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    Schweinfurt

    Debatte um Feuerwerk: "Irrelevante Kennzahlen werden vermischt"

    Soll privates Feuerwerk künftig verboten werden? Der Verband der pyrotechnischen Industrie wehrt sich dagegen – in einer Antwort auf unseren Samstagsbrief zu Silvester.
    Der Geschäftsführer des Verbands der pyrotechnischen Industrie Klaus Gotzen
    Der Geschäftsführer des Verbands der pyrotechnischen Industrie Klaus Gotzen Foto: Daniel Karmann, dpa

    Sehr geehrter Herr Stahl,

    vielen Dank für Ihr Schreiben. In der Tat gab es im Jahr 2019 einige kommunale An­träge, auf deren Grundlage generelle Feuerwerksverbote in Innenstädten erwirkt werden sollten. So auch der Versuch von Frau Stadträtin Ulrike Schneider in Schweinfurt. Doch anders als Sie Ihre Leserinnen und Leser vielleicht vermuten lassen wollen, gehen ich oder die Mitglieder des Verbandes der pyrotechnischen Industrie (VPl) dabei nicht an die Decke.

    In einer Demokratie gilt es Argumente und Fakten auszutauschen und zugleich auch Kritik auszuhalten. In diesem Prozess ist es jedoch wichtig, dass alle Parteien gleichermaßen ehrlich, fair und transparent arbeiten sowie behandelt werden. Andernfalls fußen unsere Entscheidungen auf falschen Behauptungen, Argumenten und im schlimmsten Fall auf konstruierten Debatten, die geprägt sind von Framing und Denunziation. Welche Wirkung Framing haben soll und kann, zeigen Sie vorbildlich im ersten Absatz Ihres Briefes.

    Zunächst sei erst einmal gesagt, dass wir die Entscheidung des Schweinfurter Stadtrates begrüßen, den Menschen auch zur Jahreswende 2019/2020 privates Feuerwerk zu erlauben. Entsprechende Rückmeldungen zahlreicher anderer Kommunen bundes­weit haben wir über das Jahr verteilt erhalten. Nicht zuletzt auch deswegen, weil wir unser Wissen und unsere Haltung als Verband in den Diskurs mit den Bürgerinnen und Bürgern, Politikern und kommunalen Vertretern einbringen konnten. Auch Sie haben daher, wie viele andere Journalisten auch, unsere Positionen erhalten. Nicht nur in Form dieser Pressemappe, sondern auch bereits durch zahlreiche Presseaussendun­gen im Vorfeld. Schade nur, dass diese bislang bei Ihnen keine Beachtung fanden, um auch so einen ehrlichen Austausch zu ermöglichen.

    Sie schreiben ganz richtig, dass wir die Feinstaubdebatte rund um das Feuerwerk kri­tisieren – auch weil irrelevante Kennzahlen vermischt werden. Uns geht es dabei da­rum, dass permanent – und das entgegen Ihrer Aussagen auch von der Deutschen Umwelthilfe (DUH) und vom Umweltbundesamt (UBA) – von der Umweltschädlichkeit des Feuerwerks gesprochen wird. In diesem Zu­sammenhang werden beispielsweise in der Broschüre des UBA zum Silvesterfeuerwerk Feinstaub- und C02-Werte bewusst in einem Zusammenhang ge­bracht. Im Kontext vieler weiterer Berichterstattungen bundesweit werden Verbote von Feuerwerken auch im Zeichen des Klimanotstandes betrachtet. Relevant für Kommu­nen sind hierbei jedoch nicht die Feinstaub-, sondern die C02-Emissionen. Und eben gegen diese Darstellung wehren wir uns.

    "Ich sehe nicht, dass Unternehmen wie die Baumarktkette Hornbach ihre dieselbetriebenen Kettensägen oder Rasenmä­her aus dem Verkehr ziehen."
    Klaus Gotz, Geschäftsführer des Verbands der pyrotechnischen Industrie

    Wie Sie ebenfalls richtig feststellen, verwehren wir uns auch den Äußerungen des Um­weltbundesamts und der Deutschen Umwelthilfe, dass Feinstäube aus Feuerwerk ge­sundheitsschädlicher seien als beispielsweise aus Verbrennungsmotoren. Der Ver­gleich mit dem Straßenverkehr oder Holzöfen stammt übrigens nicht von uns. Dass Partikel aus Feuerwerk, wie wir wissen, wasserlöslich und leichter vom Körper abbau­bar sind, findet bislang nirgendwo Gehör. Und ich sehe auch nicht, dass Unternehmen wie die Baumarktkette Hornbach ihre dieselbetriebenen Kettensägen oder Rasenmä­her aus dem Verkehr ziehen. Oder ihre Holz-Pellets, die beworben von der Umwelthilfe für deutlich mehr CO2 verantwortlich sind als es das Feuerwerk überhaupt könnte. Sie benennen diesen Umstand ganz richtig: Er ist "heuchlerisch". Der Marktanteil des Feu­erwerks beispielsweise bei der Baumarktkette Hornbach ist signifikant gering und der Verzicht daher kein großer Verlust: Da kann man schon mal leicht "die Augen zudrü­cken" und das Ganze dann im Sinne eines Marketing-Gags als Großmütigkeit verkau­fen.

