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    Musik: Samstag, der Tag zum Kämpfen

    Auf geht's zum Biertrinken: Elton John hält den Samstag dafür bestens geeignet. Foto: Steffen Schmidt, dpa

    Wer auf leisen Schritten nach Hause kommt und seine Frau samt Liebhaber nackt im Ehebett findet, für den gibt es im Süden der USA eine finale und harte Lösung: „Saturday Night Special“. Der Begriff steht in den Vereinigten Staaten synonym für die billigen, dort frei verkäuflichen Handschusswaffen, mit denen viel Unheil angerichtet wird. Wer bisher dachte, dass Rock- und Popsongs, wenn sie sich mit dem Samstag, also dem Saturday, beschäftigen, von Liebe und Tanzvergnügen künden, dem seien hier einige andere Kaliber genannt. So eröffnet die amerikanische Band Lynyrd Skynyrd mit dem Song „Saturday Night Special“ ihr Album „Nuthin‘ Fancy“ und lässt dabei gleich mal das eingangs erwähnte Pärchen vom unverhofft heimkehrenden Ehemann erschießen.

    In der zweiten Strophe schlägt die Pistole schon wieder zu und trifft diesmal den gegenübersitzenden Pokerspieler, der den Freund beim Kartenspielen linken wollte, nur um schließlich in der dritten Strophe die Waffe gegen sich selbst zu richten, um sich im Suff selbst um die Ecke zu bringen. Dabei ist die Band, die in ihrem Werk bevorzugt vom süßen, freien Leben in den Südstaaten singt („Sweet Home Alabama“, „Free Bird“) weder aggressiv, noch ruft sie zur Gewalt auf.

    Ganz im Gegenteil! Sie wünscht sich, dass ihre Landsleute die Handschusswaffen, die sie für 20 Dollar problemlos überall kaufen können, im Meer versenken und dass der Waffenwahnsinn schnell ein Ende nimmt. „Handwaffen sind nur zum Töten da, sie sind für nichts anderes gut“, betont Sänger Ronnie van Zant. Schade nur, dass Lynyrd Skynyrd bis heute nicht erhört wurde, der Song stammt aus dem Jahr 1976!!!

    Ebenfalls nach Gewalt hört sich einer der bekanntesten Titel von Elton John an. „Saturday Night?s Alright For Fighting“ ist der Titel der rockigen Uptempo-Nummer, mit der der englische Rockstar häufig seine Konzerte zum Kochen brachte. Auch dieser Song stammt aus den frühen 70ern und zwar vom Doppelalbum „Goodbye Yellow Brick Road“. Der Protagonist des Liedtextes hat schlichtweg Bock darauf, sich den Bauch mit Bier vollzuschlagen und erklärt den Samstag zum idealen Tag seines Vorhabens.

    Und da er parallel noch auf der Suche nach einer geeigneten „dolly“ ist, die ihm den Samstag versüßt, ist er durchaus bereit, für diese Zwecke auch seine Muckis einzusetzen („I may use a little muscle to get what I need“). Auch wenn Co-Autor Bernie Taupin sich von frühen Kneipenprügeleien in seinem Heimat-Pub inspirieren ließ, kommt es in dem Lied zu keiner echten Schlägerei. Es feiert den Samstag schlichtweg so, wie er sich für manche junge Menschen ideal darstellt: Saturday, that?s alright …

    Wer es zum Samstag auch auf dem Plattenteller etwas beschaulicher haben möchte, dem sei die Band „Chicago“ empfohlen. Diese führt die Hörer zum „Saturday In The Park“ und lässt sie am idyllischen Treiben teilhaben. Beschrieben wird, wie die Leute im Park lachen und tanzen, ein Mann Eis verkauft und dazu italienische Lieder singt. Melodie, Text und die berühmten „Chicago“-Bläsersätze führen das Ganze so stimmig zusammen, dass man fast schon meint, dabei zu sein, bei diesem bunten, friedlichen und glückseligen Samstag im Park, der auch noch ein 4. Juli, also ein Unabhängigkeitstag ist. Noch mehr Amerika geht nicht …

    In der deutschen Popwelt gibt es keinen ganz herausragenden Titel mit dem Samstag im Mittelpunkt. Es gab zwar „Am Tag, als Conny Kramer starb“, aber Sängerin Juliane Werding lässt uns nicht wissen, an welchem Wochentag das Unheil geschah. Und für das Duo „Cindy und Bert“ brachten die Bouzukis das Glück immer erst am zweiten Tag des Wochenendes nach Hause: „Immer wieder sonntags“.

