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    Würzburg

    Samstagsbrief: Frau Schmidt, die Corona-Besorgten brauchen Sie!

    Die Zahl der Coronavirus-Fälle in Unterfranken nimmt zu. Wer Rat sucht, dem hilft das Bürgertelefon weiter. Dabei gibt es sicher auch schwierige Anrufer. Ein Dankesbrief.
    Wibke Schmidt, Leiterin der Corona-Servicestelle "Bürgertelefon" im Landratsamt in Würzburg, telefoniert mit einer besorgten Bürgerin. Foto: Silvia Gralla

    Sehr geehrte Frau Schmidt,

    hätten Sie sich Anfang des Jahres vorstellen können, dass schon bald eine Krankheit namens Covid-19 das öffentliche Leben bei uns in vielen Bereichen zum Erliegen bringt? Vermutlich nicht, so wie die meisten Menschen. Doch nun spielen Sie und Ihr Team plötzlich eine zentrale Rolle dabei, dass sich die Ausbreitung des Coronavirus in Deutschland verlangsamt. Wir befinden uns in einer globalen Gesundheitskrise, einer Pandemie, und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bürgertelefons stehen bei der Bekämpfung des Virus in der vordersten Reihe. Dafür will ich Ihnen und Ihren Kolleginnen und Kollegen in diesem Brief danken, Frau Schmidt.

    Denn für viele Menschen in Würzburg und Umgebung ist das Bürgertelefon, das Sie leiten, sicherlich wie eine Rettungsboje auf dem offenen Meer. Sie retten vor dem Ertrinken in einer anhaltenden Flut aus Informationen. Ob über Medien, Freunde oder Nachbarn: Ständig erreichen einen neue Berichte zum Coronavirus – einen Überblick zu behalten, ist schwer. Wer Ihre Nummer wählt, Frau Schmidt, erhofft sich Sicherheit. Die Leute wollen von Ihnen wissen, ob sie sich im Skiurlaub in Südtirol infiziert haben könnten, wann überhaupt ein Corona-Test nötig ist, oder wie sie auf – unter normalen Umständen wenig bedenkliche – Symptome wie Husten und Fieber reagieren sollen.

    Eine Stütze für besorgte Menschen

    Ihre Anrufer sind mögliche Erkrankte, Eltern und Arbeitgeber. Das verbindende Element: Verunsicherung. Dass viele Menschen in Sorge sind, wundert nicht. Schließlich überschlagen sich die Ereignisse. Konzerte, Fußballspiele und Theateraufführungen fallen aus. Schulen und Kindertagesstätten bleiben in Bayern ab nächster Woche geschlossen. Die Existenz von Unternehmen steht auf dem Spiel. Sogar die Bundeskanzlerin empfiehlt, soziale Kontakte auf ein Minimum zu beschränken. Es ist eine völlig neue Situation, mit der wir es zu tun haben. Dabei sind Sie und Ihr Team, Frau Schmidt, täglich hunderten Anrufern in dieser beängstigenden Situation eine Stütze. 

    Zwar könnten die Leute einige der Auskünfte, die Sie über das Bürgertelefon geben, auch im Internet zusammensuchen, aber vielleicht geht es vielen Anrufern auch gar nicht darum. Gerade in dieser Zeit, in der wir zur Isolation aufgefordert sind, ist der Kontakt zu anderen Menschen ein hohes Gut – selbst wenn es nur eine freundliche Stimme am Telefon ist, die uns sagt, dass wir uns vorerst keine Gedanken machen müssen. 

    Aber es geht um viel mehr: Denn durch Ihre Arbeit helfen Sie auch, dass unser Gesundheitssystem nicht zusammenbricht. Würden alle Menschen, die eine Infektion mit Corona befürchten, direkt in die Wartezimmer der Krankenhäuser oder Arztpraxen marschieren, ließen sich weitere Ansteckungen mit dem neuartigen Virus kaum vermeiden. Und das gilt es dringend zu verhindern!

    Schwierige Anrufer: Es braucht viel Geduld

    Als Hypochonder, der schon bei leichten Kopfschmerzen einen Hirntumor vermutet und zum Facharzt rennt, kann ich mir gut vorstellen, dass es Ihnen manche Anrufer nicht leicht machen, Frau Schmidt. Wer Angst hat, sich mit einem Virus angesteckt zu haben, das für ältere Menschen lebensgefährlich sein kann, kann hartnäckig sein. Diese Anrufer verstehen nicht, warum sie keinen Corona-Test machen dürfen, obwohl sie doch unter einem Schnupfen und Halsweh leiden.

    Für sie ist es frustrierend, nicht sofort Klarheit über ihren Gesundheitszustand zu bekommen. Und sie sind womöglich enttäuscht, dass sie keinen Mediziner am Apparat haben. Doch die Kapazitäten der Ärzte und Labore sind nun einmal begrenzt. Ein System, das klar regelt, wer mit welcher Priorität untersucht werden muss, ist also dringend notwendig. Ich bin mir sicher, Frau Schmidt, dass es viel Geduld und Einfühlungsvermögen braucht, die Menschen am anderen Ende des Hörers immer wieder darüber aufzuklären. Und zugegeben: Wer Desinfektionsmittel im Krankenhaus klaut und zuhause Toilettenpapier hortet, den werden diese Ausführungen vermutlich wenig überzeugen. 

    Ich wünsche Ihnen dennoch, dass Ihnen die Kraft nicht ausgeht. Wann Corona wieder aus unserem Leben verschwinden wird, kann derzeit nämlich niemand vorhersagen. Vorerst wird also auch die Zahl der Anrufe im Landratsamt nicht sinken. Zum Schluss möchte ich dem Bürgertelefon noch eine Frage in eigener Sache stellen, Frau Schmidt: Was ist ihrer Meinung nach die ideale Kochzeit für Spagetti? Kleiner Scherz – kann auch nicht schaden in schwierigen Zeiten. 

    Mit freundlichen Grüßen,

    Corbinian Wildmeister

    Einer bekommt Post: Der "Samstagsbrief"
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