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    WÜRZBURG

    Geheimtipps und Legenden beim Metal Assault

    Stimmgewalt pur gab's beim Metal Assault in der Posthalle. Foto: Fabian Gebert

    Womit das Hammer of Doom im Spätherbst das Rock-Jahr beschließt, damit eröffnet es das Metal Assault dann kurz bevor’s Frühjahr wieder: mit hochklassigem Heavy Metal, wie er nicht auf jedem Festival zu finden ist – nämlich weitab vom Mainstream. Titan Force, At War, Picture oder Air Raid – die Namen lassen auch ohne aktuelle Hits eingefleischten Metal-Fans das Wasser im Mund zusammenlaufen. Auch 2018 ist’s wieder eine famose Running Order beim Metal Assault.

    Schade nur, dass wenige Tage, bevor sich die Tore der Würzburger Posthalle geöffnet haben, eine Band hat absagen müssen, auf die sich die meisten der gut 1000 Metalheads gefreut haben dürften: Ashbury. Die US-Amerikaner meldeten gleich drei Grippe-Kranke, die es so sehr erwischt hatte, dass sie ins Krankenhaus mussten. Da es utopisch war, auf die Schnelle adäquaten Ersatz herbeizuzaubern, reagierten die Veranstalter mit etwas längeren Spielzeiten für die anderen Bands – sicher kein Schaden.

    Denn spätestens mit dem Auftritt von Visigoth (nachdem zwischendurch schon mal Crystal-Viper-Frontfrau Marta Gabriel optisch wie stimmlich einen ersten Höhepunkt gesetzt hat) nimmt der Abend so richtig Fahrt auf. Die erst seit 2010 aktiven Amis sind einer der führenden Vertreter der New Wave of American traditional Metal – und so klingt’s dann auch: breitbeinig daher kommende Riffs, eingängige Melodien und viel Platz für Soli, einfach Heavy Metal halt. Und wohltuend in Zeiten der immer diffuseren Aufsplitterungen in zig Subgenres.

    Gitarren im Duell

    In die gleiche Kerbe hauen die Schweden von Air Raid, wenngleich einen Zacken schneller. Musikalisch könnte die Bandbreite zwar etwas höher sein, doch Frederik Werners Stimmbänder geben einiges her und Magnus Mild und Andreas Johansson duellieren sich famos an den Gitarren. Dürften aber noch mit der Trommel um den Christbaum getanzt sein, als Picture schon erste Achtungserfolge gefeiert haben. Die Niederländer tourten bereits in den goldenen Metal-Achtzigern mit den Szenegrößen quer über den Erdball, haben dann aber  zwei längere Auszeiten genommen. Die zahlreichen Runden im Personalkarussel überstanden hat auch der ursprüngliche Sänger Ronald van Prooijen nicht, was verschmerzbar war: Pete Lovell hat nicht nur beim vielleicht größten Hit („Eternal Dark“) das Mikro gehalten, er liefert auch in der Posthalle gradios.

    In den Achtzigern könnten sich die Wege der Niederländer und der US-Formation  At War durchaus mal gekreuzt haben, den auch die Thrasher waren da schon unterwegs. Bis 1994 erstmal, dann wieder ab 2006. Das ist dann so eine typische Band, wie sie die Metal-Assault-Macher aus dem Hut zaubern. Einfach eine, bei der man (so ebenfalls in dieser Zeit musikalisch sozialisiert) sich freut, sie wieder einmal zu hören. Schnell, kompromisslos, frei von unnötigen Schnörkeln und immer ein Hauch Motörhead dabei – Old School.

    Treffpunkt für Geheimtipps und Legenden

    Und doch lässt sich das noch toppen. Titan Force, der Name steht für progressiven Heavy Metal und das auch schon seit dreieinhalb Jahrzehnten. 2002 war dann Schluss, doch tauchten sie immer mal auf einem Festival auf, unter anderem auch auf dem Keep it True in Lauda-Königshofen. Nun eben in Würzburg. Und die US-Amerikaner reißen ein wahres Power-Prog-Gewitter ab. Harry Conklin ist ein Ausnahmesänger. Seine bisweilen unvermittelten Kiekser in ungeahnte Höhen reißen um Mitternacht noch einmal die müden Fans mit. Das Metal Assault ist und bleibt ein fruchtbarer Boden für Geheimtipps und Legenden.

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