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    Würzburg

    Operette: Der Vetter aus Dingsda in Würzburg

    Julia (links, Anja Stegmann) ist bei der Operette "Der Vetter aus Dingsda" auf der suche nach dem Richtigen. Doch skurrile Verwicklungen machen das zur einer schweren Aufgabe. Foto: Dita Vollmond

    In der großen Oper sind am Ende alle tot, und in der Operette kriegen sich am Ende alle. Das ist doch auch was! Vielleicht war auch das der Grund für Professor Holger Klembt (Gesamtleitung und Regie), sich für Eduard Künnekes Welterfolg, die Operette „Der Vetter aus Dingsda“ als das jüngste Projekt der Opernschule Würzburg zu entscheiden. Jedenfalls lag er damit goldrichtig.

    Mit schmissigen Melodien, die zwischen Tonfilm und Oper changieren, hat es die Musikkomödie am Premierenabend in die Herzen des Publikums geschafft. Die gelungene Mischung aus kecken Jazzsynkopen und gefühlvollen Weisen, schräg überzeichneten Charakteren und einem Plot mit hanebüchenen Verwechslungen garantierte einen unterhaltsamen Abend.

    Verwechslungen hier und da

    Julia de Weert, Erbin eines beträchtlichen Vermögens, sehnt sich ihrer Volljährigkeit entgegen, um endlich aus der Vormundschaft ihres Onkels Josse und ihrer Tante Wimpel zu kommen. Sie freut sich auf ihren Vetter, der aus Batavia zurückerwartet wird und dem sie einst ewige Treue versprochen hat. Doch Onkel und Tante haben etwas anderes vor. Mit dem Erscheinen eines Fremden beginnen die Verwicklungen.

    Onkel und Tante haben für Julia eigene Pläne. Foto: Dita Vollmond

    Das gesamte Team brachte die Verwechslungskomödie aus dem Berlin der 1920er Jahre in einer spritzigen und  humorvollen Inszenierung mit Witz, aber auch mal albern und mit Schmalz auf die Bühne in der Hochschule, die Premierenbesetzung machte die Vorstellung zu einem gelungenen Abend. Anja Stegmann gab eine Julia de Weert zwischen Backfisch und Geliebte. Mit ihrer großartig entwickelten Stimme lag sie den nötigen Schmelz in diese Rolle.

    Stefan Schneider glänzte als 1. Fremder als wahrer Operettentenor. Kein Wunder, dass Julia diesem sofort verfiel. Oliver Kringel (2. Fremder) kurvte mit dem knatternden Moped mitten in die größte Verwirrung und direkt in die Arme des naiven und unbekümmerten Hannchens (Maria Theresia Bäumer).

    Zwischen allen Stühlen schließlich tummelte sich als der eigentliche Loser Egon von Wildenhagen (Marcel Hubner). Uli Bützer als autoritärer und verfressener Onkel „Josse“  und Jasmine Koth als gutmütige und liebevolle Tante „Wimpel“ gaben ein herrliches Buffopaar. Jakob Ewert und Jonas Müller als Diener Karl und Hans vervollständigten das Gesangsensemble, das sich durchweg durch mitreißende Spielfreude auszeichnete. Da wurde getanzt und geschwärmt und in hohem Tempo immer sehr gut verständlich parliert. Nicht zuletzt die farbenfrohen Kulissenprospekte (Manfred Kaderk) und phantasievollen Kostüme (Anke Drewes) rundeten die launige Produktion ab.

    Am Ende kriegten sich alle

    Ulrich Pakusch dirigierte das gut aufgelegte Orchester mit viel Schwung und Verve. Es klang abwechselnd nach Salonorchester und großer Oper und trug die Sänger gefühlvoll durch die Gesangsnummern, zu denen ganz oft auch getanzt wurde. Tango (Duett „Kindchen, du musst nicht so schrecklich viel denken“), Foxtrott („Sieben Jahre lebt ich in Batavia“) und Valse Boston („Strahlender Mond“) waren nicht nur bekannte Ohrwürmer, sondern auch frech choreographiert.

    Am liebsten hätte man bei „Ich bin nur ein armer Wandergesell“ oder „Strahlender Mond, der am Himmelszelt thront“ gleich mitgesummt.

    Ja, am Ende kriegten sich alle. Julia bekam ihren überglücklichen August, Hannchen schloss den echten Roderich in ihre Arme, Onkel und Tante schauten mit dem Ofenrohr ins Gebirge und für Egon von Wildenhagen blieb nur noch ein Ausweg: Er wanderte aus nach . . . äh . . . Dingsda. Unbedingt sehenswert!

    Weitere Veranstaltungen am 11., 12, 14. und 15. Februar 2019, jeweils 19;30 Uhr, Hochschule für Musik Würzburg, Bibrastrraße, B Theater

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