    Peter Maffay wagte auf seinem Album „Samstag Abend in unserer Straße“ 1974 die ersten Versuche in Richtung Rock und knurrte dabei „In unserer Straße ist am Samstag Abend immer was los“. Mit deutlich mehr Glamour ging Howard Carpendale die Sache an. Er begleitet in seinem Hit „Samstag Nacht“ eine von Glück und Mann verlassene Frau ins Wochenende: „Samstag Nacht, und du hast nur deine Lieder“.

    Um ein Haar hätte die amerikanische Fernsehshow „Saturday Night Live“ (SNL) ganz große Musikgeschichte geschrieben. Wie der Name der Show ausdrückt – sie war übrigens das Vorbild für die erfolgreiche RTL-Show „Samstag Nacht“ in den 1990er-Jahren – macht sie jeden Samstagabend Furore mit Comedy, Gags und prominenten Gästen. Am 24. April 1976 sendete SNL ein Angebot, über das rund 20 Millionen Zuschauer herzlich lachen konnten.

    Produzent Lorne Michaels bot via Live-TV den Beatles an, bei ihm in der Late-Night-Show aufzutreten. Es wäre deren erster gemeinsamer Auftritt seit langem gewesen. Das letzte Konzert der Band lag rund zehn Jahre, die Trennung auch schon sechs Jahre zurück. Um den weltberühmten „Fab Four“, die sensationelle Reunion schmackhaft zu machen, bot er ihnen als Gage die Witzsumme von 3 000 Dollar an. Einen Monat später erneuerte Michaels das Angebot, und legte für jeden der vier Beatles nochmals 50 Dollar drauf, was die Summe auf stattliche 3200 Dollar erhöhte.

    Was niemand ahnte: Paul McCartney und John Lennon waren Zuschauer der Sendung mit dem 3000-Dollar-Angebot. Sie sahen fern in Lennons Wohnung im Dakota-Gebäude – das Jahre später traurige Berühmtheit erlangen sollte, als der Beatle davor erschossen wurde. Und die beiden mit britischem Humor gesegneten Musiker amüsierten sich köstlich über die Show.

    Der SNL-Produzent hatte unter anderem den vier Beatles freigestellt, wie sie die fürstliche Gage untereinander aufteilen. So sei es sei für ihn kein Problem, wenn sie beispielsweise nicht exakt durch vier teilen und etwa Ringo Starr weniger bezahlen würden. Sie sollten lediglich drei Beatles-Songs zum Besten geben. „She loves you, yeah, yeah, yeah“ – das wären schon mal die ersten 1 000 Dollar.

    McCartney berichtete später, dass die beiden tatsächlich überlegten, in die NBC-Studios zu fahren, um dem Angebot zuzustimmen: „Wir waren kurz davor, ein Taxi zu nehmen, aber wir waren einfach zu müde.“ Auch John Lennon sei nicht abgeneigt gewesen, habe allerdings darauf verwiesen, dass ihnen zu zweit lediglich die Hälfte des Geldes zugestanden hätte ...

    Tatsache ist, dass die beiden ihre kurzfristigen Pläne leider verwarfen, und so blieb der Musikwelt ein Comeback des Liverpooler Quartetts für immer verwehrt.

    Die Beatles als Band haben übrigens nie in der Show „Saturday Night Live“ gespielt. Es gab allerdings diverse Solo-Auftritte von George Harrison, Paul McCartney und Ringo Starr. Über dafür gezahlte Gagen ist nichts bekannt ...

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