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    Würzburg

    Wie man Freunde gewinnt: Der Kulturspeicher macht's vor

    Treffen im Gebälk des Kulturspeichers - von links: Leiterin Marlene Lauter, Bernd Schmidtchen, Vorsitzender des Freundeskreises, Brigitte Greving, im Freundeskreis für die Klangraumkonzerte zuständig, und Sophia Kippes, zuständig für Vermittlung und Öffentlichkeitsarbeit. Foto: Mathias Wiedemann

    Als die Jungen Freunde im Freundeskreis des Würzburger Kulturspeichers, die MiKs, Ende Juni ihre zweite Open-Air-Fete auf der Dachterrasse des Museums veranstalteten, wurden 37 Feiernde vom Fleck weg Mitglieder. "Das sind zehn Prozent der Anwesenden", sagt Sophia Kippes, MiKs-Mitglied und im Kulturspeicher-Team für Pressearbeit und Kunstvermittlung zuständig. Die "Konkrete fete_DACHTERRASSEN OPEN AIR_Runde zwei", wie das Event mit Live-Musik und Kurzführungen hieß, war somit ein voller Erfolg.

    Die MiKs (für Museum im Kulturspeicher) sind die Jugendabteilung des Freundeskreises, hier sind die Mitglieder zwischen 18 und 30 Jahren organisiert. Gegründet 2008, waren sie die erste Gruppe ihrer Art in Bayern, sagt Marlene Lauter, Leiterin des Kulturspeichers: "Ein sehr aktiver Kreis." Mit ihren Vorsitzenden Katja Hock und Fee Wedepohl, auf Seiten des Museums vertreten durch Sophia Kippes, organisieren die Jungen Freunde Sinnesführungen, Kinoabende und führen auch schon mal ein ganzes Theaterstück auf, etwa Picassos surrealen Einakter "Le désir attrapé par la queue" (Die Begierde am Schwanz gepackt).

    Die "Konkrete Fete" im Juni auf der Dachterrasse des Würzburger Kulturspeichers. Foto: MiKs

    Passenderweise ist es die Jugend, die sich um das älteste Publikum kümmert: Beim Format "Kunst im Außendienst" gehen MiKs-Mitglieder ins Bürgerspital-Seniorenwohnstift von Steren am Würzburger Hubland und stellen – per Beamer – ausgewählte Kunstwerke vor. "Bewohner, die sich in ihrem früheren Leben viel mit Kultur beschäftigt haben, leiden sehr unter einem Mangel an intellektueller und kreativer Ansprache", sagt Sophia Kippes.

    "Museum braucht Freunde. Am besten Freunde, die wiederum Freunde mitbringen."
    Marlene Lauter, Leiterin des Kulturspeichers

    "Museum braucht Freunde. Am besten Freunde, die wiederum Freunde mitbringen", sagt Marlene Lauter. So gesehen, hat der Kulturspeicher ziemlich viele Freunde: Seit seiner offiziellen Gründung  als Verein am 17. Januar 2002, einen guten Monat vor Eröffnung des Kulturspeichers, ist der Freundeskreis auf 971 Mitglieder angewachsen – nun hoffen alle, dass bald die Tausender-Marke geknackt wird. "Von Vereinsmüdigkeit kann hier keine Rede sein", sagt Bernd Schmidtchen, Vorsitzender des Freundeskreises. 20 Prozent des Geldes, das der Freundeskreis über die Mitgliederbeiträge einnimmt, gibt er für eigene Bedürfnisse wie Verwaltung aus, der Rest, also 80 Prozent, fließt in Ausstellungen und Ankäufe.

    Wobei es nicht nur um Beitragszahler und Vernissagen-Besucher geht, sondern um Identifikation und Engagement. Denn viele Angebote könnte das Museum nicht bereithalten, gäbe es die Ehrenamtlichen nicht. Das sind etwa Kunstreisen ins In- und Ausland, Editionen ausgewählter Arbeiten in limitierter Auflage oder Gespräche mit Künstlern, deren Werke im Kulturspeicher zu sehen sind. Ein erfolgreiches Format: 55 solcher Gespräche haben bereits stattgefunden, zuletzt im September mit dem Bildhauer und Maler Horst Kuhnert.

