Oscar als bester Nebendarsteller, ebenso 2000 für „Gottes Werk und Teufels Beitrag“. Den coolen Rächer gab Caine 1971 in „Get Carter“, eine seiner besten Leistungen. Eine Rachegeschichte unter Gangstern, atemberaubend knapp und schnörkellos gespielt.

    Eine grandiose Altersrolle ist Batmans distinguierter Butler Alfred in der „Dark Knight“-Trilogie von Christopher Nolan. Seit 1973 ist Caine in zweiter Ehe mit der ehemaligen „Miss Guyana“ Shakira Baksh verheiratet. Sie verabredeten sich zum ersten Mal, nachdem Caine sie in einer Kaffee-Werbung gesehen und ein Freund ihm ihre Telefonnummer gegeben hatte. Die beiden haben eine Tochter.

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