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    VEITSHÖCHHEIM

    Der Marimba-Welthit aus Würzburg

    Stücke, von denen 150 Versionen aus der ganzen Welt auf Youtube zu sehen sind, gibt es nicht sehr viele. Außer natürlich bei klassischen Klavierstücken von Mozart und Pophits von Michael Jackson. Der Würzburger Komponist Matthias Schmitt aber hat mit „Ghanaia“ einen Klassiker geschaffen, der für Marimba-Spieler in Japan, den USA und Europa zum Pflichtrepertoire zählt.

    Klassik und Pop

    Zu diesem und anderen Hits kam Schmitt auf verschlungenen Wegen. Von seinem sehr musikalischen Vater, der Klavier, Akkordeon, Geige und Klarinette spielte, bekam der gebürtige Würzburger das musikalische Talent vererbt. Mit sechs Jahren begann er, Klavier zu spielen. „Ich erhielt eine klassische Ausbildung“, erzählt er. „Stücke von Mozart, Beethoven, Schumann, Debussy.“ 1970, als Schmitt zwölf war, hörte er etwas Neues. „Das Klavier-Intro von Simon & Garfunkels ,Bridge Over Troubled Water' faszinierte mich.“

    Schmitt begann, sich auch für Popmusik zu interessieren. „Ich entdeckte die Beatles erst, als es sie schon nicht mehr gab.“ Die Streicher-Arrangements von Beatles-Produzent George Martin begeisterten ihn. „Und auch den Einfluss von Bach hörst du in den Beatles“, sagt Schmitt. Seitdem ist ihm klar: „Für mich gibt's nur gute und schlechte Musik. Schablonen und Schubladen – E- und U-Musik, Klassik und Pop – mag ich nicht.“

    Wunsch nach Entwicklung

    Schmitt studierte am Würzburger Konservatorium zunächst Klavier und Klarinette, schwenkte dann um auf Schlagzeug und Klavier an der Hochschule und erwarb 1984 sein Diplom. Als klassisch studierter Musiker erhielt er einen Lehrauftrag an der Fachhochschule Würzburg, später wurde er Dozent am Konservatorium in Mainz. Sein Weg war vorgezeichnet. „Ich war 30 und ungebunden, konnte aber schon meinen Weg bis zur Rente voraussehen. Ich hatte Angst, mich so festzulegen“, sagt er. Zur Verblüffung vieler seiner Freunde kündigte Schmitt, weil er sich „als Musiker entwickeln“ wollte. Die Gelegenheit dazu bot ihm ausgerechnet die Schlagerszene.

    Bei Trommelworkshops und Tanzkursen hatte sich der westafrikanische 12/8-Groove bei mir eingebrannt.
    Matthias Schmitt über die Entstehung von „Ghanaia“
     

    1988 stieg Matthias Schmitt als Keyboarder bei „Relax“ ein. Die aus überwiegend fränkischen Musikern besetzte Band hatte Erfolg mit Popsongs im bayerischen Dialekt. „Wir spielten viele Konzerte und hatten zahlreiche TV-Auftritte“, erzählt Schmitt. „In der Schlagerparade, der Hitparade und von Dieter Thomas Heck moderierten Galashows mit Roy Black, Howard Carpendale, der Spider Murphy Gang und anderen.“

    Erfolg in der Schlagerwelt

    Der Würzburger fand es „reizvoll, Stücke zu schreiben, bei denen einige Parameter vorgegeben waren“. In den Texten sollte es um Beziehungsgeschichten gehen, musikalisch galt es, dem Stimmumfang des Sängers gerecht zu werden. „Ich habe dabei viel gelernt. Relax war ein Gesamtprodukt.“ Außerdem habe der „team spirit“ in der Band gestimmt. „Und live haben wir die Stücke deutlich rockiger gespielt.“ Bis der Teamgeist dahin war und sich die Band Mitte der 90er entzweite.

    Doch Schmitt hatte sich als Komponist etabliert. Gemeinsam mit anderen schrieb und produzierte er mehrere Alben für Michael Schanze – „zwei Weihnachtsalben und zwei zur Verkehrserziehung“. Auch für „Hurra Deutschland“, eine TV-Politsatire mit Knautschpuppen, schrieb er Stücke. Außerdem gründete er 1995 die „Musikschule Clavis“ in Zellingen; zwei Jahre später zog die Musikschule nach Retzbach um.

    Komplizierter Groove

    Seine Kontakte zur klassischen Szene hatte Schmitt auch als Popmusiker gepflegt. So hörte er von dem bekannten Schlagzeuger Peter Sadlo, dass Edgar Guggeis, erster Schlagzeuger der Münchner Philharmoiker, für seine Solotournee noch ein grooviges Marimba-Stück suchte. Zufällig hatte Matthias Schmitt gerade eines komponiert, nur für sich, frei von allen Schlager-Vorgaben: „Ghanaia“. „Bei Trommelworkshops und Tanzkursen hatte sich der westafrikanische 12/8-Groove bei mir eingebrannt. Darauf habe ich improvisiert.“ Die Marimba ist ein mit Schlegeln zu spielendes Schlaginstrument mit Resonator-Holzplatten, eine Art übergroßes Xylophon.

    Mit Guggeis erarbeitete Schmitt ein anderes Ende für „Ghanaia“. Mit der Tournee des Ausnahme-Schlagzeugers 1997 trat das Stück seinen Siegeszug an. Die Polin Katarzyna Mycka nahm es erfolgreich auf; bei internationalen Marimba-Wettbewerben in Japan und Paris gehörte es bald zu den Pflichtstücken. Schmitt erhielt Anfragen für weitere Marimba-Kompositionen. Für Mycka schrieb er „Sechs Miniaturen“, das auch der britische Weltstar Evelyn Glennie im Repertoire hat, für zwei Marimbas das Stück „2-gather“.

    Schmitts Stücke zeichnen sich durch ihre „Melodik und Tonalität“ aus, zuvor sei das Marimbaspiel oft „stark experimentell geprägt“ gewesen, erklärt er. Sieben Jahre lang trat er selbst im Marimba-Duo mit Evgenja Kavaldzhieva auf, nun nicht mehr. „Das Marimba-Spiel hat sich stark entwickelt. Ich kann nicht mehr mithalten“, sagt er bescheiden.

    60.Geburtstag mit Plänen

    Natürlich unterrichtet Schmitt, der an diesem Mittwoch, 17. Januar, seinen 60. Geburtstag feiert, weiterhin – neben Klavier, Schlagzeug und Marimba auch Gitarre, Bass und Gesang. Er ist außerdem gefragter Juror bei internationalen Marimba- und Schlagzeugwettbewerben, beispielsweise bei einem Wettbewerb im Februar in Luxemburg. Und er komponiert. „Im vergangenen Jahr habe ich einige Popsongs geschrieben, die wir nun anbieten. Und mein norwegischer Verlag erweitert sich in Richtung Filmmusik. Das würde mich reizen.“ Der Vater eines 24-jährigen Sohnes wohnt mit seiner Ehefrau in Veitshöchheim. Sein Horizont ist weit und offen.

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