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    Würzburg

    Corona-Auflagen: Das Würzburger Mozartfest 2020 gibt nicht auf

    Aufgeben? Nein. In wenigen Wochen hat das Festival-Team ein komplett neues Programm auf die Beine gestellt. Die Botschaft: Je härter die Auflagen, desto kreativer die Konzerte.
    Konzert im Kaisersaal. So wird es beim Mozartfest 2020 nicht werden - aber möglicherweise auf andere Art spannend.
    Konzert im Kaisersaal. So wird es beim Mozartfest 2020 nicht werden - aber möglicherweise auf andere Art spannend. Foto: Oliver Lang

    Wenn es sein muss, findet Evelyn Meining deutliche Worte. Seit 2014 Intendantin des Würzburger Mozartfests, beweist sie es alljährlich in ihren Ansprachen zur Eröffnung des Festivals. Wenn es aber darauf ankommt, den Blick auf noch zu Erreichendes zu richten, dann strahlt Meining nur positive Zuversicht aus. Er war wohl ein zähes Ringen, in wenigen Wochen ein komplett anderes und deutlich reduziertes Programm für das Mozartfests 2020 zu gestalten. Dass sie, Geschäftsführerin Katharina Strein und das restliche Team dabei nicht nur organisatorische Hürden zu nehmen hatten, ließ Meining beim Pressegespräch am Mittwoch kaum durchscheinen.

    Aber man kann es erahnen, etwa wenn Meining auf die jüngst von Ministerpräsident Markus Söder verkündete Regel mit maximal 50 Besuchern für kulturelle Veranstaltungen in geschlossenen Räumen eingeht. Das habe sie überrascht. Eine solch pauschale Ansage zeige den Stellenwert, den Kultur derzeit genieße: "Was sagt die Zahl 50, ohne, dass man sie in Relation stellt zum Raum?" Ein wenig wird die Intendantin da sarkastisch: "Kultur ist systemrelevant. Nicht nur Baumärkte, Friseursalons und Biergärten."

    "Kultur ist systemrelevant. Nicht nur Baumärkte, Friseursalons und Biergärten."
    Mozartfest-Intendantin Evelyn Meining

    Die beiden Räume, die heuer für die Live-Konzerte vorgesehen waren - Rotationshalle des Vogel Convention Center (VCC) und Blaue Halle der va-Q-tec AG - hätten bei Wahrung der Abstandsregel laut Meining Raum für mindestens 250 Besucher geboten. Oberbürgermeister Christian Schuchardt will deshalb die Zahl 50 als "50 mit großem Plus" verstanden wissen. Selbstverständlich werde man sich weiter strikt an alle Regeln halten, aber die Bestimmungen könnten sich schnell wieder ändern. "Das müssen wir dann zeitnah, von Woche zu Woche entscheiden", sagt Schuchardt.

    Katharina Strein und Evelyn Meining, Geschäftsführerin und Intendantin des Mozartfests.
    Katharina Strein und Evelyn Meining, Geschäftsführerin und Intendantin des Mozartfests. Foto: Thomas Obermeier

    Kultur als Lebensmittel, als Standortfaktor: Intendantin, Geschäftsführerin, Oberbürgermeister und Würzburgs Kulturreferent Achim Könneke wollen die Tatsache, dass überhaupt ein Mozartfest 2020 stattfindet, als Signal verstanden wissen. An das Publikum, an die Künstler, an Geschäftswelt und Gastronomie, an die Gesellschaft. Immer wieder höre er Sätze wie "Muss das sein?" oder "Das ist doch Luxus", berichtet Könneke. Als könne man die Kultur für ein Jahr in den Winterschlaf schicken und dann von einer Fee wachküssen lassen. Der Kulturreferent sagt: "Das ist nicht möglich."

    Unter dem Motto "Weitergehen" soll es jetzt 43 statt 75 Veranstaltungen geben. Man habe bewusst von Anfang an nicht nur auf digitale Formate gesetzt, sagt Evelyn Meining. Einige Video-Livestreams (auf www.br-online.de) wird es geben: eine Themennacht am 9. Juni mit Kammermusikensembles aus dem Kaisersaal und am 21. Juni Reinhard Goebel, Artiste étoile 2020, mit dem Münchner Rundfunkorchester in kleiner Besetzung. Auch das MozartLabor vom 13. bis 16. Juni und die Live-Konzerte in der Schlusswoche werden gestreamt.

    "Diesmal müssen auch die Besucher flexibel sein."
    Mozartfest-Geschäftsführerin Katharina Strein

    Dazu gibt es die Auftritte des Musik-Lkws "Blauer Eumel" in Würzburg und einige Radiokonzerte, die im Weißen Saal der Residenz aufgezeichnet und später ausgestrahlt werden. Und Überraschungs-Balkonkonzerten am 20. Juni von 11 bis 17 Uhr mit Christoph Eß und seiner Formation "german hornsound". Wo genau welcher Balkon bespielt wird, wird nicht verraten, um keine Menschensammlungen zu provozieren.

    Im Vordergrund stehen die vier echten Live-Konzerte. Auch hier sind die Programme verändert und verkürzt, die Ensembles verkleinert. Es spielen die Kammerakademie Potsdam (24. und 25. Juni, VCC), das Orchester im Treppenhaus (26. Juni) und die lautten compagney Berlin (27. Juni). Das Orchester im Treppenhaus werde sich kreativ mit dem Thema menschliche Nähe und Distanz befassen, verspricht Evelyn Meining. Individuell zugeordnete bewegliche Lichtkreise sollen die Besucher buchstäblich durch das Konzert führen. Wer mag, kann dazu eine eigens entwickelte App nutzen.

    Und dann sind da noch die praktischen Fragen. Wer soll wann, wie und wie viele Karten bekommen, wenn sich noch so viel verändern kann? "Das wird schwierig", Geschäftsführerin Katharina Strein. Hier seien noch nicht alle Fragen geklärt. Ab 3. Juni können Karten telefonisch reserviert werden, möglicherweise werde es Wartelisten geben. "Diesmal müssen auch die Besucher flexibel sein."

    Reservierungen und Fragen zum Programm ab 3. Juni (Mo.-Fr. 10-14 Uhr) telefonisch unter (0931) 37-2336. Den aktuellen Stand gibt es auf der Website des Mozartfests unter www.mozartfest.de

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