• aktualisiert:

    Würzburg

    Wie ein Audioguide Kindern das Museum für Franken erklärt

    Rätselhafter Schatz im Boden: Das Pferdegrab im Museum für Franken ist eines der Objekte, um das es im Kinder-Audioguide geht.
    Foto: Katja Krause

    Ein weißes Erdmännchen erscheint auf dem Handy. Es trägt ein blaues T-Shirt, Mimi steht darauf. Dazu ertönen aus Kopfhörern etwa 20 Kinderstimmen. "Hallo liebe Besucher, wir sind die Klasse 4a der Grundschule Lengfeld. Wir erzählen euch etwas über die Dinge in diesem Museum." So begrüßen die Schulklasse und Maskottchen Mimi ihre Zuhörer im Würzburger Museum für Franken auf der Festung Marienberg.

    Die Grundschüler haben für das Museum einen speziellen Audioguide eingesprochen. Klassische Hörführer gibt es dort schon länger. Seit kurzem können Besucher auch eine Version für Kinder auswählen. Den Guide, der aus einem Smartphone und Kopfhörern besteht, bekommen sie an der Kasse des Museums. Neben Deutsch und Englisch gibt es dabei die Variante "Kinder". Anhand von Fotos auf dem Display können sie die Objekte im Museum suchen.

    Erzähler in den Beiträgen ist Rolf Hermann, Mitarbeiter des Unternehmens Linon Medien in Schonungen, das unter anderem Mediaguides für Museen erstellt. "Am liebsten bin ich mit Kindern hier, denn Kinder sehen die Dinge ganz anders als Erwachsene und Kinder stellen auch manchmal schlauere Fragen", sagt er in seiner Rolle.

    Über mehrere Monate beschäftigen sich die Schüler mit dem Guide

    Die Kinder fragen aber nicht nur, sie erklären und bewerten auch. Zum Beispiel ein Relief der 14 Nothelfer. "Das ist ein Holzstück, wo was rausgeschnitzt wurde, und das sieht so 3D-mäßig aus. Hat uns gut gefallen." Die Beiträge zu den Objekten sind kurz, sie dauern zwischen einer und zwei Minuten. "Zuerst erklären immer die Kinder, dann kommt der Erzähler in Funktion eines Großvaters dazu", sagt Sarah Merabet, Pressesprecherin des Museums.

    Der Kinder-Audioguide führt durch fast alle Räume des Museums für Franken. Foto: Patty Varasano

    Entstanden ist der Guide auf Initiative der Grundschule, erklärt Veronika Genslein, Leiterin des Bereichs Vermittlung und Bildung im Museum für Franken, die das Angebot organisiert hat. "Mich hat eine Lehrerin angesprochen, die ein Projekt für ihre vierte Klasse gesucht hat. Sie hat früher selbst für eine Audioguide-Firma gearbeitet, deswegen lag das nahe."

    Im Oktober 2017 kamen die Schüler zum ersten Mal ins Museum, einer von mehreren Terminen in den folgenden zehn Monaten. "Wenn der Guide wirklich von Kindern für Kinder sein soll, dann muss man das über ein paar Monate begleiten", sagt Genslein. Es reiche nicht, die Klasse an einem Tag in das Museum zu schicken, wo sie sich schnell für ein Ausstellungsstück entscheiden und Informationen sammeln müsse.

    Der Audioguide führt die Kinder durch fast das ganze Museum

    Stattdessen gehe es um eine Art "Patenschaft für die Objekte", die die Schüler übernommen haben."Wir haben sie einfach mal durchs Haus laufen lassen, denn sobald ich die begleite, lenke ich ja die Wege", sagt Genslein. Die Kinder konnten sich für ein Ausstellungsstück entscheiden, das ihnen gefällt, und zu zweit den Beitrag vorbereiten. Genslein besuchte die Klasse mehrfach im Unterricht und brachte Informationen zu den Objekten mit, die Schüler schrieben Aufsätze und erstellten Steckbriefe.

    Zwischenstation: Schüler der Klasse 4a der Grundschule Lengfeld und Linon-Chef Lutz Oldemeier präsentieren im Juli 2018 eine Rohfassung ihres Audioguides für Kinder. Foto: Patty Varasano

    Für die Aufnahme bei Linon Medien haben sich die Kinder nur Stichpunkte gemacht, keine fertigen Texte formuliert. "Ich habe das auch nicht redigiert. Wir wollten den Kindern nicht vorgeben, was sie sagen müssen, weil sie das hemmt", sagt Genslein. Deshalb erzählen die Schüler nicht nur Fakten zu den Ausstellungsstücken, sondern auch, was ihnen auffällt oder warum sie die Objekte interessant fanden. Wenn etwas sachlich nicht ausreichend belegt ist, ordnet Erzähler Hermann das im Nachhinein ein.

    Der Kinder-Audioguide führt die Besucher über mehrere Etagen, durch viele verschiedene Räume des Museums. Die insgesamt zwölf Objekte, für die sich die Schüler entschieden haben, sind überall im Gebäude verteilt. "Bei manchen Sachen war es klar, dass die Kinder die nehmen würden, wie das Skelett im Pferdegrab, aber bei manchen hätten wir gar nicht damit gerechnet, zum Beispiel der Giraffenflügel", sagt Genslein. Der Giraffenflügel ist ein Musikinstrument, das nach seiner Form benannt ist.

    Dass sich die Kinder für das Pferdegrab, eine Begräbnissituation aus der Völkerwanderungszeit, interessierten, hat laut Pressesprecherin Merabet mehrere Gründe: "Es ist recht groß und befindet sich im Boden, hat also was Schatzmäßiges." Tiere kämen bei Kindern außerdem immer gut an. Andere Objekten hingegen, die 14 Nothelfer zum Beispiel, schienen eher weniger zugänglich für Kinder. "Auch hinter manchen Heiligenfiguren stecken spannende Geschichten, die sich auf den ersten Blick aber nicht erschließen. Da war es vielleicht die Ästhetik." Und der Giraffenflügel? "Man weiß es nicht, vielleicht lag es am Wort. Das ist ja das Schöne: Man weiß nicht, was in den Köpfen der Kinder vor sich geht."

    Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!