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    Venedig

    Wilde Humormischung im schlammigen Schlund des Würzbergs

    Matthias Egersdörfer bei den Radiospitzen live vor Ort im Würzburger Bockshorn. Foto: Johannes Kiefer

    „An guadn Oamd!“, wünscht Kabarettist Matthias Egersdörfer gerne und oft - und lobt das Publikum im ausverkauften Würzburger Bockshorn beim Gastspiel der Bayern 2 Radiospitzen: „Da schwappt einem a richtige Bildung entgegen“. Überhaupt macht er im Laufe des Abends immer wieder „oberkabarettistische, volksmusikmäßige Begrüßungen, da wird der Lipgloss trocken, so schee sind die!“.

    Volles Haus bei den Radiospitzen live vor Ort im Bockshorn. Foto: Johannes Kiefer

    Egersdörfer hat, wie auch die feixenden Gäste im Saal, sichtlich Spaß - auch wenn man ihm, dem fränkischen Grantler, das laut eigener Aussage erst Jahre später ansehen wird. Er ist begeistert vom „Höhlenmassiv“ des Kabarett-Kellers „in das wir uns alle stundenlang über schlammige Schlunde tief unter den Würzberg abgeseilt haben“.

    Mit am Seil hängen an diesem Abend noch zwei weitere Kabarettisten: Der Kölner Rainer Griess, und Michael Feindler aus Wuppertal. Eine krude Mischung - aber eben auch Konzept und oft der Reiz der Reihe, in der Auszüge aus verschiedenen Programmen unterschiedlicher Charaktere aufeinander treffen.

    Robert Griess Foto: Johannes Kiefer

    In Würzburg sinniert Egersdörfer in seinen Parts grummelig über fränkische Wurschtliebe, während Rainer Griess wild gestikulierend den Franken die Geburtsstunde des Kölner Karnevals über weit hergeholte Völkerwanderungstheorien zu erklären versucht. Überhaupt, der Karneval sei etwas essenziell Menschliches: „Was unterscheidet den Menschen vom Tier: Tiere schunkeln nicht!“

    Etwas aus der Reihe tanzt da Michael Feindler. Sein Programm „Artgerechte Spaltung“ ist Gesellschaftskritik, Poetry Slam und Liedermacher-Show in einem: Mal singt er über die nächtlichen Mordgelüste von Prinzessin Lillifee, dichtet dann wieder über das Wesen der Ironie, zwischendrin platziert er Kritik am deutschen Schulsystem und outet sich als Feminist, weil: „Ich will einfach Verantwortung abgeben und länger leben!“

    Michael Feindler Foto: Johannes Kiefer

    Die zwei Teile des Abends werden aufgezeichnet - und in zwei Teilen Anfang Juni im Programm von Bayern 2 gesendet. So bleibt viel Gelegenheit für Egersdörfer, bis spät in die Nacht Begrüßungen zu improvisieren, mit dem Publikum zu schäkern und über mit Betablockern ruhig gestellte zweite Geiger zu philosophieren, während Griess als Hartz-IV-Dauerempfänger gegen die AfD kämpft.

    Feindler wird am Ende seltsam ernst: Geht es doch oft nur ums Prinzip - aber was, wenn sich das als falsch herausstellt? Wie gesagt: Es ist eine ungewöhnliche Humormischung an diesem Abend in den Gewölben des Bockshorn - wer nicht dabei war, kann sie nachhören - und sich selber ein Bild machen.

    Die Bayern 2 Radiospitzen: Teil 1 am 7.6. um 14.05 Uhr , Wiederholung am 8.6. um 20.05 Uhr, Teil 2 am 5.7. um 14.05 Uhr, Wiederholung am 6.7. um 20.05 Uhr.

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