    Ich würde lügen, wenn wir die Entwicklungen der vergangenen Monate nicht aufmerk­sam verfolgen würden. Daher versuchen wir als Verband auch, gemeinsam mit unse­ren Mitgliedern, zu informieren und der emotionalisierten Diskussion sachlich zu be­gegnen. In diesem Zusammenhang war es auch unser Anliegen, mit einer Kampagne die Öffentlichkeit darüber zu informieren, wie sie mit Feuerwerk sicher ins neue Jahr startet.

    Denn anders als Sie es darstellen, geht es uns bei unserer Kampagne nicht um irgend­ein PR-Feuerwerk. Vielmehr sehen wir den Bedarf – auch mit Blick auf die Debatte um die Zweckentfremdung von Feuerwerk – unseren Teil dazu beizutragen, den Men­schen den richtigen Umgang damit nahe zu bringen. Wir sehen unsere Kampagne "Lass es krachen" demnach nicht als Gegenbewegung oder als PR-Maßnahme, um der Diskussion um die Feinstaubwerte entgegenzuwirken. Sie ist unser Beitrag für ein friedliches neues Jahr. Dabei nehmen wir auch in Kauf, dass wir es Menschen dennoch nicht recht machen können – so wie Ihnen gerade. Aber wer kann es schon jedem recht machen? Sie als Journalist können dies wahrlich auch nicht – und das ist ja auch gar nicht Ihre Aufgabe. Aber würden Sie auf Ihre Arbeit verzichten, wenn Sie anderen Menschen dadurch beispielsweise ein angenehmeres Fest bescheren würden? Falls ja, bedauern wir das – aber wir wollen dies nicht. Wir sehen unsere Verantwortung und haben entsprechend gehandelt.

    "Es Ist oft gerade das individuelle Feuerwerk, das sie mit ihrer Fa­milie oder im Freundeskreis zuhause genießen möchten."
    Klaus Gotz

    Was Ihre Beschreibung der Silvestertradition und des PR-Sprechs angeht, so gestat­ten Sie mir, dazu noch etwas zu entgegnen. Es ist nämlich in der Tat sehr interessant, dass Sie diesen bemängeln. Übernehmen Sie ihn doch tagtäglich auch von behördli­chen Einrichtungen, Unternehmen, Vereinen etc. oder nutzen ihn selbst, wenn Sie in Überschriften in Ihrer Zeitung davon sprechen, dass "Die ganze Welt zu Gast" bei ei­nem regionalen Naturlandhof ist, über den Sie berichten. Sie nutzen ihn gelegentlich ebenso, wenn Sie ungefiltert Agenturmeldungen rezipieren und mit diesen informieren wollen. Beispielsweise diejenigen, in denen von der DUH Lichtershows als Alternative zum Feuerwerk angepriesen werden. Da meinen Sie, ist dieser PR-Sprech jedoch an­gebracht und richtig? Lieber Herr Stahl, mal ehrlich: Auch diese Debatte ist heuchle­risch.

    Zuletzt möchte ich Ihnen gerne noch Ihre Frage beantworten, was daran so schlimm wäre, privates Silvesterfeuerwerk zu verbieten. Es ist neben der Tatsache, dass die grundlegenden Argumente für die geforderten Verbote nicht stichhaltig und teilweise schlicht ungerechtfertigt sind, vor allem eines: Für viele Menschen ist der Jahreswech­sel eine ganz persönliche Tradition. Nicht alle von ihnen wollen Silvester auf großen Events verbringen. Es t oft gerade das individuelle Feuerwerk, das sie mit ihrer Fa­milie oder im Freundeskreis zuhause genießen möchten. Familie, Vereine, Freundesgruppen: Sie alle treffen sich und verbringen oftmals eben auf ganz eigene Weise ihr Silvesterfest – viele davon mit friedlichem Feuerwerk ohne Ausschreitungen, Verlet­zungen oder gar Vergiftungen. Ich stelle also die Gegenfrage: Warum sollte diesen Menschen durch Verfehlungen weniger Chaoten oder durch eine einseitig geführte Debatte ihre Freude am privaten Silvester genommen werden?

    Mit freundlichen Grüßen

    Verband der pyrotechnischen Industrie (VPI)

    Klaus Gotzen, Geschäftsführer

    Bearbeitet von Benjamin Stahl

    Kommentare (1)

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