    Und es gibt die Klangraumkonzerte, die viermal im Jahr eine Verbindung zwischen bildender Kunst und Musik herstellen. "Viele Künstler sind selbst auch Musiker", sagt Marlene Lauter. Idealer Raum dazu ist das Foyer mit dem beeindruckenden Dachgebälk. Wie sich herausstellt, ist zeitgenössische Musik das ideale Medium, um gerade ein jüngeres Publikum für die Konkrete Kunst zu begeistern. Gespielt wird überwiegend neue und neueste Musik – in Kooperation mit dem Studio für Neue Musik der Musikhochschule und der Jazzinitiative überwiegend auch von jungen Künstlern.

    "Wir wollen bewusst nicht den üblichen Markt bedienen."
    Brigitte Greving, Mitorganisatorin der Klangraumkonzerte

    "Wir wollen bewusst nicht den üblichen Markt bedienen", sagt Brigitte Greving, die im Team  mit Erich Bodenbender und Gladys Schindler die Klangraumkonzerte organisiert. Das kann dann schon  mal experimentell werden, etwa wenn in einer Komposition ein Staubsauger und eine Betonmischmaschine zum Einsatz kommen. "Das war das einzige Konzert, bei dem uns das Tiefbauamt geholfen hat", sagt Museumsleiterin Marlene Lauter und lacht.

    Wie stark sich Musik der bildenden Kunst annähern kann, zeigte ein Wettbewerb für Studierende der Würzburger Kompositionsklassen. Diese sollten sich mit je einem Kunstwerk klanglich auseinandersetzen. Die Ergebnisse begeisterten nicht nur die Museumsleute. "Da hatte ich oft Gänsehaut, weil man in manchen Stücken genau des Flirrende, Vibrierende hören konnte, das die Bilder haben", erzählt Marlene Lauter.

    Der Stand des Kulturspeichers auf art Karlsruhe im Februar. Foto: Mathias Wiedemann

    Eine Besonderheit im Geflecht der Ehrenamtlichen-Organisation des Kulturspeichers sind die Volonteers. Deren Mitglieder sind nicht notwendigerweise Mitglieder im Freundeskreis, aber auch sie erfüllen wichtige Funktionen. Etwa, wenn sie auf der art Karlsruhe Dienst am Stand des Kulturspeichers schieben. Das war heuer besonders aufwändig, denn Würzburg bestritt die Sonderschau in Halle eins und konnte auf besonders viel Fläche Highlights aus der Sammlung für Konkrete Kunst Peter C. Ruppert zeigen.

    Die Volonteers sind auch zuständig für den Empfang im Museum. Sie kontrollieren die Eintrittskarten und weisen die Besucher ein. Der Pool der Aktiven, die ihre Dienste selbst organisieren, ist groß, 150 Namen umfasst die Datei. "Das gibt es in der Form nur bei uns", sagt Marlene Lauter. Das sahen auch die Bayerische Versicherungskammer und die Landesstelle für die Nichtstaatlichen Museen so und verliehen dem Kulturspeicher – auch wegen seiner Volonteers – im Jahr 2005 den mit 10 000 Euro dotierten Bayerischen Museumspreis. 2015 gab's dann von gleicher Stelle den Vermittlungspreis – für die 5000 Euro Preisgeld entsteht derzeit eine "Sinnesstation" , die ein Gemälde aus der  Städtischen Sammlung durch Tast-, Hör- und Duftangebote sinnlich erfahrbar machen soll.

    Die nächsten Termine
    7. November: 19.30 Uhr, Klangraum-Jazzkonzert mit Lou Duo, Felix Schneider (Piano) und Jonas Sorgenfrei (Drums), veranstaltet vom Freundeskreis Kulturspeicher mit der Jazzinitiative Würzburg. Das 2018 gegründete Jazz Duo aus Würzburg spielt eigene Kompositionen.
    8. November: 18.30 Uhr, Kino im Kulturspeicher, veranstaltet von den MiKs - Junge Freunde Freundeskreis Kulturspeicher.

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